Erhöhung fällt 2015 wohl geringer aus

Rentner ziehen wohl den Kürzeren

Berlin - Die 20 Millionen Rentner in Deutschland werden sich im kommenden Jahr wohl mit einer geringeren Erhöhung ihrer Altersbezüge begnügen müssen.

Eine Veränderung bei der Berechnungsgrundlage wird sich 2015 auf die Rente auswirken, wie eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums am Montag sagte. Hintergrund ist, dass in die Beschäftigungsstatistik, die als Grundlage für die Rentenberechnung dient, hunderttausende Menschen mit geringen Einkommen einbezogen werden.

Mit aufgenommen in die Beschäftigungsstatistik werden nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 300.000 Menschen mit einer Behinderung, die zum Beispiel in einer Werkstatt arbeiten. Auch mehr als 30.000 Beschäftigte in Einrichtungen der Jugendhilfe oder Berufsbildungswerken werden berücksichtigt. Hinzu kommen 80.000 Menschen, die etwa ein Freiwilliges Soziales Jahr oder Bundesfreiwilligendienst leisten.

Die Erweiterung der Statistik senkt das Gesamtniveau der Löhne und Gehälter - und dämpft damit auch die Rentenerhöhung. Das Bundesarbeitsministerium rechnet nach Angaben der Sprecherin zwar trotzdem mit einem Plus bei der Rente. Wie hoch dieses sein könnte, lasse sich aber noch nicht sagen. Das Plus könnte um etwa einen Prozentpunkt niedriger ausfallen, heißt es in der "Süddeutschen Zeitung" vom Montag. Die Renten werden jährlich zum 1. Juli angehoben. In diesem Jahr stiegen die Renten in Westdeutschland um 1,67 Prozent, in den neuen Ländern um 2,53 Prozent.

Der statistische Effekt tritt nur einmalig auf. Wegen der Besonderheiten bei der Rentenberechnung erwarten sowohl Regierung als auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), dass das Rentenplus 2016 besonders stark ausfallen wird - und der Dämpfer von 2015 damit wieder ausgeglichen werden dürfte. Die Änderung wirkt sich auch auf den Beitragssatz aus: Muss die Rentenversicherung wegen der gedämpften Rentenerhöhung weniger Geld ausgeben, sinkt im Gegenzug der Beitragssatz 2015 stärker - und steigt danach umso deutlicher.

Ein solches Auf und Ab lehnt der Deutsche Gewerkschaftsbund ab: Er plädiert stattdessen für Beitragssatzstabilität. "Eine Senkung des Beitragssatzes wäre ein großer Fehler, weil die Rentenversicherung dann innerhalb kürzester Zeit ihre Rücklagen abbauen müsste", erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Der Beitragssatz müsse stabil gehalten wird, "damit wir auch in Zukunft auskömmliche Renten bezahlen und Sicherungslücken schließen können." Die Rentenversicherung müsse finanziell robust in die nächsten Jahre gehen, schließlich gebe es erhebliche Risiken in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung.

Um den Beitrag stabil zu halten, müsste die Rentenformel geändert werden, was Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) aber ablehnt. Somit bleibt es bei der Regelung, dass der Beitragssatz gesenkt werden muss, wenn die Nachhaltigkeitsrücklage der Deutschen Rentenversicherung das 1,5-fache einer Monatsausgabe übersteigt. Damit wird in diesem Jahr gerechnet.

Jüngsten Prognosen zufolge wird erwartet, dass der Beitragssatz von derzeit 18,9 Prozent zum Jahreswechsel auf 18,7 Prozent sinken. Klarheit über den Beitragssatz soll es im November geben.

AFP

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