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Über 2500 Manager und Politiker suchen in Davos Antworten auf Krisen.

Weltwirtschaftsforum

Manager und Politiker suchen in Davos Antworten auf Krisen

Genf/Davos - Mehr als 2500 Topmanager und Spitzenpolitiker suchen beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum (WEF) im Schweizer Alpen-Kurort Davos nach Auswegen aus den zahlreichen neuen Krisen.

Krisen ohne Ende? Die Verunsicherung in der Weltwirtschaft ist in den vergangenen Monaten dramatisch gewachsen. In Davos suchen Topmanager, Politiker und Wissenschaftler beim Weltwirtschaftsforum WEF (21. bis 24. Januar) dringend nach Lösungen.

Deutschland zeigt dabei angesichts der neuen Krisenstimmung die von vielen geforderte Führungsverantwortung. In Rekordstärke reist die Bundesregierung zu dem Elitetreffen in die Schweizer Berge. Neben Kanzlerin Angela Merkel werden auch die Minister für Wirtschaft, Finanzen, Verteidigung, Inneres, Entwicklungshilfe und Gesundheit in den Davoser Wandelgängen und Kaminzimmern anzutreffen sein.

Politiker und Wirtschaftslenker etlicher Länder, so berichtet der frühere Bundeswirtschaftsminister und neue WEF-„Außenminister“ Philipp Rösler, hätten vor dem Treffen 2015 den Wunsch geäußert, sich mit deutschen Ministern und Managern auszutauschen. Von der Bundesrepublik hänge die Zukunft des wirtschaftlich wie politisch fragilen Europa ab, hatte erst kürzlich die britische Wirtschaftszeitung „Financial Times“ geschrieben. Doch lange habe sich das Land nur widerwillig zu dieser Verantwortung bekannt.

Die Davoser Debatten dürften diesmal mindestens so spannend werden wie einst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Denn die Euro-Entwarnung, die 2014 der damalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso beim WEF abgab, hat sich als verfrüht erwiesen.

Der Optimismus ist bangen Fragen gewichen. Manche sind freilich - zum Ärger europäischer Partner - erst von Berlin aus lanciert worden. Ist Griechenland in der Eurozone zu halten? Oder wäre ein „Grexit“ mit Schrecken nicht allemal besser als Schuldenschnitte ohne Ende?

Dabei ist den 2500 WEF-Teilnehmern aus rund 140 Ländern bewusst, dass die Griechen einen Tag nach dem Abschluss des Davoser Treffens dem eurokritischen linken Parteienbündnis Syriza unter Alexis Tsipras an der Wahlurne zur Macht verhelfen könnten. Sollte Hellas dann den Reformkurs verlassen, könnte der Euro heftig ins Taumeln geraten.

Dabei ist Griechenland längst nicht der einzige „Problemfall“. Droht Russland der Finanzkollaps? Eskaliert die Ukraine-Krise zum Krieg in Europa? Welche Folgen hat der Verfall des Ölpreises? Brechen in US-Dollar verschuldete Schwellenländer zusammen, wenn der Höhenflug des „Greenback“ ungebremst anhält? Und werden dann noch mehr „gescheiterte Staaten“ Brutstätten radikaler Extremisten?

Der Generalsekretär des internationalen Gewerkschaftsverbandes IndustriAll, Jyrki Raina, hofft zugleich auf einen neuen Schub im Kampf gegen grundsätzliche Probleme wie Ungleichheit oder Steueroasen. Vom Davoser Treffen des vergangenen Jahres war er enttäuscht: „Da hatte das Weltwirtschaftsforum zuvor die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich als größte Bedrohung für die wirtschaftliche Entwicklung bezeichnet, doch auf den Podien gab es nichts Neues zu hören.“

Angst im Euro-Musterland Deutschland

Längst befürchten auch im Euro-Musterland Deutschland viele Menschen, dass die sich häufenden Krisen in der Welt finanzielle Folgen für sie haben werden. Nach einer Untersuchung der in Hamburg ansässigen BAT-Stiftung für Zukunftsfragen erwartet nur noch jeder dritte Deutsche, dass die Bundesrepublik Ende 2015 wirtschaftlich besser dasteht als 2014.

Hinzu kommen Probleme, die noch wie Zukunftsmusik klingen, aber angesichts des Tempos technischer Entwicklungen bald zu Verwerfungen führen könnten. „Bei der digitalen Revolution stehen wir erst am Anfang“, mahnt WEF-Gründer Klaus Schwab im Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“. „Die meisten Politiker haben Schwierigkeiten, die Auswirkungen davon zu erfassen.“ Der Grund: „Sie sind absorbiert mit Krisenmanagement.“

Dazu gehört sicher auch die heftig umstrittene Frage, ob es richtig ist, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) zum Ankauf von Staatsanleihen in großem Stil übergeht - eine Kursänderung, die der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark in der „Welt“ als „Atomwaffe der Geldpolitik“ bezeichnete.

Dass Deutschland dagegen ist, weiß auch in Davos jeder. Am 22. Januar, dem zweiten Tag des WEF, will EZB-Chef Mario Draghi bekanntgeben, ob und wann der Anleihenankauf beginnt. Wenige Stunden nach Draghi in Frankfurt am Main spricht in Davos die deutsche Kanzlerin.

dpa

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