StudiVZ: Der sterbende Facebook-Klon

München – StudiVZ war einmal der deutsche Internet-Star. Wer in den Jahren zwischen 2006 und 2009 studierte, hatte in der Regel auch ein Profil bei dem sozialen Netzwerk.

Die Seite wuchs rasant, alle drei Wochen verdoppelte sich die Zahl der Mitglieder, eine Erfolgsstory, die in einem Berliner WG-Zimmer begonnen hatte. Die Gründer Ehssan Dariani und Dennis Bemmann wurden zu Stars – und mit Ende zwanzig zu Mulitmillionären. Denn die Mediengruppe Holtzbrinck kaufte das Netzwerk für rund 85 Millionen Euro, auch Facebook hatte zuvor schon einmal geboten, man war sich aber nicht einig geworden. Dabei war StudiVZ von Anfang an nur ein Facebook-Klon. Doch die amerikanische Seite, die wenige Jahre zuvor gegründet worden war, hatte noch keinen deutschsprachigen Ableger. Davon profitierte StudiVZ.

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Während Facebook seitdem immer weiter wächst und nun den wohl größten Börsengang in der Geschichte des Internets hinlegt, sind StudiVZ und die dazugehörenden Netzwerke SchülerVZ und MeinVZ seit Jahren auf dem absteigenden Ast. Zwar betont man bei den VZ-Netzwerken, die Zahl der Mitglieder sei stabil – auch wenn längst mehr als eine Millionen der ursprünglich einmal 17 Millionen Nutzer ihr Profil wieder gelöscht haben. Doch noch verheerender sind die Zahlen, wie oft die Mitglieder noch auf die Seite zugreifen. Verzeichneten die VZ-Netzwerke im Dezember 2010 noch fast 350 Millionen Zugriffe pro Monat, waren es ein Jahr später nur noch gut 77 Millionen.

Der Grund scheint klar: Facebook. Das will man auch bei StudiVZ nicht ganz abstreiten. „Der Markt der sozialen Netzwerke hat sich verändert, keine Frage“, sagt Sprecherin Sweelin Heuss. Die Durchhalteparolen klingen fast verzweifelt: „Der Rückgang der Nutzerzahlen hat sich in den vergangenen Monaten abgeschwächt.“ Auch das neue Design sei gut angenommen worden.

Rechnen dürfte sich der Kauf für Holtzbrinck nicht. Die VZ-Netzwerke geben keine Umsatzzahlen heraus, ob die Seite inzwischen profitabel arbeitet, will Heuss nur kryptisch beantworten: „Wir monetarisieren gut.“ Aha. Im vergangenen Jahr soll das Verlagshaus einen Käufer für die Netzwerke gesucht habe – vergeblich. „Es gibt derzeit keine Verkaufsgespräche“, sagt Heuss.

Die Chancen, dass die VZ-Netzwerke das Ruder noch einmal herum reißen könnten, halten Branchenkenner für extrem gering. Wahrscheinlich hat man sich dort dehalb entschieden auf Nummer sicher zu gehen – und hat schon mal bei Facebook ein Profil für das Unternehmen eingerichtet.

Philipp Vetter

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