Nach der EU

USA: Zusätzliche Sanktionen gegen Russland

Brüssel/Washington - Nach der Europäischen Union haben auch die USA wegen der Ukraine-Krise neue Sanktionen gegen Russland verhängt. 

Das Finanzministerium in Washington kündigte am Freitag erweiterte Strafmaßnahmen an, die etwa den russischen Finanz- und Energiesektor betreffen. Dazu gehört nun auch die größte russische Bank Sberbank. Zudem wurden Personen und Firmen auf die Sanktionsliste gesetzt, die im russischen Verteidigungssektor tätig sind. Russland müsse aufhören, die ukrainische Souveränität zu verletzen, teilte Finanzstaatssekretär David Cohen mit. Sonst würden die USA und die EU Russland immer weiter vom globalen Finanzsystem isolieren.

Mehr Druck auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin - das ist auch das Ziel neuer Sanktionen der EU. Mit dem Versprechen: Falls die Lage in der Ukraine sich verbessert, werden die Sanktionen ganz schnell wieder verschwinden.

Die Europäische Union hat mit sofortiger Wirkung sechs große russische Energie- und Rüstungsunternehmen von der Geldbeschaffung auf den EU-Kapitalmärkten abgeschnitten. Ein am Freitag im EU-Amtsblatt veröffentlichtes neues Sanktionsbündel enthält auch Einreiseverbote für 24 prominente Separatistenführer in der Ostukraine und russische Politiker.

Kremlchef Wladimir Putin hat die neuen Sanktionen des Westens gegen Russland als „wenig effektiv“ kritisiert. Die Strafmaßnahmen seien „antirussisch“ und würden nicht zur Lösung des Konflikts in der Ukraine beitragen, sagte der Präsident der Agentur Interfax zufolge am Freitag. Putin kritisierte, dass die Sanktionen auch gegen die zuletzt an Friedensverhandlungen beteiligten prorussischen Kräfte aus der Ostukraine verhängt worden seien. Das gefährde den Friedensprozess. Seine Regierung werde Gegensanktionen vorbereiten, die allerdings den Interessen Moskaus nicht schaden dürften, sagte Putin in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe.

Druck auf Moskau im Ukrainekonflikt soll erhöht werden

Mit den Sanktionen will die EU im Ukrainekonflikt Druck auf Russland ausüben. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hatte am Donnerstag erklärt, die Strafmaßnahmen sollten noch vor Monatsende überprüft und möglicherweise geändert oder zurückgenommen werden. Dies hänge von Moskaus weiterem Verhalten zum Friedensplan für die Ukraine ab.

Anleihen der drei großen Energieunternehmen Rosneft, Transneft und Gazprom Neft dürfen ab sofort nicht mehr an den Finanzmärkten der EU gehandelt werden. Das gilt auch für drei Rüstungsunternehmen: OPK Oboronprom ist der wichtigste Gesellschafter des Hubschrauberproduzenten Russian Helicopters, United Aircraft Corporation stellt unter anderem Kampfflugzeuge her und Uralvagonzavod ist der führende russische Panzerhersteller.

Mit zusätzlichen Einreisverboten und Kontensperrungen für 24 Personen erhöht die EU zudem die Zahl der insgesamt davon Betroffenen auf 119. Neu auf der Liste sind die Separatistenführer Alexander Sachartschenko, Wladimir Kononow und Miroslaw Rudenko. Sie gehören zu den politischen Köpfen der von den Separatisten ausgerufenen Volksrepublik Donezk.

Von der Moskauer Politprominenz bekam unter anderem der ultranationalistische Duma-Abgeordnete Wladimir Schirinowski Einreiseverbot. Auch der Chef des führenden Rüstungs- und Industriekonzerns Rostec, Sergej Tschemesow, wurde auf die schwarze Liste der EU gesetzt. Er ist laut Sanktionsverordnung ein enger Freund von Präsident Putin aus gemeinsamen KGB-Zeiten in Dresden.

Zu den Sanktionen gehört auch ein Verbot von Dienstleistungen für die Förderung von Öl in der Tiefsee und in der Arktis sowie für die Schieferölförderung. Die Ausfuhr von Technologie für diese Bereiche war bereits Ende Juli von der EU verboten worden.

Auf einer Liste von Unternehmen, an die keine sowohl zivil als auch militärisch nutzbaren Produkte mehr geliefert werden, stehen unter anderem der Hersteller der Kalaschnikow-Sturmgewehre und Almas-Antej. Sie stellen unter anderem das Raketensystem Buk her, mit dem die malaysische Passagiermaschine MH17 über der Ostukraine abgeschossen worden sein soll.

In dem Sanktionsbeschluss heißt es, „angesichts der sehr ernsten Lage“ und der Aktionen Russlands zur Destabilisierung der Ukraine seien weitere „restriktive Maßnahmen“ nötig. Die Inkraftsetzung der schon am Montag beschlossenen Sanktionen war zwischen den EU-Regierungen bis zum Donnerstag umstritten. Eine Reihe von Regierungen befürchtete, die Waffenruhe und einen Abzug russischer Truppen aus der Ukraine zu gefährden. Deswegen versicherte Van Rompuy, die Sanktionen seien abhängig von der weiteren Entwicklung der Lage in der Ukraine „jederzeit umkehrbar“.

Unternehmerverband kritisiert Sanktionen

Westliche Unternehmer in Russland haben die neuen Sanktionen des Westens gegen Moskau kritisiert. Die Regierungen sollten einen Weg zur Lösung des Ukraine-Konflikts finden, ohne der Wirtschaft zu schaden, forderte die Vereinigung Europäischer Unternehmen (AEB) am Freitag in der russischen Hauptstadt. Der Verband sei aber weiterhin zuversichtlich, dass Russland trotz der Sanktionen ein strategischer Partner für Firmen aus Europa bleibe.

Ölpreise nach Russlandsanktionen gestiegen

Nach zuletzt deutlichen Verlusten haben auch die Sanktionen gegen Russland am Freitag die Ölpreise gestützt. Ein Fass der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober stieg bis zum Mittag auf 98,26 US-Dollar. Das waren 18 Cent mehr als am Vortag. Am Donnerstag wurde der Brent-Preis zeitweise mit 96,72 US-Dollar gehandelt. Noch weniger gekostet hatte Brent-Öl zuletzt im Juli 2012. Ein Barrel (159 Liter) US-Rohöl der Marke WTI verteuerte sich um 42 Cent auf 93,24 Dollar. Die Europäische Union hat mit sofortiger Wirkung sechs große russische Energie- und Rüstungsunternehmen von der Geldbeschaffung auf den EU-Kapitalmärkten abgeschnitten.

Von einer Trendwende zu sprechen, sei jedoch noch zu früh, schreiben die Rohstoffexperten der Commerzbank. Die neuen EU-Sanktionen gegen Russland könnten die Preise gestützt haben.

Eine Möglichkeit zu einer Trendwende bei den Ölpreisen sehen die Rohstoffexperten der dänischen Danske Bank: „Die Ölpreise scheinen nach dem Ausverkauf einen Boden gefunden zu haben.“ Die anhaltenden geopolitischen Spannungen könnten zu steigenden Preisen führen. Dies gelte auch für die Erholung der Weltwirtschaft, die vor allem durch die stärken US-Wirtschaft angetrieben werde. Ein höheres Wirtschaftswachstum steigert die Nachfrage nach Rohöl. Laut Analysten könnten bereits die am Nachmittag anstehenden Einzelhandelsumsätze die Ölpreise weiter stützen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Preissturz: So günstig wird das Fliegen mit Ryanair 2017

München - Die Billigfluglinie Ryanair will 2017 die Preise senken. Das gab das Unternehmen bekannt. Und in den kommenden Jahren soll es noch günstiger werden.
Preissturz: So günstig wird das Fliegen mit Ryanair 2017

Hacker erbeuten Geld von Niki Laudas Flugunternehmen

Wien - Mit Hacker-Attacken haben Internet-Kriminelle beim Flugunternehmen der Formel-1-Legende Niki Lauda einem Zeitungsbericht zufolge mehrere zehntausend Euro erbeutet.
Hacker erbeuten Geld von Niki Laudas Flugunternehmen

Energieminister: Auch Russland will Ölförderung kürzen

Die Länder in der Opec wollen weniger Erdöl fördern, um die Preise nach oben zu treiben. Ziehen auch andere Staaten mit? Aus Russland kommen vor einem Treffen in Wien …
Energieminister: Auch Russland will Ölförderung kürzen

Er kostet 80 Euro! Dieser Stein wird zum unerklärlichen Verkaufs-Hit

Seattle - Ist es ein Briefbeschwerer? Ein Kunstwerk? Sogar der Verkäufer lässt offen, wozu ein in Leder eingenähter Stein gut sein soll. Klar ist: Er ist ein Renner.
Er kostet 80 Euro! Dieser Stein wird zum unerklärlichen Verkaufs-Hit

Kommentare