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"Die USA haben keinen technologischen Vorsprung, sondern einen mentalen. Es ist ein Vorsprung durch Tatkraft. Die US-Gesellschaft ist viel IT-affiner, die Integration von innovativen IT-Lösungen liegt sozusagen in der US-Seele begründet", sagt Chef des Industrie-4.0-Pioniers Forcam, Franz Gruber. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv

USA liegen bei vernetzter Industrie vorne

Der Zukunftsmotor Industrie 4.0 springt in Deutschland nicht recht an. Selbst die Branche mahnt, hierzulande mehr zu digitalisieren als zu debattieren. Sie fürchtet das Tempo der USA. Ein 4.0-Experte bescheinigt den US-Amerikanern dabei auch einen mentalen Vorsprung.

Hannover (dpa) - Die Industrie in den USA sticht die deutsche Konkurrenz beim Zukunftsthema der vernetzten Produktion weiterhin aus. Zwar habe Deutschland zuletzt Boden gutgemacht. "Aber Amerika läuft weiter voraus", sagte der Chef des Industrie-4.0-Pioniers Forcam, Franz Gruber.

Dort sind die unter dem Schlagwort Industrie 4.0 bekannten Trends wie etwa selbstlernende Maschinen, kommunizierende Bauteile oder der komplett vernetzte Warenfluss das Hauptthema.

Gruber sagte: "Die USA haben keinen technologischen Vorsprung, sondern einen mentalen. Es ist ein Vorsprung durch Tatkraft. Die US-Gesellschaft ist viel IT-affiner, die Integration von innovativen IT-Lösungen liegt sozusagen in der US-Seele begründet." Die Dynamik der Digitalisierung und die 4.0-Offenheit seien "dort riesengroß".

Gruber, dessen Firma mit Sitz im baden-württembergischen Ravensburg nach eigenen Angaben schon 60 000 Maschinen weltweit vernetzt hat, bescheinigte der Industrie in den Vereinigten Staaten einen gesunden Pragmatismus, und kritisierte Deutschland für das genaue Gegenteil. "Grundsatzfragen über Zuständigkeiten oder Standards werden in den USA gar nicht gestellt oder schnell durch praktikable Lösungen beantwortet. Anders ausgedrückt: Theoretisch sind wir in Deutschland top, aber in der Praxis müssen wir viel schneller werden."

In dem industriellen Wettkampf zwischen Deutschland und den USA sieht Gruber übrigens historische Parallelen "mit Jahrhundert-Tradition". Er sagte: "Im 19. Jahrhundert fand die Elektrifizierung mit großen Markteilnehmern statt wie AEG und Siemens gegen General Electric. Im 20. Jahrhundert kam die Computerisierung - und aus Deutschland behauptet sich international einzig SAP noch gegen Software-Riesen wie Microsoft, Apple oder Oracle." Und aktuell laufe die nächste Welle an Digitalisierung mit Giganten wie Google, Facebook und Co., die in vielen Branchen bis hin zum Autobau angriffen. "Deshalb muss auch in Deutschland gelten: lieber digitalisieren als diskutieren."

Die Zeit werde knapp, das Tempo des Wandels wachse rasant. "Zwischen Elektrifizierung seit 1850 und Computerisierung seit 1950 vergingen noch 100 Jahre. Zwischen Computerisierung und Digitalisierung bis zum Jahr 2000 waren es nur noch 50 Jahre. Es ist klar abzusehen, dass nach 25 Jahren Digitalisierung - bis zum Jahr 2025 - unser Leben umfassend und unumkehrbar geprägt sein wird vom Internet der Dinge - im Privaten, in der Gesellschaft, in der Wirtschaft und Industrie."

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