News-Ticker zur Abgas-Affäre

Erste VW-Ingenieure gestehen Beteiligung

Wolfsburg - Die französische Justiz hat Ermittlungen wegen Betrugs gegen Volkswagen eingeleitet. Erste Ingenieure haben zugegeben, an dem Skandal beteiligt gewesen zu sein. Alle Entwicklungen finden Sie hier im News-Ticker.

+++AKTUALISIEREN+++

  • In der Affäre um gefälschte Abgaswerte bei Volkswagen haben erste Ingenieure ihre Beteiligung eingestanden.

  • Die französische Justiz hat Ermittlungen wegen schweren Betrugs eingeleitet, in Italien ermittelt die Kartellbehörde.

  • VW-US-Chef Michael Horn muss vor den US-Congress.

  • Der BMW-Chef sieht Auto-Standort Deutschland nicht gefährdet.

+++ Angesichts der Affäre um Abgasmanipulationen bei VW hat sich der Berliner Senator für Justiz und Verbraucherschutz, Thomas Heilmann (CDU), für ein Unternehmenshaftungsrecht ausgesprochen. Dies solle greifen, "wenn Unternehmen nachweislich, bewusst und systematisch Schaden anrichten", schrieb er in einem Gastkommentar für das "Handelsblatt" (Montagsausgabe). Der Skandal bei Volkswagen habe gezeigt, dass Instrumente notwendig seien, "um Unternehmen die 'organisierte Unverantwortlichkeit' so schwer wie möglich zu machen".

+++ Der internen Revision des Unternehmens liegen laut einem Pressebericht erste Geständnisse vor. Mehrere VW-Ingenieure hätten bei Befragungen übereinstimmend ausgesagt, die Manipulations-Software im Jahr 2008 installiert zu haben, berichtete die "Bild am Sonntag". Zu diesem Zeitpunkt habe der Dieselmotor EA 189, der bei VW seit 2005 entwickelt worden war, kurz vor der Serienproduktion gestanden.

Damals sei keine Lösung gefunden worden, mit der sowohl die Abgasnormen als auch die Kostenvorgaben für den Motor eingehalten worden wären. Deshalb sei entschieden worden, die Manipulations-Software zu verwenden, gaben die VW-Ingenieure laut dem "BamS"-Bericht zu Protokoll. Anderenfalls hätte demnach das für den Konzern überaus wichtige Motorenprojekt gestoppt werden müssen. Die manipulierten Motoren waren weltweit in Diesel-Fahrzeugen von VW eingebaut worden. In Deutschland sind 2,8 Millionen Autos betroffen.

Verkausfsstop von VW-Diesel-Autos in Australien

+++ Wegen des Abgas-Skandals stellt Volkswagen den Verkauf einiger Diesel-Fahrzeuge in Australien vorübergehend ein. Demnach sollen Fahrzeuge mit 1,6- oder 2,0-Liter-EA189-Motoren vorerst vom Markt genommen werden, wie der Autohersteller am Samstag mitteilte. „Der Verkaufsstopp wird in Kraft bleiben, bis wir das Abgasproblem dieser Fahrzeuge gelöst haben“, betonte VW Australia.

In Australien sind schätzungsweise 40.000 Dieselfahrzeuge von dem Abgasskandal betroffen. Die Regierung in Canberra hatte am Freitag Mitglieder der Geschäftsführung von VW und Audi aufgefordert, in der kommenden Woche über das genaue Ausmaß der Nutzung manipulierter Abgastests in Australien zu berichten. Den Autoherstellern drohen Milliardenstrafen wegen möglicher Verstoße gegen australische Gesetze.

+++ In Deutschland rieten Experten Anleger davon ab, schnell Klagen gegen VW zu erheben. Dafür sei ein Jahr Zeit. „Es gibt keine harten Informationen darüber, ob VW seine Ad-hoc-Pflichten verletzt hat“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Aktionärsschützer-Vereinigung DSW, Marc Tüngler, der „Rheinischen Post“ (Samstag). Er warnte: „Die einzigen, die von einer schnellen Klage profitieren, sind die Anwälte. Aber eine schnelle Klage ist keine gute Klage, denn sie ist risikoreicher.“

+++ Auch nach dem Skandal um manipulierte Abgastests bei Volkswagen glauben Experten an eine Zukunft für Diesel-Fahrzeuge. „Das Ende der Diesel-Technologie bedeutet das sicher nicht“, sagte Professor Reinhard Kolke, Leiter Test und Technik beim ADAC, der Deutschen Presse-Agentur in München. Wichtig sei, dass die Automobilindustrie in allen Fahrzeug-Segmenten Techniken zur wirksamen Verringerung von Schadstoff-Emissionen einsetze. Dabei müsse über alle Betriebszustände der Stickoxid-Grenzwert gemäß Euro-6-Norm von 80 Milligramm pro Kilometer eingehalten werden. Die nötigen Techniken seien bereits heute serienmäßig verfügbar.

Ist mein VW betroffen? So stellen Sie es fest

+++ VW-Kunden können ab sofort im Internet prüfen, ob ihr Wagen von der Abgas-Affäre betroffen ist. Dafür muss auf dieser VW-Seite die Fahrgestellnummer eingegeben werden, wie der Autobauer am Freitag in Wolfsburg mitteilte.

Damit kann festgestellt werden, ob der eigene Wagen einen der betroffenen EA 189-Dieselmotoren hat. Zudem gibt es auf der Seite weitere Informationen rund um das Thema. Der Online-Check soll auch kurzfristig weltweit auf die nationalen Internetseiten integriert werden. VW-Händler könnten aber ebenfalls mit der Fahrgestellnummer feststellen, welcher Wagen betroffen sei.

Das Unternehmen betonte, vor einer möglichen Nachbesserung des Abgasverhaltens seien alle Fahrzeuge technisch sicher und fahrbereit. Im Laufe des Monats werde VW zusammen mit den weiteren betroffenen Marken den Behörden die technischen Lösungen für das Problem und Maßnahmen vorstellen.

+++ Die italienische Kartellbehörde hat im Abgas-Skandal bei VW ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das Amt ermittelt wegen unlauteren Geschäftsgebarens. Die Behörde will demnach prüfen, ob Verbraucher durch Angaben zu Emissionen von VW-Autos in Werbekampagnen und Broschüren in die Irre geführt wurden. Es geht um Modelle der Marken Volkswagen, Audi, Seat und Skoda, die von 2009 bis 2015 verkauft wurden. Das Kartellamt hat dazu nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen Hinweise von Verbraucherverbänden bekommen.

+++ In der IG Metall gibt es weiterhin starke Bedenken, den bisherigen Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zum Aufsichtsratschef bei Volkswagen zu machen. Man brauche nach dem Abgas-Skandal ein klares Zeichen, dass das Kontrollgremium unabhängig und ohne Vorbelastung seinen Aufgaben nachgehen könne, hieß es aus Gewerkschaftskreisen. Von daher wolle man sich für eine „weitergehende Neuorientierung“ einsetzen. Auch im Interesse der Arbeitnehmer müsse alles getan werden, um Vertrauen zurückzugewinnen.

VW-Tochter Audi informiert auf Webseite

+++ Audi informiert seine Kunden  online darüber, ob ihr Auto von den Software-Manipulationen betroffen ist. Dazu können Audi-Besitzer auf der Websitedie Fahrgestellnummer ihres Wagens eingeben. Alternativ könnten sich die Kunden ab sofort auch über jeden Audi-Händler oder über die jeweils nationale Kundenbetreuung informieren. Zugleich würden technische Lösungen erarbeitet, um die betroffenen Modelle nachzurüsten. Die Maßnahmen sollen den zuständigen Behörden noch im Oktober vorgestellt werden.

+++ Der VW-Aufsichtsrat wird am kommenden Mittwoch erneut in Wolfsburg zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Das 20-köpfige Gremium wird auf dem Werksgelände erneut über die weitere Entwicklung in der Abgas-Affäre sprechen.

+++ Die französische Justiz hat im Abgas-Skandal erste Ermittlungen gegen Volkswagen eingeleitet. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt wegen mutmaßlichen schweren Betrugs, verlautete am Freitag aus Justizkreisen. Zuvor hatte der Vize-Präsident der Region Ile-de-France, die dem Großraum Paris entspricht, Anzeige gegen Volkswagen erstattet.

+++ Am 8. Oktober muss der US-Chef von Volkswagen, Michael Horn, vor dem US-Congress in Washington Rede und Antwort zum Abgas-Skandal stehen. Die Befragung im Unterausschuss für Überwachung und Untersuchungen, die vom Republikaner Tim Murphy geleitet wird, steht unter der Überschrift "Volkswagens Abgas-Betrugs-Behauptungen: Erste Fragen". Bei der Befragung werden auch Vertreter der US-Umweltbehörde EPA teilnehmen.

Abgas-Skandal: Erster Anleger klagt gegen VW

+++ Nach der Manipulationsaffäre bei Volkswagen hat der erste Anleger in Deutschland Klage eingereicht. Der Aktionär habe erst kürzlich VW-Aktien gekauft und durch die Affäre Geld verloren, sagte Marc Schiefer von der Kanzlei Tilp am Freitag. Er fordere 20.000 Euro von dem Konzern. Die Kanzlei rechnet damit, dass weitere Klagen folgen werden. "Die Telefone laufen heiß", so Schiefer.

+++ BMW-Chef Harald Krüger, sieht den Standort Deutschland trotz des VW-Skandals um manipulierte Abgaswerte nicht gefährdet. "Es gibt keinen Grund, den Technologiestandort Deutschland und seine Schlüsselindustrie insgesamt in Frage zu stellen", sagte der Konzernchef der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag. "Ein Generalverdacht ist fehl am Platz." Indes müssten die Autobauer nun "täglich am Vertrauen" der Kunden arbeiten, sagte Krüger. Dies sei "kein Selbstläufer".

+++ ADAC-Chef August Markl sieht in dem Abgas-Skandal um Volkswagen die Chance, dass Neuwagen bei Schadstoff- und Verbrauchswerten künftig unter realen Bedingungen getestet werden. In dieser Hinsicht werde der Skandal „wohl auch sein Gutes haben“, sagte Markl am Donnerstagabend im Münchner Presse-Club. „Ich glaube, dass diese beiden Themen jetzt ganz stark aufkommen und dass die in irgendeiner Weise besser gelöst werden müssen und werden.“ Markl sagte auch, er gehe davon aus, dass der Vertrauensverlust für die deutsche Auto-Branche durch den VW-Skandal groß sei. Es werde wieder eine Zeit dauern, dieses Vertrauen zurückzugewinnen.

VW-Abgasskandal: Konzern zieht 4000 Autos in Großbritannien zurück

+++ Im Zuge des Skandals um manipulierte Abgaswerte hält der Volkswagenkonzern in Großbritannien 4000 zum Verkauf stehende Autos zurück. „Als freiwillige Maßnahme haben wir den Verkauf von unverkauften Vorräten an Dieselfahrzeugen aufgeschoben, die EA-189-Motoren haben“, teilte VW am Donnerstag im englischen Milton Keynes mit. Die 4000 Autos seien von den Marken Volkswagen, Audi, Seat und Skoda. Motoren vom Typ EA 189 wurden mit einer Software ausgestattet, die Angaben zu den Emissionen manipuliert. In Großbritannien sind davon 1,2 Millionen Fahrzeuge betroffen, weltweit könnten es VW zufolge bis zu 11 Millionen sein.

+++ Volkswagen hat trotz der Diesel-Affäre ein hauchdünnes Verkaufsplus in den USA erzielt. Im September setzte der VW-Konzern 26 141 Autos seiner Pkw-Kernmarke ab, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Das waren 0,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei VW-Marken hatte allerdings erst Mitte September Fahrt aufgenommen. Außerdem hatte der Monat einen Verkaufstag mehr als der September im vergangenen Jahr. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres verkaufte VW 2,5 Prozent weniger Autos in den USA als ein Jahr zuvor.

+++ Die außerordentliche Hauptversammlung bei VW wird nicht am 9. November stattfinden. Grund: Die Untersuchungen nach dem Abgas-Skandal würden "mindestens mehrere Monate" in Anspruch nehmen, so das Aufsichtsrats-Präsidium von VW. Es sei nicht realistisch, "binnen weniger Wochen zu fundierten Antworten zu kommen, die den berechtigten Erwartungen der Aktionäre entsprechen". Trotz des Skandals soll Finanzvorstand Hans-Dieter Pötsch neuer Vorsitzender des Aufsichtsrates werden.

Europaparlament beschäftigt sich mit VW-Skandal

+++ Der Abgasskandal bei Volkswagen beschäftigt nun auch das Europaparlament. Die EU-Abgeordneten werden am kommenden Dienstag in Straßburg über Emissionsmessungen im Autosektor debattieren. Die Tagesordnung wurde entsprechend erweitert. „Es ist völlig außer Zweifel, dass ein solcher dramatischer Vorgang wie der bei Volkswagen diese Debatte beherrschen wird“, sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) am Donnerstag in Brüssel. Es werde dabei aber auch generell um Abgasmessungen und die dafür notwendige Technologie gehen.

+++ Gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn läuft doch kein Ermittlungsverfahren. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüfe im "Zusammenhang mit den Vorwürfen der Abgas-Manipulationen von Dieselfahrzeugen der Marke VW" die "Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen dafür verantwortliche Mitarbeiter der Volkswagen-AG". Das stellte die Staatsanwaltschaft nun klar und bedauerte Irritationen.

+++ Die Abgas-Affäre bei VW wird der Autobranche nach Einschätzung von BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich noch monatelang Probleme bereiten. „Es werden jetzt Hunderte von Testergebnissen aufsteigen, wo irgendjemand irgendwas gefahren hat“, sagte Fröhlich auf einem Kongress der „Automobilwoche“ in Berlin.

Weitere Millionenstrafen im VW-Skandal?

+++ Volkswagen drohen im Abgas-Skandal auch in Australien möglicherweise Millionenstrafen. Zum einen könnten Verbraucher mit falschen Angaben über die Umweltfreundlichkeit der Wagen getäuscht worden sein, teilte die Verbraucherschutzbehörde Australian Competition and Consumer Commission (ACCC) am Donnerstag mit. Zum anderen verstoße der Einbau manipulierter Software gegen australische Gesetze. Die Behörde warte noch auf Angaben von VW, ob Autos mit dieser Software nach Australien geliefert wurden. Audi hatte dies bereits eingeräumt, allerdings sei die Software in den Audi-Fahrzeugen nicht aktiv gewesen.

+++ Zur Aufarbeitung des Abgas-Skandals ist das Aufsichtsratspräsidium von Volkswagen am Mittwoch zu einer erneuten Krisensitzung zusammengekommen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen. Dabei will das Gremium unter anderem über einen Zwischenbericht der internen Revision zu der Affäre sprechen. Die Sitzung dürfte mehrere Stunden dauern, wie es hieß. Noch unklar ist, ob im Anschluss mit einer Erklärung zu rechnen ist.

Zum innersten VW-Machtzirkel zählen Aufsichtsratschef Berthold Huber, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Aufsichtsrat Wolfgang Porsche, Betriebsratschef Bernd Osterloh und dessen Stellvertreter Stephan Wolf.

VW-Skandal: Nun auch Klage in Italien

+++ Im VW-Abgasskandal gibt es jetzt auch eine Klage in Italien. Der Umweltdachverband Codacons teilte mit, dass er diese am Mittwoch bei einem Gericht in Venedig eingereicht habe. Dieses sei zuständig, weil die Volkswagen Group Italia S.P.A. ihren Sitz in Verona, also in der Region Venetien, habe. Am 11. Februar 2016 müsse das Unternehmen vor den Richtern erscheinen, um auf die Wiedergutmachungsanträge der Umweltschützer zu antworten. Alle Eigentümer von Fahrzeugen, die von dem Skandal betroffen seien, könnten sich der Klage anschließen. Das Mailänder Wirtschaftsfachblatt „Milano Finanza“ hatte zuerst darüber berichtet.

+++ Die französische Regierung erwägt nach dem Diesel-Skandal bei Volkswagen, eine Rückzahlung öffentlicher Förderung zu fordern. Wenn der Verkauf angeblich sauberer Fahrzeuge mit Fördergeldern zusammenhänge, „dann müssen diese öffentlichen Hilfen zurückgezahlt werden“, sagte Umweltministerin Ségolène Royal am Mittwoch in Paris dem französischen Fernsehsender BFMTV. Nähere Angaben zur möglichen Höhe von Forderungen machte Royal nicht. In Frankreich sind rund eine Millionen Fahrzeuge betroffen.

Audi stellt Strafanzeige

+++ Die deutschen Autobauer Volkswagen und Audi müssen wegen der Abgas-Affäre Preise für besonders umweltfreundliche Diesel-Modelle in den USA zurückgeben. Erstmals in der jahrzehntelangen Geschichte der Preisverleihungen des „Green Car Journal“ seien Auszeichnungen aberkannt worden, teilte das Fachblatt am Mittwoch mit. Die Autos hätten sich im Nachhinein als unzulässig erwiesen.

+++ Im Abgas-Skandal bei Volkswagen hat die VW-Tochter Audi Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Ingolstadt gestellt. „Damit wollen wir den Prozess der Aufklärung unterstützen“, erklärte ein Audi-Sprecher am Mittwoch. Das Unternehmen arbeite eng mit den ermittelnden Behörden zusammen. „Wir dulden keine Geschäftspraktiken, die gegen geltendes Recht oder grundlegende Werte verstoßen“, erklärte der Sprecher. Die Anzeige habe man „wegen sämtlicher nach deutschem Strafrecht in Betracht kommender Delikte“ erstattet.

+++ Die Grünen-Politikerin Renate Künast hat die Koalition wegen ihrer Rolle bei der Aufarbeitung des VW-Abgas-Skandals kritisiert. Dabei geht es um die Frage, welche Folgen der Skandal für die Verbraucher hat. „Unser Versuch, das im Rechtsausschuss zu erörtern und über eine Initiative gegenüber VW zu reden, wurde von der großen Koalition abgewürgt“, sagte Künast, die Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses ist, am Mittwoch. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) solle angesichts der Sorgen vieler Bürger das Gespräch mit Volkswagen suchen, so wie es die Bundesregierung damals beim ADAC-Skandal um Fälschungen beim „Gelben Engel“ getan habe.

VW-Abgas-Skandal: 1,2 Millionen Autos in Großbritannien betroffen

+++ In Großbritannien sind knapp 1,2 Millionen Autos der Volkswagen-Gruppe von dem Abgas-Skandal betroffen. Die britische Konzerntochter teilte am Mittwoch mit, darunter seien mehr als 500.000 Wagen der Marke VW, knapp 400.000 Audi, rund 77.000 Seat, 132.000 Skoda sowie knapp 80.000 leichte Nutzfahrzeuge. Volkswagen werde einen Maßnahmenplan verkünden, um die Abgas-Charakteristika einiger Diesel-Fahrzeuge zu korrigieren, erklärte die britische Konzerntochter. Betroffene Kunden würden in den kommenden Wochen und Monaten auf dem Laufenden gehalten.

+++ Angesichts des Skandals um manipulierte Abgaswerte bei VW sind auch in Südkorea erste Klagen gegen den Autobauer eingegangen. Zwei Fahrer hätten VW verklagt, sagte Jason Ha von der Anwaltskanzlei Barun IP & Law am Mittwoch in Seoul. Die Kanzlei wirft VW vor, seine Kunden getäuscht zu haben. Etwa 100 weitere Fahrer hätten seine Kanzlei wegen einer möglichen Klage kontaktiert. Die Kanzlei fordert eine Annullierung der Kaufverträge und die Rückerstattung des Kaufpreises. Das südkoreanische Umweltministerium will im Oktober verschärfte Abgastests bei VW- und Audi-Modellen einleiten, die auch in den USA und Südkorea verkauft werden.

Schäuble: "Wir werden auch aus dieser Krise stärker herauskommen"

+++ Der Volkswagen-Konzern wird sich nach Ansicht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) durch die Abgasaffäre stark verändern. "VW wird am Ende nicht mehr das sein, was es war", sagte Schäuble den Zeitungen des "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Mittwochsausgaben). Strukturell werde sich bei VW "viel ändern". Auch die Gier nach Ruhm und Anerkennung spiele in Affären wie der von VW eine Rolle. "Man steht fassungslos davor und sieht doch immer wieder, wie das endet", sagte Schäuble weiter. Der globale Wettbewerb für Unternehmen, die auf dem Weltmarkt erfolgreich sein wollten, sei "unglaublich brutal". Dies habe auch schon die Finanzkrise gezeigt. Dass der VW-Skandal den Wirtschafts- und Finanzstandort Deutschland gefährdet, glaubt Schäuble aber nicht: "Wir werden auch aus dieser Krise stärker herauskommen. Wir lernen aus Krisen", sagte der Finanzminister.

+++ Volkswagen fährt im Motorenwerk Salzgitter angesichts des Abgas-Skandals die Produktion etwas zurück. Eine Sonderschicht pro Woche sei vorsorglich abgesagt worden, sagte eine Werkssprecherin am Mittwoch und bestätigte damit einen Bericht der „Wolfsburger Allgemeinen“. Das Image von Europas größtem Autobauer hat aufgrund manipulierter Diesel-Abgaswerte erheblich gelitten. Das könnte sich auch auf den Absatz niederschlagen. In Salzgitter, nach Konzernangaben eines der größten Motorenwerke der Welt, werden täglich rund 7100 Otto- und Dieselmotoren hergestellt. In dem Werk arbeiten rund 7000 Mitarbeiter.

+++ Wegen des Abgas-Skandals hat die VW-Finanztochter Volkswagen Financial Services bis zum Jahresende einen Einstellungsstopp verhängt. „Bereits mündlich gegebene Zusagen für Stellenbesetzungen sind davon aber unberührt“, sagte Sprecher Stefan Voges am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte bereit die „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“ darüber berichtet. Ebenfalls sollen alle in diesem Jahr auslaufenden Verträge von Werkstudenten und Zeitarbeitern zunächst nicht verlängert werden. Nach dpa-Informationen sind knapp 30 Zeitverträge betroffen.

Wegen Audi: Auch Ingolstadt senkt die städtischen Ausgaben

+++ Nach Wolfsburg und Braunschweig senkt auch Ingolstadt im Zuge des Abgas-Skandals die städtischen Ausgaben. Die oberbayerische Auto-Stadt verhängte eine Haushaltssperre von 15 Prozent für die Jahre 2015 und 2016. Dies sei „ausschließlich eine Vorsichtsmaßnahme“, sagte ein Stadtsprecher am Mittwoch. Von „möglichen minderen Ausstattungen“ gehe man ausschließlich im Verwaltungshaushalt aus. Bereits geplante Investitionen für das laufende und das kommende Jahr sollten unverändert fortgeführt werden.

+++ VW-Aufsichtsratsmitglied Olaf Lies fordert eine konsequente strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen für die Diesel-Manipulationen bei Volkswagen. „Diejenigen, die erlaubt haben, dass dies geschehen kann und die, die entschieden haben, die Software zu installieren, haben kriminell gehandelt. Sie müssen deshalb dafür die persönliche Verantwortung übernehmen“, sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister Lies (SPD) am Mittwoch dem englischen TV-Sender BBC. Der Aufsichtsrat müsse jetzt zudem schnell herausfinden, warum er so lange nichts von dem Einsatz der Betrugssoftware erfahren habe.

Dudenhöffer: Pötsch "nicht tragbar"

+++ Vor der Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums von Volkswagen am Mittwoch hat Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vor einer Berufung von Finanzvorstand Hans-Dieter Pötsch zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewarnt. Pötsch sei "nicht tragbar", sagte Dudenhöffer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochsausgaben). Pötsch habe die Anleger nicht gewarnt, "selbst als das Schreiben der US-Umweltbehörde EPA bereits tagelang im Internet stand". Das sei ein Fehler des Finanzvorstands. Wenn VW nun Klagen von Aktionären bekomme, dann sei Pötsch aus seiner Sicht dafür verantwortlich, sagte Dudenhöffer weiter.

+++ Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt ein Prüfverfahren gegen die VW-Tochter Audi aufgenommen. „Wir haben ein Prüfverfahren in Bezug auf die Firma Audi eingeleitet“, sagte Oberstaatsanwalt Wolfram Herrle den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). „Wir prüfen derzeit alle Fakten, um entscheiden zu können, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden muss“, wurde Herrle weiter zitiert. Bei der Staatsanwaltschaft Ingolstadt war am Dienstagabend dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Ingolstadt ist der Stammsitz der VW-Tochter Audi AG. Die Frage, ob gegen mögliche Verantwortliche im Audi-Management ermittelt werden müsse, könne noch nicht beantwortet werden, sagte Herrle.

+++ Der VW-Abgas-Skandal nimmt ungeahnte Ausmaße an. Doch wem nutzt die Abgasaffäre eigentlich? Zwei TV-Börsenexperten haben da ihre eigenen Theorien.

Abgasaffäre: Über 200.000 Autos in Schweden betroffen

+++ In der Volkswagen-Abgasaffäre ruft der Konzern auch 225.000 Autos in Schweden zurück. Die Besitzer von 104.000 VWs, 57.000 Audis, 28.000 Skodas, 2000 Seats und 33.000 VW-Nutzfahrzeugen würden in den nächsten Tagen angeschrieben, teilte die Filiale des Auto-Konzerns in Schweden am Dienstag mit. Die Besitzer der Dieselfahrzeuge würden dann darüber informiert, wie das Abgasverhalten ihrer Fahrzeuge "verbessert" werden könnte. Dazu sollten sie Termine in Werkstätten erhalten.

Vor rund eineinhalb Wochen war bekannt geworden, dass Volkswagen in den USA mit Abgaswerten von Dieselfahrzeugen bei Tests betrogen hatte. Die entsprechende Software kann dafür sorgen, dass im Testbetrieb deutlich weniger gesundheitsschädliche Stickoxide gemessen werden als im regulären Betrieb. Unter den weltweit insgesamt elf Millionen betroffenen Volkswagen-Fahrzeugen sind laut Konzern auch 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge. Dazu zählen etwa die Modelle Caddy und Transporter.

+++ Die obersten Aufseher von Volkswagen wollen am Mittwoch über erste Ergebnisse aus den konzerninternen Ermittlungen zum Abgas-Skandal beraten.

+++ Im Skandal um manipulierte Abgasmessungen bei Dieselfahrzeugen des Volkswagen-Konzerns gibt es einem Medienbericht zufolge schwerwiegende Vorwürfe gegen den ranghohen Manager Neußer.

+++ Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) stellt dem Volkswagen-Konzern Unterstützung bei der Sicherung von Arbeitsplätzen in Aussicht. Die Abgas-Affäre sei zwar ein "dramatischer Vorgang", der aufgeklärt werden müsse, sagte er am Dienstag in Berlin am Rande einer Fraktionssitzung. Gleichzeitig brauche der Konzern aber Stabilität. "Wir kämpfen nicht für das Management, sondern für die 600.000 Menschen, die dort beschäftigt sind", sagte Gabriel.

VW-Abgasskandal: Betroffene Kunden werden per Brief informiert

+++ "In den nächsten Tagen" will VW vom Abgas-Skandal betroffene Kunden informieren. Anschließend würden Werkstatt-Termine vereinbart. Der neue VW-Chef Matthias Müller bestätigte, dass die Software zur Manipulation von Abgaswerten in weltweit bis zu elf Millionen Fahrzeugen mit Dieselmotoren des Typs EA 189 installiert sei. Allerdings sei das Programm nur in einem Teil davon aktiviert.

+++ Vom Abgas-Skandal bei Volkswagen sind auch etwa 700.000 Fahrzeuge von Seat betroffen. Diese Zahl nannte ein Sprecher am Dienstag. Welche Modelle genau betroffen sind, sagte er nicht. Am Montag war bekannt geworden, dass 2,1 Millionen Audi und 1,2 Millionen Skoda mit der Software zum Manipulieren der Abgaswerte ausgerüstet sind. Insgesamt betrifft der Skandal konzernweit laut Volkswagen etwa elf Millionen Fahrzeuge.

+++ Nach dem Abgas-Skandal bei VW fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) umfassende Reformen in der Verkehrspolitik. So sei es etwa "nicht länger hinnehmbar, dass Dieselfahrzeuge in Deutschland weiterhin mit einer deutlich reduzierten Energiesteuer subventioniert" würden, so BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Dienstag. Schließlich stießen Dieselmotoren zwar etwas weniger klimaschädliches Kohlendioxid aus als die Benzinvarianten, doch entstünden zugleich andere Schadstoffe wie Ruß und Stickoxide.

+++ Die Arbeitnehmervertreter bei Audi sehen im Abgas-Skandal zu Unrecht den ganzen VW-Konzern unter Beschuss: "Es handelt sich bei der Abgas-Affäre um einen grob fahrlässigen Fehler einiger weniger, der einem unternehmerischen Eigentor gleicht", heißt es in einem Brief des Gesamtbetriebsrats. Und: "Es ist aber nicht das Versagen eines ganzen Konzerns, wie es in der Öffentlichkeit gerade diskutiert wird." Zu keinem Zeitpunkt sei die Sicherheit der Kunden in Gefahr gewesen.

+++ Der Abgastest-Skandal kostet VW den Platz in mehreren Aktienindizes, die auf nachhaltige Unternehmen ausgerichtet sind. So wird die Vorzugsaktie von Volkswagen aus den sogenannten Sustainability-Indizes des Dow Jones für Europa und weltweit entfernt. Das teilten die Betreiber S&P Dow Jones Indices und RobecoSAM am Dienstag mit.

Auch Caddy und VW-Transporter betroffen

+++ Von dem Abgas-Skandal bei Volkswagen sind einem Bericht zufolge 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge betroffen, zu denen die Modelle Caddy und Transporter gehören. Dies berichtete die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" am Dienstag unter Berufung auf einen Sprecher der Marke VW Nutzfahrzeuge, die ihren Sitz in Hannover hat. Zu den Hauptabnehmern der leichten Nutzfahrzeuge gehören demnach Gewerbetreibende, die aus Kostengründen meist Dieselfahrzeuge kaufen würden.

+++ Der Volkswagen-Konzern kann von den Milliardenkosten infolge des Abgas-Skandals nur einen Bruchteil von der Manager-Haftpflichtversicherung zurückholen. Die Deckungssumme der sogenannten D&O-Versicherung dürfte kaum über einer halben Milliarde Euro liegen, sagte Michael Hendricks, Chef des Düsseldorfer D&O-Maklers Hendricks & Co., der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Laut dem Leiter der D&O-Versicherung des Maklers Aon in Hamburg, Marcel Roeder, liegt die Summe bei Dax-Konzernen häufig sogar nur bei 350 bis 400 Millionen Euro.

+++ Volkswagen steht vor einer schwierigen und langen Aufarbeitung des Abgas-Skandals. Der neue Konzernchef Matthias Müller versprach eine „schonungslose und konsequente Aufklärung“. Dabei werde es nur Stück für Stück voran gehen, und es werde Rückschläge geben, sagte Müller laut Mitteilung von Volkswagen am Montagabend vor Führungskräften des Konzerns. VW stehe vor der „größten Bewährungsprobe“ der Unternehmensgeschichte. VW-Markenchef Herbert Diess wird am Dienstag in Brüssel erwartet. Dort will er Gespräche mit EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska über den Abgas-Skandal führen. Am Mittwoch dann steht nach dpa-Informationen erneut ein Krisentreffen des Aufsichtsrats-Präsidiums an.

Abgas-Skandal: Alle Entwicklungen von Montag

+++ In der Schweiz sind nach Einschätzung der Behörden etwa 130.000 Fahrzeuge von Volkswagen unterwegs, in die die Software zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut sein könnte. Das teilte das Schweizer Bundesamt für Straßen am Montag in einer Erklärung mit. Im Moment handelt es sich demnach nur um Diesel-Modelle der Volkswagen-Gruppe, die zwischen 2009 und 2014 von Audi, Seat, Skoda und Volkswagen hergestellt wurden. Die Untersuchungen dauern an.

+++ Die Stadt Wolfsburg reagiert mit einer sofortigen Haushaltssperre sowie einem Einstellungsstopp auf die zu erwartenden Weiterungen des Abgas-Skandals beim Volkswagen-Konzern. „Auch wenn unsere Stadt schuldenfrei ist und wir Rückstellungen bilden konnten, sind deutliche Gewerbesteuereinbußen zu erwarten“, erklärte am Montag Klaus Mohrs, der Oberbürgermeister der Stadt, die zugleich Sitz des Weltkonzerns ist. Der städtische Haushalt für 2016 sollte am 7. Oktober in den Rat der Stadt eingebracht werden, doch der Termin wurde wegen der aktuellen Situation auf den 16. Dezember verschoben. Der Haushalt soll nun im Frühjahr verabschiedet werden.e

Neue Porsche-Chef wird noch in dieser Woche vorgestellt

+++ Der bisherige Porsche-Produktionsvorstand Oliver Blume soll noch in dieser Woche als neuer Chef des Stuttgarter Sportwagen-Herstellers inthronisiert werden. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen erfuhr, läuft die Planung für ein Treffen des Aufsichtsrats der Porsche AG auf Hochtouren.

Der genaue Tag stehe noch nicht fest, es werde aber auf jeden Fall noch diese Woche sein. Blume ist dem Vernehmen nach der einzige Kandidat, mit Widerstand gegen die Personalie wird bei dem Treffen des Kontrollgremiums nicht gerechnet. Sein Vorgänger Matthias Müller war als Folge des Dieselskandals an die Spitze des VW-Konzerns gerückt. Offiziell äußert sich die Porsche AG nicht zur Nachfolge.

Der 48-jährige Blume ist seit gut zwei Jahrzehnten beim VW-Konzern, 2013 kam er zu Porsche. Zumindest einen Teil der Porsche-Erfolgsgeschichte vergangener Jahre kann er sich mit ans Revers heften, seit 2010 hat der Sportwagen-Hersteller seinen Absatz fast verdoppelt. Vom Dieselskandal bei Konzernmutter VW ist Porsche bislang nicht betroffen.

Volkswagen zieht weitere personelle Konsequenzen

+++ Die Bundesregierung will die Einführung eines neuen Testverfahrens zur Messung von Spritverbrauch und CO2-Emissionen bei Neuwagen vorantreiben. Die Gespräche dazu auf EU-Ebene seien so gut wie abgeschlossen, sagte eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums am Montag in Berlin. Nach dem Willen der Bundesregierung solle das neue Verfahren ab 2017 zum Einsatz kommen. Zur Begründung hieß es: Bei dem bisherigen Verfahren bestehe eine Diskrepanz zwischen den Testergebnissen und den realen Werten im Straßenverkehr.

Kohlendioxid (CO2) zählt zu den für den Klimawandel verantwortlichen Treibhausgasen. Im VW-Abgas-Skandal geht es um Stickoxid-Emissionen von Diesel-Fahrzeugen. Diese sind nicht klimarelevant, aber gesundheitsschädlich.

+++ Volkswagen zieht im Abgas-Skandal weitere personelle Konsequenzen. Nach dpa-Informationen beurlaubte der Konzern mehrere Top-Manager, darunter auch Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg. Das Unternehmen äußerte sich am Montag nicht dazu, auch Audi in Ingolstadt lehnte eine Stellungnahme ab. Den Informationen zufolge wehrt sich Hackenberg juristisch gegen seine Suspendierung. Bereits am vergangenen Donnerstag musste nach Angaben aus Unternehmenskreisen der bei Porsche für Forschung zuständige Vorstand Wolfgang Hatz gehen. Volkswagen hatte am vergangenen Freitag erklärt, erste Manager „beurlaubt“ zu haben, nannte aber keine Namen.

EU-Kommission fordert vollständige Aufklärung

+++ Im Abgas-Skandal wird VW-Markenchef Herbert Diess am Dienstag in Brüssel Gespräche mit der EU-Kommission führen. Der Top-Manager werde Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska treffen und über die jüngsten Entwicklungen informieren, teilte die EU-Kommission am Montag in Brüssel mit. Die Uhrzeit und weitere Details wurden zunächst nicht genannt. Die EU-Kommission hatte jüngst die vollständige Aufklärung des Skandals von den nationalen Behörden verlangt. Diese sollten herausfinden, wie viele Autos mit manipulativer Software ausgestattet wurden.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Winterkorn

+++ Im Zusammenhang mit der Abgas-Affäre ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen den zurückgetretenen VW-Chef Martin Winterkorn. Der Schwerpunkt der Ermittlungen liegt auf dem Vorwurf des Betrugs durch den Verkauf von Kraftfahrzeugen mit manipulierten Abgaswerten, teilte die Behörde am Montag mit. Hintergrund seien eingegangene Strafanzeigen.

Ferner teilt die in Braunschweig ansässige Zentralstelle für Wirtschaftsstrafsachen mit: „Weiter ist in diesem Zusammenhang eine Strafanzeige der Volkswagen AG ohne Benennung eines Beschuldigten eingegangen; Zielrichtung der Ermittlungen ist insbesondere die Klärung der Verantwortlichkeiten.“ Lesen Sie hier mehr dazu.

Abgas-Skandal: 2,1 Millionen Audi-Modelle betroffen

+++ Bei der Volkswagen-Tochter Audi sind weltweit 2,1 Millionen Fahrzeuge vom Abgas-Skandal betroffen. Das sagte ein Audi-Sprecher am Montag in Ingolstadt. In Deutschland sind demnach knapp 577.000 Pkw des Unternehmens mit dem Motor ausgestattet, in dem die Software zur Manipulation von Abgasen eingebaut ist. In Nordamerika liege die Zahl der betroffenen Autos unter 13.000, sagte der Sprecher weiter. In China gebe es keine Fahrzeuge mit dem fraglichen Motor. Der Großteil der betroffenen Diesel-Pkw stamme aus Nordeuropa. Es handle sich um die Modelle A1, A3, A4, A6, Q3, Q5 und auch TT.

Volkswagen muss auch in anderen Ländern mit Konsequenzen rechnen

+++ Der immer noch schwelende Volkswagen-Skandal sowie schwache Vorgaben der Börsen in Übersee haben dem deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt Kursverluste eingebrockt. Die Autokonzerne VW, Daimler und BMW sowie der Zulieferer Continental bildeten am Montag die Schlusslichter im Dax mit minus 4 bis minus 2 Prozent. Lesen Sie hier mehr dazu.

+++ Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller hat den weltweit rund 600.000 Beschäftigten des Konzern eine umfassende Aufklärung des Abgas-Skandals zugesichert. „Wir klären jetzt schonungslos auf“, heißt es in einem Brief an die Mitarbeiter, der dem „Handelsblatt“ vorliegt. Zusammen mit Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh weist Müller auf den Ernst der Lage hin. „Unser Unternehmen steht vor nie dagewesenen Herausforderungen“, betonen beide. Man werde alles tun, um das Vertrauen der Kunden, Partner, Investoren und der Öffentlichkeit zurückzugewinnen.

+++ In Deutschland sind rund 2,8 Millionen VW-Autos vom Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte betroffen. Ob die Halter gegen den Konzern Anspruch auf Schadenersatz haben, ist einem Sprecher des Bundesjustizministeriums (BMJV) zufolge noch unklar. Zudem müssten sie etwaige Mängel und Ersatzansprüche in jedem Einzelfall gegenüber dem Verkäufer geltend machen. Verbraucherschützer fordern deshalb die Möglichkeit von Gruppenklagen, die die Bundesregierung nun nach einem Bericht des "Handelsblatt" Anfang kommenden Jahres auf den Weg bringen will.

+++ Der VW-Konzern will nach Angaben eines Sprechers in den nächsten Wochen Abhilfe schaffen. "Es läuft auf eine Rückrufaktion hinaus, die für den Kunden kostenlos sein wird", sagte der Konzernsprecher am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. In der kommenden Woche wolle VW erste Erkenntnisse präsentieren. Dazu würden auch Gespräche mit den Behörden geführt.

Die umstrittene Software müsse mit einem Update "in den Zustand versetzt werden, dass sie der Gesetzgebung entspricht", sagte der Sprecher. "Die meisten Fahrzeuge werden mit einem solchen Update den Regularien entsprechen." Ob noch weitere Änderungen vorgenommen werden müssten, kläre das Unternehmen gerade. "Sollten wir mehr machen müssen als ein Software-Update, werden wir das machen".

Eine Frist des Kraftfahrtbundesamtes für den Volkswagen-Konzern, über die die "Bild am Sonntag" berichtete, konnte der Sprecher nicht bestätigen. Die "Dringlichkeit" sei dem Unternehmen aber "mehr als bewusst", sagte er.

+++ Verantwortliche bei Volkswagen haben offenbar schon vor mehreren Jahren Kenntnis vom Einsatz rechtswidriger Software in Dieselautos des Konzerns gehabt. Das legt ein Bericht der internen Revision bei Volkswagen nahe, über den mehrere Zeitungen am Sonntag berichteten. So habe schon 2011 ein Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass die Software einen Rechtsverstoß darstellen könnte, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ unter Verweis auf den Prüfbericht.

Ein Volkswagen-Sprecher wollte den Bericht am Sonntag nicht kommentieren. „Wir ermitteln auf Hochtouren und werden die Ergebnisse, sobald wir sie haben, bekanntgeben“, sagte VW-Sprecher Peter Thul.

VW-Skandal: 29 Prozent haben "eher geringes" Vertrauen in deutsche Autobauer

+++ Angesichts des Abgas-Skandals bei Volkswagen hat sich in einer Umfrage eine breite Mehrheit für bessere staatliche Kontrollen der Autohersteller ausgesprochen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der "Bild am Sonntag" sprachen sich 77 Prozent der Befragten für eine bessere Kontrolle der technischen Herstellerangaben aus. 76 Prozent der Bundesbürger gehen demnach davon aus, dass neben VW auch andere deutsche Autobauer bei den technischen Angaben manipulieren, 17 Prozent gehen nicht davon aus.

44 Prozent der Befragten haben demnach weiterhin "großes Vertrauen" in die Angaben der deutschen Autobauer, elf Prozent sogar "sehr großes Vertrauen". 29 Prozent der Bundesbürger haben hingegen ein "eher geringes" und neun Prozent gar kein Vertrauen mehr in die Herstellerangaben.

+++ Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte einen Kurswechsel bei den Abgasmessungen zu. „Wir arbeiten derzeit in Brüssel an neuen, ehrlichen Messverfahren. Wir dürfen uns nicht nur auf Tests im Labor verlassen“, sagte sie dem „Handelsblatt“ (Montag). Es müsse „im realen Fahrbetrieb gemessen werden, was aus dem Auspuff rauskommt“. Die Umweltministerin räumte ein, es sei allgemein bekannt gewesen, dass die im Labor ermittelten Werte nicht mit dem übereinstimmten, was im realen Fahrbetrieb stattfinde. Das sei der Grund, warum die EU ein neues Messverfahren beschlossen habe. Das habe aber nichts mit dem zu tun, was VW getan habe.

+++ Nicht nur in Deutschland zieht die Affäre weite Kreise nach sich. Auch in zahlreichen anderen Ländern muss Volkswagen mit Konsequenzen rechnen, darunter auch strafrechtlichen. 

VW-Skandal: "Arbeiten mit Hochdruck an technischer Lösung"

+++ Volkswagen bereitet eine Nachbesserungsaktion für die von den Abgasmanipulationen betroffenen Diesel-Fahrzeuge vor. Sie soll die Besitzer nichts kosten. Das Unternehmen habe sich einen Zeithorizont von wenigen Wochen gesetzt, in dem die Maßnahmen mit einem entsprechenden Zeitkorridor vorgestellt werden sollen, sagte ein Sprecher der Marke Volkswagen am Samstag in Wolfsburg. Die betroffenen elf Millionen Fahrzeuge weltweit seien identifiziert. „Ich denke, dass die Händler ab nächster Woche aussagefähig sind“, sagte der Sprecher mit Blick auf verunsicherte Kunden. Die Autohalter könnten mit den betroffenen Fahrzeugen zunächst einmal fahren und würden dann informiert. Alle würden angeschrieben.

Das Vorgehen bei der Beseitigung der Softwarefehler werde für die einzelnen Märkte mit den jeweiligen Behörden abgestimmt. „Das kann eine Rückrufaktion sein, aber auch eine Serviceaktion.“ Die Kosten für die Nachbesserung werde Volkswagen übernehmen. Wie hoch diese für den Autobauer sein werden, stehe noch nicht fest. „Es sind gewaltige Kosten, aber es ist völlig selbstverständlich, dass die Kunden nicht auf den Kosten sitzengelassen werden.“

+++ „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer technischen Lösung, die wir so rasch wie möglich dem Handel, unseren Kunden und der Öffentlichkeit präsentieren werden“, sagte VW-Markenchef Herbert Diess.

+++ Auch der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, betonte, Volkswagen könnten nur Transparenz und Kulanz helfen. „VW wird den Abgas-Skandal nur überstehen, wenn der Konzern alle Manipulationen veröffentlicht und alle betroffenen Fahrzeuge zurückruft und umweltgerecht umrüstet.“

+++ Käufer von manipulierten VW-Dieselautos haben nach Ansicht der Grünen-Politikerin Renate Künast auch in Deutschland ein Recht auf Schadenersatz. "Tatsache ist, dass Kunden ein Auto gekauft haben, das die zugesicherten Eigenschaften nicht hat", sagte Künast den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vom Samstag. Die betroffenen VW-Kunden sollten deshalb "eine ordentliche Entschädigung durch den Konzern erhalten", forderte die frühere Verbraucherschutzministerin. Die Bundesregierung müsse die Verbraucher bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützen. "Wir dürfen die vielen Verbraucher nicht alleine lassen. Es muss deshalb in den nächsten Wochen eine juristische Vorklärung durch den Verbraucherminister geben", appellierte Künast an Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD). Dieser müsse klären, welchen Rechtsweg betroffene Kunden einschlagen könnten.

VW-Beben: Die Ereignisse vom Freitag zum Nachlesen

+++ Volkswagen verändert seine Strukturen. Die geplanten Umbauten haben ursprünglich nichts mit dem Abgas-Skandal zu tun, sondern sind schon länger geplant. Doch einige der Reformen kommen dem Konzern nun wohl sehr gelegen.

+++ Die Nachfolge des neuen VW-Chefs Matthias Müller beim Sportwagen-Hersteller Porsche ist bereits so gut wie entschieden. Offiziell steht Müller zwar zunächst weiterhin auch an der Spitze von Porsche. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen erfuhr, steht aber der bisherige Produktionsvorstand Oliver Blume (47) bereits de facto als neuer Firmenlenker fest. Aus formalen Gründen wurde diese Personalie nicht schon am Freitag geklärt, schließlich muss der Aufsichtsrat der VW-Tochter Porsche AG dies beschließen. Dieses Gremium soll in der kommenden Woche in Stuttgart zusammenkommen.

+++ Vertriebsvorstand Christian Klingler verlässt den VW-Konzern. Der 47-Jährige gehe im Rahmen des bei Europas größtem Autobauer geplanten Umbaus „und aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die Geschäftsstrategie mit sofortiger Wirkung“, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Zuvor hatte der Aufsichtsrat in Wolfsburg über verschiedene Personalien und Strukturfragen beraten.

Das sagte der neue VW-Boss Müller vor der Presse 

+++ Auch der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller trat vor die Presse. Er sagte: "Ich übernehme die Aufgabe in Zeiten, in denen VW vor nicht gekannten Herausforderungen steht. Wir werden im Konzern noch strengere Regeln einführen. So ein Skandal darf sich nie wiederholen. Wir können und wir werden diese Krise bewältigen und VW noch stärker machen."

+++ Volkswagen-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche bei der Pressekonferenz: "Die Familien Porsche und Piech stehen voll und ganz zu Volkswagen."

+++ Volkswagen-Aufsichtsratschef Huber sagte: "Müller kennt den Konzern und wird Aufgabe mit ganzer Kraft angehen." Und weiter: "Der Abgas-Skandal ist ein moralisches Desaster. Wir haben einige Mitarbeiter bereits beurlaubt. Wir werden alles tun, um das verlorengegangene Vertrauen Schritt für Schritt zurückzugewinnen."

+++ Matthias Müller wird neuer Chef des VW-Konzerns. Dies teilte das Unternehmen am Freitag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats in Wolfsburg mit. Der bisherige Porsche-Chef übernimmt die Nachfolge von Martin Winterkorn, der wegen des Abgas-Skandals bei Europas größtem Autobauer zurückgetreten war.

VW-Aufsichtsrat tagt stundenlang

+++ Mehr als sechs Stunden nach dem Beginn der Aufsichtsratssitzung beim Autobauer Volkswagen ist noch kein Ende der Beratungen in Wolfsburg absehbar. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Freitag aus Teilnehmerkreisen. Grund für die Verzögerung sei ein „umfangreicher Beratungsbedarf zu den zur Diskussion stehenden Personalien.“

+++ Mit einer Neubesetzung des VW-Chefsessels will der Aufsichtsrat des Autobauers in Wolfsburg den Ausweg aus der weltweiten Abgas-Krise suchen. Dazu ist das 20-köpfige Gremium am späten Vormittag auf dem Werksgelände zusammengekommen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Bislang ist offenbar noch keine Entscheidung gefallen.

+++ Von den Manipulationen bei Abgasmessungen an Dieselwagen bei Volkswagen sind 2,8 Millionen Fahrzeuge in Deutschland betroffen. Das sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitag im Deutschen Bundestag. Nach aktueller Kenntnis seien dies Fahrzeuge der 1,6- und 2-Liter-Diesel-Klasse.

Es stehe aber auch zur Diskussion, dass zusätzlich 1,2-Liter-Fahrzeuge betroffen seien. „Zumindest aktuell gehen wir davon aus, dass sich auch hier mögliche Manipulationen zeigen können“, sagte Dobrindt. Weiteres werde gerade in den Gesprächen mit VW ermittelt.

Dobrindt: "Auch Nutzfahrzeuge von VW manipuliert"

+++ Nach den Worten von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wurden auch Nutzfahrzeuge von VW manipuliert. Neben Pkw seien auch "leichte Nutzfahrzeuge von der unzulässigen Beeinflussung der Emissionen der Diesel-Motoren betroffen", erklärte Dobrindt am Freitag in Berlin. Am Donnerstag hatte der Minister bekannt gegeben, dass VW-Pkw in Europa manipuliert worden waren.

+++ Nach mehreren europäischen Ländern haben am Freitag auch Australien und Indien Aufklärung von Volkswagen wegen des Abgas-Skandals gefordert. Australiens Regierung erklärte, sie erwarte "rasch" Antworten von Volkswagen und der Tochter Audi. Danach werde die Regierung entscheiden, ob und welche Maßnahmen sie ergreifen werde. Sollte auch in Volkswagen-Autos in Australien eine Software eingebaut sein, die bei Tests die Abgaswerte manipuliert, werde die Regierung dafür sorgen, dass betroffene Modelle zurückgerufen und neue nicht mehr im Land verkauft werden. Dabei setze die Regierung auf Freiwilligkeit. Bislang habe Volkswagen sich immer bereit zur Zusammenarbeit erklärt.

Greenpeace demonstriert in Wolfsburg

+++ Nach seinem Rücktritt als VW-Konzernchef neigt sich für Martin Winterkorn wohl auch seine Zeit als Vorsitzender der Dachgesellschaft Porsche SE dem Ende entgegen. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen erfuhr, soll der 68-Jährige unter keinen Umständen an der Spitze der einflussreichen Unternehmens bleiben. Der Porsche SE gehört die Mehrheit von Volkswagen. Zuvor hatte „Spiegel Online“ berichtet, dass Winterkorn im Amt bleiben wolle. Ein Unternehmenssprecher wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern, verwies am Freitagmorgen aber darauf, dass Winterkorn bei der Porsche SE weiterhin im Amt sei.

+++ Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Freitag am Sitz von Volkswagen in Wolfsburg gegen die ihrer Ansicht nach anhaltende Verharmlosung der Umwelt- und Gesundheitsfolgen durch Autohersteller demonstriert. Vor dem Werkstor versammelten sich nach Angaben eines Sprechers zwölf Aktivisten und forderten auf einem Banner "Schluss mit Lügen". VW habe die Bevölkerung über die Gesundheitsgefahr seiner Dieselwagen belogen, sagte Greenpeace-Mobilitätsexperte Daniel Moser. Damit müsse Schluss sein. Volkswagen müsse auch die in Deutschland betroffenen Autos schnellstmöglich zurückrufen und wenn nötig stilllegen.

Die US-Umweltbehörde EPA hatte vergangene Woche aufgedeckt, dass bei VW-Dieselfahrzeugen die Abgaswerte manipuliert worden waren. Mit Hilfe einer speziellen Software wurden im Testbetrieb deutlich weniger gesundheitsschädliche Stickoxide gemessen als im regulären Betrieb. In insgesamt elf Millionen Fahrzeugen weltweit wurde die Software verbaut; nicht nur die Marke VW, sondern auch die Töchter wie Audi, Seat und Skoda sind betroffen. VW-Chef Martin Winterkorn trat als Konsequenz des Skandals am Mittwoch zurück.

+++ Deutsche Autofahrer sind verunsichert: Verpestet etwa mein Diesel auch die Umwelt? Gehört mein Wagen zu den elf Millionen Volkswagen? Wer ist sonst noch betroffen? Stehen Diesel-Motoren vor dem Aus? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie hier.

+++ Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert (SPD), sieht nun die öffentliche Hand und den Gesetzgeber in der Pflicht. Jetzt müssten zwei Dinge getan werden, sagte Burkert am Freitag im ARD-"Morgenmagazin": Zum einen dürften die Abgaswerte nicht mehr in Labors gemessen werden, sondern auf der Straße. Zweitens müsse wieder die öffentliche Hand für die Abgasprüfungen zuständig sein. "Das Kraftfahrtbundesamt muss prüfen, die öffentliche Hand ist besser als ihr Ruf", sagte Burkert.

VW-Beben: Die Ereignisse vom Donnerstag zum Nachlesen

+++ Porsche-Chef Matthias Müller wird Medienberichten zufolge neuer Volkswagen-Chef und damit Nachfolger von Martin Winterkorn. Die Mitglieder des Aufsichtsratspräsidiums hätten sich am Donnerstagnachmittag auf Müller geeinigt, berichteten "Handelsblatt" und "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Die Personalie solle am Freitag offiziell verkündet werden. Am Freitag trifft sich der Aufsichtsrat von Volkswagen in Wolfsburg. Müller ist seit fast vier Jahrzehnten im Konzern. Seit dem Jahr 2010 führt der heute 62-Jährige den Sportwagenbauer Porsche.

+++ Die Aussage von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, dass auch Autos in Europa betroffen sind, bestätigt sich. Die Staatsanwaltschaft Turin hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen, die in Italien zugelassene Fahrzeuge betreffen. Die Ermittlungen sollten auch auf andere Automarken ausgeweitet werden, meldete die italienische Nachrichtenagentur Ansa.

+++ Nach dem Skandal um manipulierte Abgaswerte rollen beim Volkswagen-Konzern weitere Köpfe: Laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" müssen auch der für Forschung zuständige Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz (56) und Audi-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg (65) ihren Hut nehmen.

+++ Der Autobauer BMW hat einen Bericht über angebliche Manipulationen von Werten bei Abgastests zurückgewiesen. „Grundsätzlich gilt: Bei der BMW Group wird nicht manipuliert, und wir halten uns selbstverständlich in jedem Land an die gesetzlichen Vorgaben und erfüllen alle lokalen Testvorgaben“, erklärte das Unternehmen am Donnerstag in München.

Zuvor waren die Aktien des Autobauers auf Talfahrt gegangen, nachdem „Auto Bild“ berichtet hatte, dass nicht nur VW-Dieselautos von Grenzwert-Überschreitungen bei Abgastests betroffen gewesen seien.

+++ Von den Manipulationen bei Abgasmessungen an Dieselfahrzeugen bei Volkswagen sind auch Autos in Europa betroffen. Das sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Donnerstag.

+++ Der Skandal um Abgaswerte ist angeblich viel größer als bisher bekannt. Laut Medienberichten überschreiten auch Fahrzeuge von BMW die europäische Abgasnorm um mehr als das 11-fache.

+++ Im Abgas-Skandal bei Europas größtem Autobauer Volkswagen müssen auch vier Modellreihen der Tochter Audi unter die Lupe genommen werden. Der Motor vom Typ EA 189 sei auch in Fahrzeuge der Modellreihen A1, A3, A4 und A6 verbaut worden, sagte ein Audi-Sprecher am Donnerstag in Ingolstadt. Zuvor hatte es entsprechende Medienberichte gegeben.

Die genauen Baujahre und die Anzahl der Fahrzeuge könnten aber noch nicht genannt werden. Ob die Autos von den Software-Manipulationen betroffen seien, könne er ebenfalls noch nicht sagen.

+++ Der Volkswagen-Konzern bereitet unter Hochdruck eine Liste der von der Abgas-Affäre betroffenen Dieselwagen vor. „Wir arbeiten dran, können aber noch nicht sagen, wann sie veröffentlicht wird“, sagte ein VW-Sprecher der Deutschen-Presse-Agentur. Möglicherweise werde die Liste noch in dieser Woche vorliegen, erklärte der Unternehmenssprecher am Donnerstag. Erst danach kann über eine mögliche Rückrufaktion entschieden werden.

+++ VW drohen neben strafrechtlichen Konsequenzen Regressansprüche und Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Medienberichte über eine Flut von Sammelklagen in den USA und Kanada konnte der Konzern zunächst nicht bestätigen. „Das Unternehmen hat bisher keine Kenntnis wann, wo, wie welche Klage anhängig ist“, sagte der Sprecher. Priorität habe jetzt die Aufklärung des Skandals.

+++ Nach dem Rücktritt von Konzernchef Martin Winterkorn hat sich die Volkswagen-Aktie zunächst erholt. Nach Börsenstart in Frankfurt am Main stieg das Wertpapier am Donnerstag zeitweise um über sechs Prozent auf rund 118 Euro. Bereits am Mittwoch hatte sich die Aktie nach dramatischen Kursstürzen am Montag und Dienstag wieder etwas erholt. 

Beratung über Winterkorn-Nachfolge am Freitag

+++ Volkswagen ist nach dem Rücktritt von Konzernchef Martin Winterkorn um Schadensbegrenzung im Abgas-Skandal bemüht. Über einen Nachfolger will der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung an diesem Freitag beraten. Die Aufarbeitung des Debakels werden den Nachfolger und den Konzern aber noch lange Zeit in Anspruch nehmen. Die Folgen der Manipulationen von Abgaswerten bei Dieselautos sind noch immer nicht absehbar. Über den Skandal ist die ganze Industrie ins Zwielicht geraten. VW drohen neben strafrechtlichen Konsequenzen Regressansprüche und Strafzahlungen in Milliardenhöhe.

+++ Angesichts der Affäre um Abgasmanipulationen tritt Volkswagenchef Martin Winterkorn zurück. Als Vorstandsvorsitzender übernehme er die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren, erklärte Winterkorn am Mittwoch in Wolfsburg. "Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell."

Staatsanwaltschaft prüft erste Klagen von Bürgern gegen VW

+++ Die Staatsanwaltschaft Braunschweig gab den Beginn von Vorermittlungen gegen VW bekannt. Mögliche rechtliche Schritte gegen verantwortliche Mitarbeiter der Volkswagen AG stünden dabei im Mittelpunkt, hieß es aus der Behörde. Mehrere Bundesbürger stellten demnach Strafanzeige gegen den Konzern.

+++ Wer könnte der Nachfolger von VW-Chef Martin Winterkorn werden? Porsche-Chef Matthias Müller ist schon länger als möglicher Erbe im Gespräch. Zuletzt wurde über seinen Wechsel an die Konzernspitze im Frühjahr spekuliert, als Winterkorn sich einen Machtkampf mit dem Konzernpatriarchen und damaligen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch lieferte. Damals setzte Winterkorn sich durch - doch nun muss er im Skandal um manipulierte Abgaswerte mehr denn je um seinen Posten bangen. Und wieder wird Porsche-Chef Müller als Nachfolger gehandelt.

Maschinenbauer fürchten um Ruf der deutschen Industrie

+++ Die deutschen Maschinenbauer fürchten durch den VW-Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte um den guten Ruf des Standorts Deutschland. Der VDMA sehe mit Sorge, dass ein Fehlverhalten nun auf die gesamte deutsche Industrie übertragen werden könnte, teilte der Branchenverband am Mittwoch in Frankfurt mit.

+++ Das fünfköpfige Aufsichtsratspräsidium von Europas größtem Autobauer Volkswagen berät in Wolfsburg bei einer Krisensitzung über Konsequenzen aus dem Diesel-Skandal. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwochmorgen aus Teilnehmerkreisen. Der genaue Ort der Zusammenkunft blieb zunächst geheim.

Expertin: Andere Auto-Hersteller tricksen auch   

+++ Nicht nur VW steht am Pranger, auch andere Hersteller sollen bei den offiziellen Abgasmessungen getrickst haben. Das sagt Anja Smetanin, die Sprecherin des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), im Gespräch mit der tz in München.

+++ Angesichts der schweren Vertrauenskrise bei Europas größtem Autobauer ist das Präsidium des Volkswagen-Aufsichtsrats am Dienstagabend zu einer Sitzung zusammengekommen. Über mögliche Beschlüsse wurde zunächst nichts bekannt. Das Treffen sollte am Mittwoch fortgesetzt werden.

+++ Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht Volkswagen in der Pflicht, mögliche von der Manipulationsaffäre betroffene Autofahrer in Deutschland zu entschädigen. Volkswagen müsse jeden betroffenen Verbraucher von Schäden freistellen, um Vertrauen zurückzugewinnen, und entweder "alle betroffenen Fahrzeuge nachrüsten" oder einen individuellen Anspruch auf Nachrüstung zugestehen, erklärte vzbv-Vorstand Klaus Müller am Mittwoch in Berlin.

+++ Mehrere US-Bundesstaaten sind dabei, ein Bündnis zu formen, um Ermittlungen gegen den deutschen Autobauer einzuleiten. Das bestätigte ein Sprecher des New Yorker Staatsanwalts Eric Schneiderman am Dienstag.

Grüne: Bundesregierung wusste schon länger bescheid

+++ Die Grünen haben der Bundesregierung vorgeworfen, schon länger um Manipulationen der Autokonzerne bei Spritverbrauch und Abgaswerten zu wissen. Im Juli habe die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen eingeräumt, dass die Messpraxis in Europa Defizite habe, sagte der Fraktionsvize im Bundestag, Oliver Krischer, am Dienstag in Berlin.

Alexander Dobrindt (CSU) wies das zurück: „Die Vorwürfe sind falsch und unanständig“, sagte der Bundesverkehrsminister am Mittwoch nach einer Sitzung des Bundestags-Verkehrsausschusses in Berlin. Auf die Frage, wann er zum ersten Mal von dem Verdacht gegen VW gehört habe, antwortete Dobrindt: „Ich hab's am Wochenende aus der Zeitung erfahren, wie alle anderen auch.“

+++ Der Skandal um die Manipulation von Abgaswerten hat die Volkswagen-Aktie auf eine rapide Talfahrt geschickt. An der Frankfurter Börse stürzte sie am Dienstag um 19,82 Prozent auf 106 Euro ab; zeitweise hatte sie um mehr als 20 Prozent eingebüßt.

Winterkorn: Kein Rücktritt

+++ Der wegen des Abgas-Skandals in den USA massiv unter Druck geratene VW-Chef Martin Winterkorn will seinen Posten an der Konzernspitze nicht aufgeben. Es wäre falsch, „wenn wegen der schlimmen Fehler einiger weniger die harte und ehrliche Arbeit von 600.000 Menschen unter Generalverdacht gerät“, sagte Winterkorn am Dienstag in einem von Volkswagen veröffentlichten Video-Statement. „Das hat unsere Mannschaft nicht verdient. Auch deshalb bitten wir, bitte ich, um Ihr Vertrauen auf unserem weiteren Weg“, sagte er an die Adresse von Kunden, Behörden und Öffentlichkeit. „Wir klären das auf“, betonte der 68-Jährige.

Video-Statement Winterkorn

+++ Der VW-Konzern will sich zu Medienberichten über eine angebliche Ablösung von Vorstandschef Martin Winterkorn wegen des Abgas-Skandals in den USA nicht äußern. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gibt es derzeit keinen entsprechenden Beschluss des Aufsichtsrates.

Dobrindt setzt Untersuchungskommission ein  

+++ Im Skandal um Abgas-Manipulationen des Volkswagen-Konzerns setzt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine Untersuchungskommission ein. Die Kommission unter Leitung von Verkehrs-Staatssekretär Michael Odenwald werde noch diese Woche nach Wolfsburg reisen, sagte Dobrindt am Dienstag in Berlin.

+++ Der Abgas-Skandal bei Volkswagen hat den deutschen Aktienmarkt am Dienstag weiter in die Tiefe gerissen. „Die bisherigen Tragsäulen der Aufwärtsbewegung brechen langsam weg“, sagte Aktienhändler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Zu den seit längerem schwachen Energiewerten gesellten sich nun die Automobiltitel.

Bis zum Nachmittag rutschte der Dax mit Minus 3,41 Prozent auf 9609,53 Punkte ab. Das ist der niedrigste Stand seit einem Monat. Alle 30 Werte notierten im roten Bereich.

Die Vorzugsaktie von Volkswagen verlor zuletzt fast 20 Prozent und zog die Papiere der anderen großen Autobauer mit jeweils rund 6 Prozent auch in die Tiefe.

VW-Skandal wird in Berlin zur Chefsache 

++ Der VW-Skandal wird in Berlin zur Chefsache: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine rasche und volle Aufklärung der Abgas-Manipulationen des Volkswagen-Konzerns gefordert. Merkel sprach sich „angesichts der schwierigen Lage“ für „volle Transparenz“ aus und forderte am Dienstag in Berlin: „Ich hoffe, dass möglichst schnell die Fakten auch auf den Tisch kommen.“

+++ Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG muss am Freitag offenbar seinen Posten räumen. Das berichtet der "Tagesspiegel" und beruft sich dabei auf Aufsichtsratskreise. Das Kontrollgremium habe Winterkorn das Vertrauen entzogen. Als Nachfolger stehe Porsche-Chef Matthias Müller bereit.

+++ In der VW-Affäre werden wohl auch Köpfe rollen. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), der auch im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzt, sagte im ARD-"Morgenmagazin", er sei sich "sicher", dass es personelle Konsequenzen geben werde. Vereinzelt war bereits der Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn gefordert worden. Medienberichten soll sich das Präsidium des VW-Kontrollgremiums am Mittwoch treffen, um über die Affäre zu beraten. VW war für Nachfragen am Dienstag zunächst nicht zu erreichen.

+++ Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat schockiert auf die Affäre um manipulierte Abgasmessungen bei VW-Fahrzeugen in den USA reagiert. Dass die Software wohl bewusst so angelegt worden sei, dass die Messungen geschönte Ergebnisse lieferten, „ist etwas, das mehr als Verwunderung auslöst“, sagte Hendricks am Dienstag in Berlin. Zu den Strafzahlungen, die Volkswagen nun in den USA drohen, sagte sie: „Es wäre ja keine schlechte Idee, diese Summe in den Green Climate Fund zu geben.“

+++ Wegen der Abgas-Affäre fordert auch Italien von VW und der obersten Zulassungsbehörde des Landes Aufklärung. Das Verkehrsministerium in Rom fragte am Dienstag beim deutschen Kraftfahrtbundesamt und bei Volkswagen an, ob die in den USA bekanntgewordenen Verfahren auch bei Zulassungen für Europa angewendet und ob betroffene Fahrzeuge auch in Italien verkauft würden. In dem Schreiben an das Kraftfahrtbundesamt drückte das Ministerium laut Mitteilung seine „Besorgnis“ aus und forderte die Behörde auf, ihm alle Informationen zukommen zu lassen.

+++ Im Abgas-Skandal bei Volkswagen hält die EU spezielle Kontrollen für Europa zunächst für unnötig. Es sei verfrüht zu sagen, ob "unmittelbare spezifische Überwachungsmaßnahmen auch in Europa notwendig sind und ob von Volkswagen in Europa verkaufte Autos ebenfalls betroffen sind", teilte eine Sprecherin der EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Die Kommission habe das Thema jedoch im Auge, stellte die Sprecherin klar: "Wir müssen dem auf den Grund gehen." Dazu sei die Behörde mit dem Autokonzern ebenso wie mit den zuständigen US-Behörden in Kontakt. Zuvor hatte der französische Finanzminister Michel Sapin eine Untersuchung auf EU-Ebene gefordert.

+++ Die Affäre um Manipulationen bei Abgasmessungen in den USA zwingt Europas größten Autobauer Volkswagen zu einer Gewinnwarnung. Deshalb würden im dritten Quartal rund 6,5 Milliarden Euro „ergebniswirksam zurückgestellt“, teilte VW am Dienstag in Wolfsburg mit.

VW räumt auffällige Abweichungen bei 11 Millionen Fahrzeugen ein

+++ Volkswagen hat bei internen Prüfungen zum Diesel-Skandal Unstimmigkeiten in den Messwerten bei weltweit rund elf Millionen Fahrzeugen eingeräumt. Bei den betreffenden Modellen gebe es „auffällige Abweichungen“ zwischen den Messwerten bei Tests und im regulären Fahrbetrieb, berichtete das Unternehmen am Dienstag. Die beanstandete Software beeinflusse aber weder Fahrverhalten, Verbrauch noch Emissionen. "Auffällig" seien Motoren vom Typ EA 189, teilte Volkswagen mit. Sie seien in rund elf Millionen Fahrzeugen weltweit eingebaut. Bei diesem Motortyp seien eine "auffällige Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb" festgestellt worden. Volkswagen arbeite daran, diese Abweichungen "mit technischen Maßnahmen" zu beseitigen.

+++ „Wir waren unehrlich zur Umweltbehörde EPA, wir waren unehrlich zu den Behörden in Kalifornien und, am schlimmsten von allem, wir waren unehrlich zu unseren Kunden. Um es auf gut Deutsch zu sagen: Wir haben Mist gebaut.“ Das sagte Michael Horn, Amerika-Chef von Volkswagen, bei der Präsentation eines neuen Passat-Modells am Montagabend (Ortszeit) in New York zum Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte des VW-Konzerns in den USA.

+++ Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat schnelle Aufklärung im VW-Skandal um geschönte Diesel-Abgaswerte in den USA gefordert. Bei seinem Besuch in Sri Lanka sagte Steinmeier am Dienstag auf Fragen von Journalisten zu der Affäre: „Ich hoffe, dass es schnell Aufklärung darüber gibt, in welchem Umfang Daten durch technische Einrichtungen beeinflusst worden sind und insbesondere Erkenntnisse darüber, wer dafür verantwortlich ist. Es ist und muss zuallererst das Interesse von Volkswagen selbst sein.“ Steinmeier fügte hinzu: „In einem zweiten Schritt wird man darüber reden, zwischen VW und den Behörden in den USA, wie man in der Aufarbeitung damit umgeht.“

ACE: VW-Skandal könnte bald auch andere Länder erreichen

+++ Nach Einschätzung des Auto Club Europa (ACE) könnte die Affäre um manipulierte VW-Dieselautos bald auch andere Länder außer den USA erreichen. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Hersteller auch hierzulande spezielle Software nur für die Abgastests einsetzen, um die Klimabilanz zu beschönigen“, sagte ACE-Sprecher Klaus-Michael Schaal.  

+++ An der Frankfurter Börse gab die Aktie des Autobauers am Dienstagmorgen kurz nach Handelsbeginn um 4,34 Prozent auf 127,90 Euro nach. Am Montag war der VW-Kurs bereits um 17,4 Prozent abgestürzt.

Die Anleger reagierten damit auf den Skandal um manipulierte Abgaswerte, der am Freitag bekannt geworden war. Nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA entwickelte Volkswagen eine Software, mit der Vorgaben zur Luftreinhaltung zwar bei Tests, nicht aber beim normalen Betrieb der Dieselautos erfüllt wurden.

VW ist jetzt auch im Visier der US-Justiz

+++ Die manipulierten Abgastests bei VW-Dieselwagen in den USA schrecken die gesamte Autobranche auf und könnten für den Konzern laut US-Medien auch strafrechtliche Folgen haben. Das US-Justizministerium ermittle, ob dem Konzern kriminelle Machenschaften vorzuwerfen seien, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag unter Berufung auf zwei mit der Untersuchung vertraute Personen.

AFP/dpa/js

Rubriklistenbild: © dpa

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