Der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, spricht während der Hauptversammlung der Deutschen Bank. Foto: Arne Dedert/Archiv
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Der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, spricht während der Hauptversammlung der Deutschen Bank.

Deutsche-Bank-Co-Chef im Kirch-Prozess

Richter fühlen Fitschen auf den Zahn

München - Im Strafprozess gegen Top-Banker der Deutschen Bank wegen des Vorwurfs von Falschaussagen im Kirch-Prozess haben die Richter die Rolle von Co-Chef Jürgen Fitschen unter die Lupe genommen.

Jürgen Fitschen hat seit Monaten gewusst, dass der Strafprozess vor dem Landgericht München nicht angenehm wird. Es werde nun eben ein bisschen ungemütlich, sagte der Co-Chef der Deutschen Bank kurz vor dem Beginn des Verfahrens um angebliche Falschaussagen im Fall Kirch. Am Dienstag erfüllte sich diese Einschätzung wohl erstmals richtig: Stundenlang nahmen die Richter im Landgericht München den Top-Banker in die Mangel, um seine Rolle in der Causa Kirch zu durchleuchten. Fitschen wirkte in dem Frage-Antwort-Marathon sichtlich angespannt. Als einer der Chefs der größten deutschen Bank ist es normalerweise er selbst, der die Fragen stellt - die Antworten geben andere. Als Angeklagter vor Gericht ist es umgekehrt.

Trotzdem stellte er sich im Gegensatz zu manch anderem Angeklagten den Fragen der Richter. Denn Fitschen will in dem Verfahren seine Unschuld beweisen. Zwar hat er seinen Rücktritt von der Spitze der Deutschen Bank zusammen mit Co-Chef Anshu Jain schon angekündigt: Bis zum kommenden Mai will er seinen Chefsessel in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank aber noch behalten. Der Verlauf des Prozesses in München dürfte dafür mit entscheidend sein.

Fitschen sieht sich unschuldig

Fitschen machte erneut deutlich, dass er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft für unbegründet hält. Die Ankläger sehen den Spitzenmanager zwar nicht als treibende Kraft. Aber sie werfen ihm vor, seine vier mitangeklagten Kollegen in der Führungsriege der Deutschen Bank nicht davon abgehalten zu haben, das Oberlandesgericht München vor vier Jahren durch Falschaussagen zu täuschen. Damit wollten sie laut Anklage milliardenschwere Schadenersatzforderungen für die Pleite des Medienkonzerns Kirch abwehren.

Fitschen erklärte, er habe eigentlich nie verstanden, warum Kirch überhaupt Schadenersatz von der Deutschen Bank haben wollte. Nur weil der damalige Chef Rolf Breuer in einem Fernseh-Interview Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs geäußert hatte? Medienunternehmer Leo Kirch hatte dieses Interview im Februar 2002 als Todesstoß für sein Unternehmen angesehen. Wenige Monate nach der TV-Übertragung meldete Kirch Insolvenz an.

Fitschen betont, er verstehe die Aufregung um das Interview nicht. Breuer habe damals schließlich keine Neuigkeiten verkündet, weil ohnehin jeder von der Lage der Kirch-Gruppe gewusst habe. „Kein Anlass, schlaflose Nächte zu haben.“ Richter Noll zeigte sich verwundert über diese Aussage. „Ich find das nicht so eindeutig, wie Sie das hier sehen.“ Es mache einen großen Unterschied, ob ein Journalist sage, dass Kirch nicht kreditwürdig sei oder der Chef der Deutschen Bank, der eigentlich verschwiegen sein müsse, wenn es um Kundenbeziehungen geht. „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, sagte Noll.

Zum Abschluss des fünften Verhandlungstages in dem Mammutprozess ließ der Richter das wohl teuerste Interview der Wirtschaftsgeschichte noch einmal auf einem Fernseher im Gerichtssaal abspielen. „Das muss man mal gesehen haben.“ Breuer, ebenfalls Angeklagter in dem Prozess, saß bei der Vorführung in der ersten Reihe und blickte mit gewohnt eiserner Miene auf den Bildschirm. Zumindest optisch hat er sich in den gut 13 Jahren, die seitdem vergangen sind, kaum verändert, wie ihm der Richter bescheinigte, als der Fernseher wieder ausgeschaltet wurde. „Gut gehalten, Herr Dr. Breuer.“

dpa

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