North Stream - Turkish Stream 

Russen und Europäer bauen weitere Stränge für Ostsee-Gaspipeline

St. Petersburg - Russlands Energieriese Gazprom kündigt bei einer Konferenz in St. Petersburg den Ausbau der Ostsee-Pipeline Nord Stream an. Das nächste Milliardenprojekt folgt an diesem Freitag - der griechische Premier Tsipras will mit Kremlchef Putin ein Energieabkommen besiegeln.

Der russische Gazprom-Konzern baut mit westeuropäischen Partnern zwei weitere Stränge der Ostsee-Pipeline Nord Stream zwischen Russland und Deutschland. Mit der Verdoppelung der Rohre soll die Energieversorgung der EU-Staaten abgesichert und die krisengeschüttelte Ukraine als wichtigstes Transitland für russisches Erdgas umgangen werden. Das teilte der vom Kreml gesteuerte Monopolist am Donnerstag beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg mit.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras und Russlands Präsident Wladimir Putin treffen an diesem Freitag in der früheren Zarenmetropole zusammen. Beide Länder würden dann eine Absichtserklärung über die geplante Gasleitung Turkish Stream unterzeichnen, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak der Agentur Tass zufolge.

Nach Ansicht von Experten könnte Russland dem vom Bankrott bedrohten EU-Land rund zwei Milliarden Euro für den Pipelinebau in Aussicht stellen. Der russische Finanzminister Anton Siluanow betonte indes, es liege keine offizielle Kreditanfrage aus Griechenland vor.

Turkish Stream soll durch das Schwarze Meer von der Türkei nach Griechenland führen. Gazprom-Chef Alexej Miller habe am Donnerstag mit dem griechischen Energieminister Panagiotis Lafazanis bereits Details besprochen, hieß es. Medienberichten zufolge war auch Tsipras bereits im Tagesverlauf in St. Petersburg eingetroffen.

Nowak betonte, die geplante Erweiterung von Nord Stream stehe nicht in Konkurrenz zum Turkish-Stream-Projekt. „Beide haben unterschiedliche Zielmärkte“, sagte der Energieminister. Der Weiterbau durch die Ostsee werde „zur Erhöhung der Sicherheit und Zuverlässigkeit der Lieferungen“ beitragen, meinte Gazprom-Chef Miller. Ein Nord-Stream-Sprecher sagte, wegen einer komplizierten Gesellschafterstruktur werde zunächst eine Betreibergesellschaft gegründet, die die beiden neuen Stränge bauen solle.

Die 1224 Kilometer lange Leitung zwischen Wyborg in Russland und Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern war von Putin und dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) beschlossen worden. 2011 wurde sie in Betrieb genommen - auch, um die Ukraine als Transitland zu umgehen. Mehrere vor allem osteuropäische Staaten hatten dies kritisiert.

Das Projekt, an dem sich auch Eon aus Deutschland, OMV aus Österreich sowie der britisch-niederländische Shell-Konzern beteiligen, gilt auch vor dem Hintergrund der schweren Ukraine-Krise als großer Coup. Mit den zwei geplanten neuen Strängen verdoppelt sich die Kapazität von Nord Stream um weitere 55 Milliarden Kubikmeter im Jahr.

Die Ukraine dürfte dadurch ihre Bedeutung als bislang wichtigstes Transitland für russisches Gas verlieren. Von 2020 an will Moskau kein Gas mehr durch die Ukraine nach Westeuropa liefern. Russland hält die Ukraine für unzuverlässig und hatte dort in der Vergangenheit illegales Abzapfen von Gas beklagt. Die beiden Länder streiten zudem über Lieferpreise und Gasschulden.

Das Fachtreffen in St. Petersburg, das als russisches Pendant zum Forum im Schweizer Kurort Davos gilt, ist traditionell Schauplatz für den Abschluss von Milliarden-Geschäften. Siemens etwa unterzeichnete einen Vertrag mit der russischen Staatsbahn RZD über 1,7 Milliarden Euro für die Wartung von Zügen. Trotz politischer Spannungen kamen in diesem Jahr auch wieder Manager aus dem Westen in Putins Heimatstadt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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