Uber
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Der Fahrdienstanbieter Uber ist mehr denn je umstritten.

Fahrdienst-App unter Beschuss

Uber analysiert One-Night-Stands seiner Kunden

Berlin - Der umstrittene Fahrdienstanbieter Uber hat Medienberichten zufolge Nutzungsdaten von US-Kunden nach möglichen Fahrten zu nächtlichen Stelldicheins ausgewertet.

Den Berichten zufolge hatte Uber in einem Blog-Eintrag beschrieben, wie Datenexperten des Konzerns in den USA Fahrgäste herausgefiltert haben, die nachts und am frühen Morgen zwei Fahrten buchten, bei denen der Abfahrtsort der zweiten in einem Radius von 160 Metern vom Absetzpunkt der ersten Fahrt lag. Auf Grundlage der Daten habe Uber Karten von US-Städten veröffentlicht, in denen die Bezirke mit vermeintlich besonders vielen One-Night-Stands rot eingefärbt worden seien.

Der Blog-Eintrag wurde inzwischen gelöscht, lässt sich aber noch finden

"Analytisches Spiel": Uber-Chef wiegelt ab

Der Deutschland-Chef von Uber, Fabien Nestmann, verteidigte im ARD-Magazin "Panorama" und in der "Berliner Zeitung" (Donnerstagsausgabe) die umfangreiche Sammlung von Nutzerdaten und bezeichnete die Uber-Analyse als "analytisches Spiel".

"Man kann aus sämtlichen Auswertungen Rückschlüsse ziehen, die helfen können, das Angebot zu verbessern", sagte Nestmann der "Berliner Zeitung" und "Panorama". Uber müsse dies tun, dies sei ein "Teil des Konzeptes" des Fahrdienstanbieters. Gelöscht werden Nutzerdaten seinen Angaben zufolge nur, wenn ein Nutzer das Unternehmen dazu auffordere.

Bei dem Blog-Eintrag handle es sich um einen Eintrag vom März 2012. In dieser Art und Weise werte das Taxi-Unternehmen Daten inzwischen nicht mehr aus. Um "möglichst effizient" zu sein, müsse Uber Nutzerdaten aber auswerten. Dies geschehe allerdings nur in "anonymisierter Form", sagte der Sprecher. Künftig werde sich Uber aber darauf konzentrieren, "sinnvolle Auswertungen zu machen", führte Nestmann aus.

Verbraucherschützer sehen Uber "superkritisch"

Dennis Romberg vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) bezeichnete am Donnerstag Apps wie Uber, die Bewegungsprofile von ihren Nutzern auswerten, als "superkritisch". Er empfiehlt Uber-Nutzern, wenn überhaupt, dann mehrere Taxi-Dienste zu benutzen, um nicht einem Unternehmen alle Daten zu übermitteln. Eine weitere Möglichkeit sei, Nutzerprofile hin und wieder zu löschen und sich mit einem neuen Profil anzumelden.

Nicht der erste Uber-Skandal

Es ist nicht das erste Mal, dass Uber in der Kritik steht. Im November 2014 gelangten Äußerungen von Uber-Vize-Chef Emil Michael an die Presse, wonach missliebige Journalisten ausspioniert werden sollten. Danach waren Befürchtungen laut geworden, Uber könne nicht nur Journalisten, sondern auch seine Kunden ausspionieren. Das Unternehmen berief daraufhin ein "Datenschutzteam" ein, um den Umgang mit Kundendaten zu prüfen und nötigenfalls den Datenschutz zu verbessern.

Uber wurde 2009 in den USA gegründet. Über eine Smartphone-App bringt es Fahrer und Fahrgäste zusammen. Die Preise für eine Fahrt liegen häufig deutlich unter normalen Taxi-Tarifen. In vielen Ländern ist das Angebot umstritten und stößt auf den erbitterten Widerstand etablierter Taxiunternehmen.

afp

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