Sie sind unverzichtbar

Versicherungspolicen: Privathaftpflicht und Berufsunfähigkeit im Check

München - Zu viele Policen und zu wenig Schutz: Versicherungskunden geben oft viel Geld für falsche und zu teure Versicherungen aus. Welche Policen braucht wirklich jeder? Der große Versicherungscheck.

Versichern kann man heute beinah alles. Es gibt Policen, die den Rücktritt von der geplanten Hochzeit finanziell absichern. Andere zahlen, wenn Gepäck verloren oder die Brille kaputt geht. Während einige Policen jeder haben sollte, kann man auf andere getrost verzichten. Dazu kommt, dass die Wahl des Versicherungsschutzes stark von der individuellen Lebenssituation abhängt. Wir machen für Sie den Versicherungs-Check und erklären, welche Policen wichtig sind und was man beim Abschluss beachten sollte. Im ersten Teil unserer Serie geht es um zwei, die (fast) jeder haben sollte: eine private Haftpflicht- und eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Privathaftpflicht

Nur gut zwei Drittel der Haushalte in Deutschland haben eine Privathaftpflichtversicherung. Dabei ist diese Police unverzichtbar. Denn wer anderen durch Unvorsichtigkeit oder Leichtsinn einen Schaden zufügt, muss dafür in voller Höhe aufkommen. Das betrifft nicht nur den Rotweinfleck auf der teuren Tischdecke, sondern auch Unfälle, bei denen Personen zu Schaden kommen. Im schlimmsten Fall haftet derjenige, der den Schaden verursacht, mit seinem gesamten Vermögen. Ohne entsprechenden Versicherungsschutz kann das zum finanziellen Ruin führen.

In der privaten Haftpflichtversicherung sind Familienangehörige automatisch mitversichert. Für unverheiratete volljährige Kinder gilt das so lange, wie sie die Schulbank drücken oder sie sich in einer unmittelbar daran anschießenden Berufsausbildung befinden. Im Schnitt kostet eine private Haftpflichtversicherung 60 Euro jährlich. Da es oft Rabatte für Senioren und Singles gibt, lohnt ein Preisvergleich – zum Beispiel im Internet über Check24 oder die Stiftung Warentest.

Bei der Auswahl der Police sollte man auf einige Dinge achten. Zum einen sollten deliktunfähige Kinder mitversichert sein. Der Hintergrund: Kinder bis sieben Jahre sind per Gesetz nicht deliktfähig. In der Praxis sieht das dann so aus: Zerkratzt der Nachwuchs das Auto des Nachbarn, muss für den Schaden zwar niemand aufkommen. Einer guten Nachbarschaft ist das allerdings nicht zuträglich. „Wichtig ist außerdem eine Forderungsausfalldeckung. Damit ist gewährleistet, dass die eigene Versicherung Schäden abdeckt, die ein Dritter, der mittellos ist, mir selbst zufügt“, erklärt Susanne Arndt vom VerbraucherService Bayern.

Zudem rät die Versicherungsexpertin Verbrauchern, alte Verträge regelmäßig zu prüfen: Sind Computer mitversichert? Sind mindestens drei Millionen Euro an Sach- und Vermögensschäden abgesichert? „Neue Verträge sind oft billiger und gleichzeitig besser. Wechseln lohnt sich in vielen Fällen.“

Berufsunfähigkeit

Ein Blick in die Statistik zeigt, wie wichtig die Absicherung der Berufsunfähigkeit ist. Jeder vierte Arbeitnehmer wird lange vor der normalen Altersrente erwerbsgemindert. Entsprechend fällt das Urteil von Verbraucherschützern aus: „Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist gleich nach der Privathaftpflicht am wichtigsten.“ Jeder Arbeitnehmer sollte eine solche Police abschließen; Rentner brauchen sie nicht. Dennoch sind vergleichsweise wenig Menschen für den Ernstfall abgesichert. Und auch wer eine Police sein eigen nennt, wiegt sich oft in trügerischer Sorglosigkeit: mit im Schnitt rund 400 Euro versicherter Monatsrente bleibt eine Versorgungslücke.

Die Kosten für eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung hängen stark von Alter, Beruf und Gesundheitszustand des Versicherten ab. Grundsätzlich gilt: Wer jung und gesund ist und einen risikoarmen Beruf hat, hat gute Chancen auf erschwingliche Beiträge. Wer dagegen bereits seit Jahren einen risikoreichen Beruf ausübt, hat schlechte Karten. Im schlimmsten Fall bekommt man von keiner Versicherung eine Police. „Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte deshalb so früh wie möglich abgeschlossen werden“, rät Versicherungsexpertin Arndt. Eine Möglichkeit sei zum Beispiel, noch während der Ausbildung eine Police auf niedrigem Niveau abzuschließen und später aufzustocken – ohne erneute Gesundheitsprüfung. Niedriges Niveau meint dabei: Im Fall der Berufsunfähigkeit zahlt die Versicherung eine monatliche Rente in Höhe von 400 Euro, im Todesfall (falls mitversichert) 5000 Euro. „Eine Police auf diesem Niveau gibt es für unter 30 Euro im Monat“, so Arndt.

Um später die Möglichkeit zu haben, die Police aufzustocken (zum Beispiel auf 1000 Euro Monatsrente) ist es wichtig, dass im Vertrag eine „Nachversicherungsgarantie“ festgeschrieben ist. Außerdem sollten Versicherte bei den Versicherungsbedingungen auf einen „Verzicht auf abstrakte Verweisung“ achten. „Das bedeutet, dass der Versicherer im Ernstfall nicht auf andere Berufe verweisen kann, die man alternativ ausüben könnte. Mit dem Verzicht gilt immer der letzte ausgeübte Job – unabhängig von der Ausbildung“, erklärt Arndt. Wichtig seien zudem ein Versicherungsschutz, der weltweit besteht („Weltweit-Schutz“), eine ausreichend lange Laufzeit bis zum 67. Lebensjahr sowie die Angabe, dass die Versicherung ab einem Grad der Invalidität von 50 Prozent (nicht erst ab 75 Prozent) Leistungen bezahlt.

Alternativen: Wer keine Berufsunfähigkeitsversicherung (zum Beispiel aufgrund von Vorerkrankungen) bekommt, kann auf Alternativen ausweichen. Mit einer Schwere-Krankheiten-Versicherung (oft als „Dread-Disease-Versicherung“ bezeichnet) kann man sich etwa gegen einzelne Krankheiten wie Herzinfarkt absichern. Auch eine Unfallversicherung kann eine Alternative zur Berufsunfähigkeitspolice sein. Vorzuziehen sei allerdings immer die Berufsunfähigkeitsversicherung, da sie sowohl Krankheit, Unfall als auch körperlichen Verfall versichert, rät Arndt. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist also immer einer Unfallversicherung vorzuziehen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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