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Fed-Chefin Janet Yellen verkündete, dass die Zinsen nicht angehoben werden.

Alles bleibt beim alten - vorerst

US-Notenbank schiebt Zinswende auf

Washington - Trotz einer zunehmend robusten US-Wirtschaft will die Fed nicht an den Zinsen rütteln. Vor allem die Schwankungen in Asien veranlassen die Währungshüter, vorerst alles beim Alten zu lassen. Doch der Kurswechsel rückt näher.

Angesichts von Börsen-Turbulenzen und einer schwächelnden chinesischen Wirtschaft schiebt die US-Notenbank die geplante Abkehr von ihrer Nullzinspolitik weiter auf die lange Bank. Der Leitzins bleibe unverändert auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent, teilte die Federal Reserve (Fed) am Donnerstag in Washington mit. Mit dem ersten Zinsschritt seit der Finanzkrise 2008 rechnen die meisten Währungshüter trotzdem noch bis Ende des Jahres.

„Globale wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen könnten die Konjunktur bremsen“, hieß es in der Mitteilung des Offenmarktausschuss nach dessen zweitägiger Sitzung. Das sich verlangsamende Wachstum in anderen Ländern müsse genau beobachtet werden und sei ein wichtiger Grund für die Vertagung der Zinserhöhung gewesen, sagte Fed-Chefin Janet Yellen. Diese Sorgen sollten aber nicht überbewertet werden.

Mit ihrem Entschluss erhöhen die Notenbanker den Druck, in einer der beiden Sitzungen Ende Oktober und Mitte Dezember tätig zu werden. Beim nächsten Treffen im Oktober handelt es sich um eine Sitzung ohne anschließende Pressekonferenz, auf der traditionell keine großen Entscheidungen zu erwarten sind. Viele Beobachter haben daher nun den Dezember im Blick. Grundsätzlich sei der Zinsschritt aber auch schon bei der kommenden Sitzung möglich, sagte Yellen.

Die Börsen in Asien tendierten nach der verschobenen Zinswende zum Handelsauftakt am Freitag uneinheitlich. Während der Markt in der japanischen Hauptstadt Tokio Verluste verbuchte, legten die Aktienmärkte in China leicht zu. Der Component Index in Shanghai eröffnete 0,46 Prozent im Plus bei 3100,28 Punkten. Der Component-Index in Shenzhen legte 0,69 Prozent zu auf 9806,72 Punkte. Für China und andere Schwellenländer ist der Fed-Schritt eine gute Nachricht. Manche Experten befürchten von dort Kapitalabflüsse, wenn die US-Zinsen steigen.

Die US-Börsen hatten verhalten auf den Zinsentscheid reagiert. Der Leitindex Dow Jones Industrial rutschte leicht ab und schloss mit 0,39 Prozent im Minus bei 16 674,74 Punkten.

Auf seinem historisch niedrigen Niveau verharrt der US-Zins, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Ende 2008. Jeffrey Lacker, Präsident der Zentralbank von Richmond, sprach sich diesmal als einziger der zwölf Notenbanker für eine Zinserhöhung aus. „Es ist Zeit, unsere Geldpolitik an den bedeutenden Fortschritte auszurichten, die wir gemacht haben“, hatte er bei einer Rede vor zwei Wochen gesagt.

Nachdem die USA inzwischen Vollbeschäftigung erreicht haben, zieht die angebliche Unterauslastung am Arbeitsmarkt nach Einschätzung vieler Analysten kaum noch als Argument. Spielraum für eine lockere Geldpolitik eröffnet hingegen die schwache Inflation, die weit vom Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank entfernt ist.

Vor dem Hintergrund globaler Unsicherheiten hatten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank die Fed aufgefordert, vorerst von einer Zinsanhebung abzusehen. Die Verknappung des billigen Geldes würde Anleger noch nervöser machen, so die Befürchtung. „Die Fed scheint den von IWF und Weltbank mit Blick auf die Schwellenländer geäußerten Bedenken zum jetzigen Zeitpunkt Rechnung zu tragen“, kommentierte Allianz-Chefökonom Michael Heise.

Die US-Geldpolitik ist für die gesamte Weltwirtschaft von hoher Bedeutung. Sind die Zinsen in den USA höher als im Ausland, zieht das internationales Finanzkapital an und lässt damit den Kurs des US-Dollar steigen. Davor zittern vor allem Schwellenländer, in die in den Jahren der Nullzinsen viel Anlegergeld floss und deren Unternehmen sich stark in Dollar verschuldet haben.

Kalender und Fed-Statements seit 2010

US-Arbeitslosendaten seit 1970

Fed-Statement

dpa

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