+
Hartmut Retzlaff: Stada trennt sich vom langjährigen Chef. Foto: Daniel Reinhardt/Archiv

Stada trennt sich von langjährigem Chef Retzlaff

Hartmut Retzlaff war "Mister Stada". Aus einem "besseren Hasenstall" machte er einen milliardenschweren MDax-Konzern. Doch mitten im Kampf um eine mögliche Neuaufstellung muss der angeschlagene Chef gehen.

Bad Vilbel (dpa) - Der Pharmahersteller Stada hat sich von seinem langjährigen Vorstandschef Hartmut Retzlaff getrennt. Der 62 Jahre alte Manager hatte schon seit Juni seine Geschäfte ruhen lassen und dafür gesundheitliche Probleme angeführt.

Der MDax-Konzern steht andererseits unter dem Druck kritischer Aktionäre, die Retzlaff und seine Unternehmensführung in den vergangenen Monaten scharf kritisiert und einen Kurswechsel verlangt hatten.

Man habe das Anstellungsverhältnis "aufgrund persönlicher Umstände einvernehmlich" beendet, teilte Stada am Montag in Bad Vilbel bei Frankfurt mit. Der eigentlich bis August 2021 berufene Retzlaff wird von seinen Aufgaben freigestellt und erhält neben bis zum Jahresende fortgezahlten Bezügen noch eine Abfindung in nicht genannter Höhe. Er leitete das Unternehmen seit 1993. Seit Juni steht Matthias Wiedenfels an der Stada-Spitze.

Die nun vereinbarten Zahlungen an Retzlaff würden zusammengenommen zwei Jahresvergütungen nicht übersteigen und damit den Vorschriften zur guten Unternehmensführung genügen, erklärte das Unternehmen. Im vergangenen Jahr hatte Retzlaff 3,6 Millionen Euro erhalten. In der Vergangenheit war der Manager wegen seiner hohen Pensionsansprüche von mehr als 30 Millionen Euro in die Kritik geraten.

Mit zuletzt 2,1 Milliarden Euro Umsatz ist Stada der letzte von anderen Konzernen unabhängige Hersteller von Nachahmer-Medikamenten (Generika) und rezeptfreien Arzneien in Deutschland. Die Aktiengesellschaft ging aus der einstigen Genossenschaft "Standardpräparate Deutscher Apotheker" hervor und gilt in der Branche schon lange als Übernahmekandidat. Laut "Handelsblatt" haben zahlreiche Finanzinvestoren bereits Interesse gezeigt.

Der Großaktionär Active Ownership Capital (AOC) hatte die Neubesetzung des Stada-Aufsichtsrats verlangt. Auch einflussreiche Aktionärsberater sprachen sich gegen dessen Chef Martin Abend aus, der sich auf der Hauptversammlung am Freitag kommender Woche (26. August) in Frankfurt zur Wiederwahl stellen will. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte berichtet, dass AOC auch den Vorstand auswechseln wolle, dies aber der Öffentlichkeit verberge. AOC äußerte sich am Montag nicht zu Retzlaffs Demission.

Mit Retzlaffs Abgang ist nach FAZ-Informationen der Weg frei für eine Vergrößerung des Vorstands von drei auf vier Manager. Die eingeschaltete Personalberatung Egon Zehnder habe ein entsprechendes Mandat erhalten, zitierte die Zeitung in einer Vorabmeldung einen Sprecher des Aufsichtsrates. Neben Wiedenfels ist derzeit noch Helmut Kraft als Finanzvorstand berufen. Gesucht würden Führungskräfte für Forschung und Entwicklung sowie für Marketing und Vertrieb.

AOC über Stada

Einladung und Tagesordnung Hauptversammlung Stada

Mitteilung Stada

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Telekom: Zwei wichtige Neuerungen am Servicetelefon

Bonn - Die Telekom sorgt für mehr Kundenfreundlichkeit. So bietet das Unternehmen künftig einen Rückrufservice und die Verbindung mit dem vorigen Berater an.
Telekom: Zwei wichtige Neuerungen am Servicetelefon

Auch McDonald's will Essen nach Hause liefern lassen

München - Ob neue Schuhe, Kosmetikartikel oder das Abendessen - viele Menschen in Deutschland lassen sich die Dinge des täglichen Bedarfs gerne nach Hause bringen. Von …
Auch McDonald's will Essen nach Hause liefern lassen

Lebensversicherung: Verbraucherschützer sorgen sich um Altpolicen

Hamburg/Frankfurt - Die Zinsflaute setzt Lebensversicherer unter Druck. Verbraucherschützer befürchten, dass sie Kunden mit hoch verzinsten Altverträgen loswerden …
Lebensversicherung: Verbraucherschützer sorgen sich um Altpolicen

Einzelhandel: Weihnachtsgeschäft zieht an

Berlin - Das Weihnachtsgeschäft kommt aus Sicht des Handels in Fahrt. In der Woche vor dem zweiten Advent sei das Geschäft für viele Händler besser gelaufen als in der …
Einzelhandel: Weihnachtsgeschäft zieht an

Kommentare