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Kellnern nach der Arbeit: Viele Deutsche haben einen Nebenjob.

Nicht nur bei Geringverdienern

Rekord: So viele Deutsche haben einen Nebenjob

Berlin - Noch nie hatten in Deutschland so viele Menschen einen Nebenjob wie derzeit. Arbeitsmarktforscher kritisieren: Darunter seien viele Gutverdiener, die von der Abgabenfreiheit profitieren.

Die Zahl der Beschäftigten mit einem Nebenjob hat in Deutschland einen Rekordwert erreicht. Im vergangenen Jahr hatten laut Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erstmals mehr als drei Millionen Menschen neben ihrem Hauptberuf einen Zweitjob. Die Zahl der Arbeitnehmer mit einem Nebenjob hat sich damit seit der Wiedervereinigung mehr als verdreifacht auf zuletzt 3,02 Millionen. In diesem Jahr rechnet das IAB erneut mit einer leichten Zunahme. Zuerst hatte die „Berliner Zeitung“ (Montag) darüber berichtet.

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg seien Vergünstigungen für Zweitjobs, die die Politik im Zuge der Hartz-Reformen beschlossen habe, sagt IAB-Forscher Enzo Weber. Die meisten Beschäftigten mit Nebenjob - mehr als 2 Millionen - hätten neben ihrem Hauptberuf einen Minijob. Seit 2003 ist der Hinzuverdienst für die Beschäftigten hier praktisch steuer- und abgabenfrei.

Gutverdiener profitieren von Steuerbefreiung

Deshalb lohnt sich der Minijob oft finanziell mehr als eine entsprechende Ausweitung der Arbeitszeit im Hauptjob: Bei 8,50 Euro Stundenlohn müsste ein Arbeitnehmer laut dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW/Köln) in Vollzeit rund 17 Euro im Hauptjob verdienen, damit sich dieser mehr lohnt als der Minijob.

Weber kritisiert: „Es ist schwer nachvollziehbar, warum man den Zweitjob so begünstigt.“ Entlastet würden damit nämlich nicht nur Geringverdiener, die aus finanziellen Gründen zwei Jobs übernehmen müssen. Von der Regelung profitierten auch Gutverdiener mit einer Nebentätigkeit. Laut Weber müsste vielmehr differenziert werden: „Bei Geringverdienern müsste man grundsätzlich die Belastung reduzieren. Das nur über den Zweitjob zu tun, ist wenig zielgenau.“

Eigentlich sollen Minijobs zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten für Geringverdiener schaffen und die Hürden für eine Einstellung senken. Die Verdienstobergrenze liegt bei 450 Euro.

Der Zuwachs bei den Beschäftigten mit Nebenjobs hat sich zuletzt aber verlangsamt. 2007 gab es im Vergleich zum Vorjahr noch 184 000 mehr. Von 2012 auf 2013 nahm ihre Zahl nur noch um 52 000 zu. Der Anteil der Nebenjobber an allen beschäftigten Arbeitnehmern liegt derzeit bei acht Prozent. Nebenjobs gebe es vor allem im Gastgewerbe und im Gesundheitswesen. Dennoch seien sie über den gesamten Arbeitsmarkt „breit gestreut“, sagt Weber. Auch jeder hoch qualifizierte beispielsweise in der IT-Branche könne einen Nebenjob annehmen.

Linke: Zunahme von Nebenjobs "Alarmzeichen"

Ein weiterer Grund für die Zunahme der Nebentätigkeiten sei der allgemeine Job-Boom. „Die Beschäftigung ist insgesamt deutlich gestiegen, der Bedarf bei der Arbeitgebern nach Fachkräften ist sehr hoch. Davon haben auch die Nebenjobber profitiert“, sagt der IAB-Forscher.

Das IW ergänzt, dass bei manchen Arbeitnehmern die Hauptbeschäftigung auch nur ein Teilzeitjob ist, bei dem die Arbeitszeit nicht wie gewünscht ausgeweitet werden kann. Als Alternative bleibe dann nur ein zusätzlicher Minijob.

Die Linke im Bundestag bezeichnete die Zunahme von Zweitjobs als „Alarmzeichen“. Minijobs müssten dringend voll sozialversicherungspflichtig werden, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin, Sabine Zimmermann. Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert: „Notwendig ist die Sozialversicherungspflicht von der ersten Stunde an.“ Nur so könnten versteckte Subventionen beseitigt werden.

Im Gastgewerbe arbeiteten mittlerweile etwa 870 000 Beschäftigte mit einem Minijob, vor allem Frauen. Die Bezahlung liege meist unter dem Tariflohn. Nur noch jeder zweite Arbeitsplatz im Gastgewerbe sei sozialversicherungspflichtig - mit sinkender Tendenz. „Minijobber werden geködert mit der Aussicht, keine Steuern und Abgaben zu zahlen, und verharren in der Niedriglohnfalle - ohne Aussicht auf reguläre Beschäftigung.“ Außerdem würden Minijobs oft genutzt, um Schwarzarbeit zu verstecken. Zwar werde ein Minijob angemeldet, gearbeitet werde jedoch wesentlich mehr.

dpa

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