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Demonstration gegen den Bau einer neuen Stromtrasse durch die Rhön Anfang Februar vor dem bayerischen Wirtschaftsministerium.

Streit um Südlink

Das Nordsee-Superkabel und Seehofers Blockade

Berlin - Es herrscht ein Nord-Süd-Gefälle beim Stromnetzausbau. Am Dienstag gibt es zwar den Startschuss für ein Großprojekt mit Norwegen, doch die Blockade in Bayern gefährdet den Windstromtransport in den Süden.

Es ist nur 14 Zentimeter dick und wird durch deutsches, dänisches und norwegisches Hoheitsgewässer verlegt. Doch das 623 Kilometer lange Seekabel von Tonstad in Norwegen nach Wilster an der Nordseeküste ist so etwas wie ein Hoffnungsträger der Energiewende. Und wenn Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mitmacht, könnte es von Wilster per SuedLink weitergehen bis nach Bayern - eine über 1400 Kilometer lange „Stromautobahn“.

Warum wird jetzt eine Super-Trasse nach Norwegen gebaut?

Bisher gibt es zu wenig Speichermöglichkeiten. Der Windstrom könnte in Norwegen den Bedarf an Wasserkraft senken, das Wasser würde in den Speicherseen verbleiben. Bei Flaute in Deutschland wird mehr Strom in den Wasserkraftwerken produziert und hierhin geleitet. Noch eine Vision, da große Pumpspeicher noch fehlen: Überschüssiger Windstrom könnte mit der Trasse nach Norwegen geleitet werden, dort Pumpen antreiben, um Wasser in riesige Seen hochzupumpen. Gibt es in Deutschland zu wenig Strom, kann Wasser herunterfließen, Turbinen antreiben und Strom nach Deutschland leiten. Umstritten ist insgesamt der Energieverlust - die Leitung ist aber als Gleichstrom-Trasse geplant, da geht weniger verloren. Derzeit exportiert Deutschland so viel Strom wie nie zuvor - es fehlen aber grenzüberschreitende Leitungen. Daher könnte diese Trasse für große Entlastung sorgen.

Was kostet das Projekt?

Bis zu zwei Milliarden Euro. 107 Kilometer verlaufen an Land, 516 Kilometer als Seekabel. Es wird über eine Übertragungskapazität von 1400 Megawatt verfügen. Die Leitung soll 2020 fertig sein. Die Netzbetreiber Tennet und Statnett versprechen dadurch günstigere Strompreise. Denn bisher müssen Windräder im Norden abgeschaltet werden, wenn sie zu viel Strom produzieren - dafür fallen Entschädigungen an, die auf die Strompreise umgelegt werden. Und in Deutschland könnten dank des Zusatzangebots aus Norwegen über den NordLink bei Strom-Knappheit die Preise stabil gehalten werden.

Was ist sonst noch an Großprojekten geplant?

Es gibt zum einen die Vorhaben aus dem Energieleitungsausbaugesetz (2009) - es sieht 23 Höchstspannungsprojekte mit 1887 Kilometer Länge vor, gebaut sind bisher 438 Kilometer. Im Zuge der Beschlüsse zum schrittweisem Atomausstieg bis 2022 muss das Netz vor allem für den Windstromtransport zwischen Nord und Süd ausgebaut werden - die meisten der auslaufenden Atommeiler stehen in Süddeutschland. Es sollen drei große Trassen mit 2800 Kilometern Länge gebaut werden. Planungs- und Bauzeiten sollen auf vier Jahre verkürzt werden. Die Kosten betragen rund zehn Milliarden Euro - ohne Zusatzkosten, wenn Kabel aus Rücksicht auf Anwohner teils unter die Erde gelegt werden.

Gibt es derzeit ein Nord-Süd-Gefälle beim Netzausbau?

Ja. Bayern ist das große Sorgenkind. Seehofer hatte 2013 im Bundesrat zwei großen Höchstspannungstrassen in den Freistaat gebilligt - dann gab es Proteste gegen den geplanten Verlauf einer Ost-Süd-Trasse von Sachsen-Anhalt nach Meitingen. Es folgte ein Energiedialog, er endete gerade mit unklarem Ergebnis. Nun könnte es zur etwas skurrilen Situation kommen, dass Seehofer, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) über eine technisch komplizierte Frage im kleinen Kreis entscheiden. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat als Losung ausgegeben: „Die Formel lautet zwei (Trassen) minus X. Wie groß das X ausfällt, hängt von den Verhandlungen in Berlin ab.“

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Hauptschlagader soll der SuedLink werden. Die rund 800 Kilometer lange Trasse soll ab 2022 Strom aus Windparks von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren. Wenn es statt zwei nur noch eine Trasse nach Bayern geben soll, würde wohl die Ost-Süd-Trasse wegfallen. Das könnte machbar sein, weil es zuletzt grünes Licht gab für die letzten Abschnitte der „Thüringer Strombrücke“ - sie soll das Aus des AKW Grafenrheinfeld auffangen. Denkbar wäre auch, den SuedLink bis zum AKW Gundremmingen zu verlängern, dessen Blöcke 2017 und 2021 vom Netz gehen.

dpa

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