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Zuverdienst im Alter: Die Regierung will längeres Arbeiten attraktiver machen.

Finanzen

Was steckt hinter der Flexi-Rente?

Von Hundert auf Null, vom Arbeitsleben in die Rente – das soll bald anders werden. Die Flexi-Rente sieht fließende Übergänge und Anreize vor. Wir erklären, welche Neuregelungen geplant sind.

Gestern hat der Bundestag erstmals über die „Flexi-Rente“ beraten. Das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte „Gesetz zur Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand und zur Stärkung von Prävention und Rehabilitation im Erwerbsleben“ sieht – verkürzt ausgedrückt – eine Teilrente „ab 63“ für die Arbeitnehmer vor, die frühzeitig ihre Tätigkeit reduzieren wollen. Im Gegenzug sollen Anreize für künftige Rentner geschaffen werden, die über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus arbeiten möchten – oder müssen.

Anlass für die Debatte über die Flexi-Rente ist die Tatsache, dass es mehr und mehr ältere Menschen in Deutschland gibt, die länger arbeiten können, wollen oder müssen. Aktuell ist schon fast jeder zweite der 60- bis 64-Jährigen erwerbstätig. Zum Vergleich: 2000 waren es 20 Prozent.

Das Papier, das zur Beratung im Bundestag lag, ist natürlich noch keine „Handlungsanweisungen“ für die Berater der Rentenversicherer oder für die Mitarbeiter der Krankenkassen. Auch sind die Vorhaben, die Impulse und die weiteren Verfahren bei den Fraktionen angesiedelt. Aber es gibt einen 7-Punkte-Plan, der – per Änderungen in den Sozialgesetzesbüchern – das flexible Arbeiten bis zur Regelaltersrente fördern soll:

  • 1. Die Möglichkeit, vor Erreichen der Regelaltersgrenze eine Teilzeitarbeit durch eine Teilrente zu ergänzen, soll verbessert werden. Teilrente und Hinzuverdienst sollen flexibel und individuell miteinander kombinierbar werden. Hinzuverdienst soll im Rahmen einer Jahresbetrachtung stufenlos bei der Rente berücksichtigt werden. Dasselbe soll dann auch für Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit gelten.
  • 2. Wer eine vorgezogene Vollrente wegen Alters bezieht und weiterarbeitet, der soll dadurch künftig regelmäßig den Rentenanspruch erhöhen können. Auch Vollrentnerinnen und Vollrentner sind fortan in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig, bis sie die Regelaltersgrenze erreichen.
  • 3. Um einen Anreiz für eine Beschäftigung auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze zu setzen, soll die Möglichkeit geschaffen werden, auf die dann bestehende Versicherungsfreiheit zu verzichten. Die Beschäftigten können so weitere Entgeltpunkte in der gesetzlichen Rentenversicherung erwerben und ihren Rentenanspruch noch erhöhen. Diese Möglichkeit soll für selbstständige Publizisten und Künstler nachvollzogen werden.
  • 4. Versicherten soll die Möglichkeit gegeben werden, früher und flexibler als bisher zusätzlich Beiträge in die Rentenversicherung einzuzahlen, um Rentenabschläge auszugleichen, die mit einer geplanten vorzeitigen Inanspruchnahme einer Altersrente einhergehen würden.
  • 5. Versicherte werden künftig gezielt über ihre Gestaltungsmöglichkeiten des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand informiert. Die Rentenauskunft, die Versicherte vom 55. Geburtstag an erhalten, sollen insbesondere um Informationen darüber ergänzt werden, wie sich das Vorziehen oder Hinausschieben des Rentenbeginns auf die Rente auswirkt.
  • 6. Neue Regelungen im Bereich der Prävention und der Rehabilitation sollen die Leistungen der Rentenversicherung und der Alterssicherung der Landwirte stärken. Diese sollen dann noch besser geeignet sein, die Gesundheit und insbesondere die Erwerbsfähigkeit der Versicherten und ihrer Kinder – und damit auch ihren Verbleib im Erwerbsleben oder ihren Eintritt in das Erwerbsleben zu sichern.
  • 7. Die Beschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer soll für Arbeitgeber attraktiver werden. Der bisher anfallende gesonderte Arbeitgeberbeitrag zur Arbeitslosenversicherung für Beschäftigte, die die Regelaltersgrenze erreicht haben und somit versicherungsfrei sind, soll für fünf Jahre entfallen. Darüber hinaus soll bei einer Weiterbildungsförderung in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten „das Erfordernis einer Mitfinanzierung der Weiterbildungskosten“ durch den Arbeitgeber entfallen.

von Wolfgang Büser und Maik Heitmann

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