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Gold ist in allen Kulturen gefragt. Das kann man aktuell bei einer Ausstellung in München erfahren. Am Promenadeplatz 12 ist in den Räumen der Degussa noch bis 18. November die Rothschild-Sammlung zu sehen. Sie umfasst Goldbarren und Einzelstücke aus 35 Ländern, hat ein Gesamtgewicht von 230 Kilogramm Feingold und damit einen reinen Materialwert von zirka neun Millionen Euro.

Interview

Was den Preis fürs Gold bewegt

Wenn die Zeiten unruhig sind, schwören viele Anleger auf Gold. Doch lohnt sich wirklich in das Edelmetall zu investieren? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Gold.  

Das kann man derzeit am Preis für das Edelmetall ablesen, der allein in den ersten Monaten des Jahres kräftig gestiegen ist. Was bewegt die Preise? Woher stammt das Gold? Werden noch neue Vorkommen gefunden? Oder geht das Gold bald aus? Wir sprachen darüber mit dem Geschäftsführer der Degussa Goldhandel GmbH, Wolfgang Wrzesniok-Roßbach.

Warum kaufen die Leute Gold?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Viele Menschen kaufen Gold als Vermögensversicherung. Sie wollen damit keine schnellen Gewinne machen. Viele Kunden kaufen eine Münze oder einen kleinen Barren und ab da ist ihnen der Goldpreis fast egal. Sie rechnen dann nur noch in Gramm. Das zeigt, dass sie Gold als langfristige Anlage ansehen. Ein Grund, um gerade in Gold zu investieren, ist eine verbreitete Unsicherheit über die Entwicklung in vielen anderen Segmenten.

Auch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank müsste doch gut fürs Gold sein. Schließlich werfen auch konkurrierende Anlageformen keine Zinsen mehr ab.

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach. Geschäftsführer der Degussa Goldhandel GmbH.

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Richtig, aber das ist nur ein Nebeneffekt, nicht die eigentliche Ursache für Goldkäufe. Die Nullzinsen sind Ausdruck einer Alternativlosigkeit der Notenbanken, was das Ankurbeln der Wirtschaft angeht. Das verdeutlicht, dass wir uns nach wie vor in einem Krisenmodus befinden. Und das Nachdenken darüber, dass etwas faul ist im Finanzsystem, führt dazu, dass sicherheitshalber Gold gekauft wird.

Woher beziehen Sie eigentlich das Gold?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Das größte Produzentenland ist inzwischen China. Südafrika spielt kaum noch eine Rolle. Die USA, Australien und Russland sind weitere große Produzenten. Wir beziehen das Gold nicht direkt von Minen, sondern wir arbeiten mit zertifizierten Scheideanstalten zusammen. Wir bestellen dort die fertigen Barren und lassen sie entsprechend mit unserem Stempel versehen. Die Münzen beziehen wir direkt von den Prägeanstalten. Also den Krügerrand kaufen wir direkt in Südafrika bei der dortigen staatlichen Münze.

Und der größte Abnehmermarkt?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Auch hier liegt China vorne. Es wechselt sich mit Indien ab, je nach Jahreszeit. Als drittgrößter Markt kommt dann auch schon Deutschland. Auch wenn die USA fünfmal so viele Einwohner haben, importiert Deutschland doch mehr an Goldbarren und Münzen.

Und wie viel ist das so im Jahr?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Vergangenes Jahr haben wir in Deutschland bei 120 Tonnen gelegen, heuer dürften es 130 Tonnen werden.

Manche Experten erwarten, dass der Höhepunkt der Goldförderung in wenigen Jahren erreicht sein wird. Das würde bedeuten, dass irgendwann das Angebot an Gold die Nachfrage nicht mehr decken kann. Was glauben Sie?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Zum globalen Goldangebot gehört ja mehr als nur die Minenförderung. Dazu kommt das Recycling-Gold, also zum Beispiel Schmuck, der wieder eingeschmolzen wird, oder Barren, die wieder verkauft werden. Das ist ein Bereich, der in den vergangenen Jahren schon fast so groß war wie die Neuförderung. In der Regel beträgt Recycling-Gold rund 40 Prozent vom gesamten Kuchen. 

Das Gold geht uns also nicht so schnell aus?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Es ist so, dass seit vielen Jahren keine großen neuen Vorkommen mehr entdeckt wurden. Es gibt nur noch zwei Gebiete, eins zwischen Chile und Argentinien und eines in Russland, die bekannt sind, wo es aber noch keine nennenswerte Förderung gibt. Aber man muss bedenken, dass bei einem hohen Goldpreis – und wir liegen heute fast fünfmal höher als zum Beispiel im Jahr 2000 – kleine und mittelgroße Minen wieder lukrativ wurden. Zum Teil hat man alte Minen wieder aufgemacht, zum Teil hat man kleinere Vorkommen begonnen zu erschließen. Das führte am Ende dazu, dass die Neuproduktion in den letzten drei Jahren sogar leicht angestiegen ist, nachdem sie viele Jahre lang gefallen war.

Wie viel Gold gibt es denn auf der Welt?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Alles Gold der Welt, das sind ungefähr 180.000 Tonnen. Das ist nicht viel. Das alles passt unter das Brandenburger Tor oder in ein olympisches Schwimmbecken.

Wo befinden sich denn diese 180 000 Tonnen? Sind das Barren bei den Notenbanken?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Nein, der größte Anteil ist Schmuck. Das sind rund 50 Prozent. Schmuck ist in allen Kulturen begehrt. In Indien zum Beispiel schenkt man große Mengen Schmuck zur Hochzeit. Die anderen 50 Prozent teilen sich mehr oder weniger halbe-halbe auf zwischen Notenbanken und privaten Anlegern.

Wie viel von seinem Vermögen sollte man in Gold stecken?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Irgendetwas zwischen fünf und 15 Prozent. Ich würde auch dazu raten, in mehreren Schritten zu kaufen, denn die Preise schwanken. Also erst mal ein Drittel, wenn der Preis dann nach unten geht, kann man noch ein paar mal nachkaufen.

In welcher Form sollten private Anleger in Gold investieren?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Ich rate zu physischem Gold, wenn man Gold als Vermögensversicherung betrachtet. Bei Zertifikaten hat man das Emittentenrisiko. Anleger in Lehman-Gold-Zertifikate waren zum Beispiel sicher, in echtes Gold investiert zu haben. Nach der Pleite zeigte sich, dass das Geld weg war.

Interview: Corinna Maier

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