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2,4 Millionen Diesel-Wagen von VW sollen zurückgerufen werden

Volkswagen

Abgas-Skandal bei VW: Rückruf von 2,4 Millionen Diesel

Berlin - Im Abgas-Skandal von Volkswagen hat das Kraftfahrt-Bundesamt den Rückruf von 2,4 Millionen Diesel-Fahrzeugen angeordnet. Der Rückruf soll überwacht werden.

Freiwilligkeit genügt nicht: Im Abgas-Skandal bei Volkswagen hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) nun den Rückruf von 2,4 Millionen Dieselautos angeordnet. Die Rückrufaktion werde Anfang 2016 starten und von der Flensburger Behörde überwacht, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Donnerstag in Berlin. Er rechtfertigte den ungewöhnlichen Schritt mit der Dimension des Manipulationsskandals.

Das KBA vertrete die Auffassung, dass es sich bei der von Volkswagen verwendeten Manipulations-Software um eine unzulässige Abschalteinrichtung handelt, sagte Dobrindt. Die Software habe dazu geführt, "dass sie auf den Rollentests eine Abgasmanipulation bewirkt hat". Volkswagen sei daher aufgefordert worden, in einem "verpflichtenden Rückruf" die entsprechende Software aus allen Fahrzeugen zu entfernen und Maßnahmen zu ergreifen, damit die Emissionsvorschriften eingehalten werden.

Bei Diesel-Fahrzeugen mit 1,2-Liter- und Zwei-Litermotoren reiche vermutlich ein Software-Update, sagte Dobrindt. Autos mit 1,6-Liter-Dieselmotoren könnten voraussichtlich erst im September 2016 in die Werkstatt. Volkswagen hatte nach Bekanntwerden des Manipulationsskandals lediglich angekündigt, die betroffenen Fahrzeuge ab Januar zurückzurufen und erklärt, die Reparaturen würden etwa ein Jahr lang dauern.

Das KBA setzte Volkswagen nun konkrete Fristen: Bis Ende Oktober muss der Konzern die Software vorstellen, die in Diesel-Fahrzeugen mit Zwei-Liter-Motor aufgespielt werden soll. Bis Ende November muss der Konzern laut Dobrindt die technische Lösung für 1,2- und 1,6-Liter-Motoren präsentieren. Bei 1,6-Liter-Motoren sei die Frage, ob neben einer Softwareänderung ein größerer Eingriff notwendig sei. Die notwendigen Komponenten stünden aber voraussichtlich erst im September 2016 in der erforderlichen Menge zur Verfügung. "Es ist richtig, dass das KBA den Rückruf angeordnet hat", sagte Dobrindt. Die Dimension des Skandals mache Kontrolle und Überwachung nötig.

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer begrüßte den Zwangsrückruf. Der VW-Plan habe "weder Hand noch Fuß gehabt", sagte er dem Sender n-tv. Es habe sich eher um eine Absichtserklärung gehandelt. Zudem entstehe der Eindruck, dass die Krise bei VW "eher größer als kleiner" werde.

Zunächst war von 2,8 Millionen betroffenen Diesel-Fahrzeugen in Deutschland die Rede gewesen; auf den Straßen unterwegs sind davon laut Dobrindt aber nur noch 2,4 Millionen.

In den USA ermitteln auch die obersten Wettbewerbshüter gegen Volkswagen. Die Handelsbehörde FTC erklärte am Mittwoch, sie habe sich den Untersuchungen der Umweltbehörde EPA und des US-Justizministeriums angeschlossen. Die FTC ermittelt unter anderem wegen irreführender Werbung.

In den Vereinigten Staaten ist Diesel-Treibstoff teurer als normales Benzin. VW hatte daher in den USA für seine Dieselfahrzeuge mit dem Hinweis auf den geringeren Schadstoffausstoß geworben. Volkswagen droht wegen der 500.000 von dem Abgasskandal betroffenen Dieselfahrzeuge in den USA eine Strafzahlung der EPA in Höhe von bis zu 18 Milliarden Dollar (15,7 Milliarden Euro).

Volkswagen hatte im September eingeräumt, bei Umwelttests von Dieselfahrzeugen in den USA die Abgaswerte manipuliert zu haben. Durch eine entsprechende Software wurde bei den Tests ein niedrigerer Schadstoffausstoß gemessen als im Normalbetrieb. Die Software wurde weltweit in elf Millionen Dieselfahrzeuge eingebaut. Die VW-Führungsriege beriet am Donnerstag in Leipzig über das weitere Vorgehen in der Krise.

afp

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