Siemens plant Milliardengebot für Dresser-Rand

München/Houston - Kommt es zu einem Bieterduell zwischen Siemens-Chef Joe Kaeser und seinem Vorgänger Peter Löscher? Sowohl Siemens als auch der Schweizer Industriekonzern Sulzer sollen am US-Kompressoren-Hersteller Dresser-Rand interessiert sein.

Nach dem Tauziehen um den französischen Rivalen Alstom könnte Siemens vor dem nächsten milliardenschweren Bietergefecht stehen. Wie das „Manager Magazin“ am Freitag in seiner Online-Ausgabe berichtete, will der Münchner Elektrokonzern für den US-Kompressoren-Hersteller Dresser-Rand, an dem auch der Schweizer Industriekonzern Sulzer interessiert ist, mehr als 6 Milliarden Dollar (rund 4,7 Mrd Euro) bieten. Pikant: Damit würde Siemens-Chef Joe Kaeser gegen seinen Vorgänger Peter Löscher in den Ring steigen, der mittlerweile Verwaltungsratspräsident von Sulzer ist.

Ein Siemens-Sprecher wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Bericht äußern. Sulzer hatte vor einigen Tagen bereits „nicht-exklusive Gespräche“ mit Dresser-Rand bestätigt: „Es kann nicht garantiert werden, dass die Gespräche zu einer Transaktion führen. Sulzer beabsichtigt nicht, Näheres zu kommentieren, bis eine Vereinbarung getroffen wurde“, hieß es in einer Stellungnahme. Dresser-Rand hatte sich nicht zu den Gesprächen geäußert.

Laut Nachrichtenagentur Bloomberg könnte der Siemens-Aufsichtsrat bereits am kommenden Mittwoch (24. September) über eine Offerte von mehr als 85 Dollar je Aktie entscheiden. Auch dazu wollte sich Siemens am Freitag nicht äußern. Im „Manager Magazin“ war von mehr als 80 Dollar je Anteilsschein die Rede. Außerdem hieß es, die Vorbereitungen für eine Dresser-Rand-Übernahme von Siemens, seien weit fortgeschritten. Es sei wahrscheinlich, dass der Dax-Riese eine konkrete Offerte in den nächsten Wochen vorlege. Ähnliches hatte die Schweizer „Handelszeitung“ zuvor über Sulzer berichtet.

Das Siemens-Gebot entspräche im Vergleich zum Dresser-Schlusskurs vom Dienstag zwar einem Aufschlag von mehr als 18 Prozent. Dennoch dürfte der Ausgang eines Bietergefechts ungewiss sein, hieß es im „Manager Magazin“. Sulzer wolle anders als Siemens mit Dresser-Rand über einen Aktientausch fusionieren. Eine solche Lösung würde sich besser mit dem Selbstbewusstsein von Dresser-Rand-Chef Vincent Volpe vertragen und daher möglicherweise eher auf Zustimmung treffen, so das Magazin unter Berufung auf Insider.

Dresser-Rand ist ein US-Ausrüster für die Öl- und Gasindustrie. In dem Geschäft sieht Kaeser eine große Zukunft und hat in den USA auch den Hauptsitz der Siemens-Energiesparte angesiedelt. Am 1. August übernahm die frühere Shell-Managerin Lisa Davis dort die Führung.

Löscher musste im vergangenen Jahr nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge den Siemens-Chefposten an Kaeser abgegeben. Erst kürzlich war er auch als Präsident des Stiftungsrats der Siemens-Stiftung zurückgetreten. Nach Angaben von Siemens hatte der österreichische Manager den Schritt mit seiner starken beruflichen Beanspruchung an der Spitze der Renova-Holding begründet, die an Sulzer beteiligt ist. Sollte es nun tatsächlich zu dem Bietergefecht um Dresser-Rand kommen, wäre der Schritt in einem anderen Licht zu betrachten.

Im Tauziehen um Alstom hatte Siemens mit seinem japanischen Partner Mitsubishi Heavy Industries gegen den US-Rivalen General Electric den Kürzeren gezogen. Siemens hatte auch die Übernahme des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts des Flugzeugtriebwerkbauers Rolls-Royce bekanntgegeben. Dessen Produkte kommen ebenfalls in der Öl- und Gasindustrie zum Einsatz.

dpa

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