2015 mehr Insolvenzen erwartet

Die Zahlungsmoral bei den Deutschen sinkt

Ratingen - Wenn die Konjunktur lahmt, bleiben offene Rechnungen immer häufiger liegen. Meist geht es eher um kleinere Beträge. Doch jedes dreizehnte Unternehmen kämpft gegen oft existenzbedrohende Ausfälle.

Mit Eintrübung der wirtschaftlichen Lage zahlen viele Schuldner in Deutschland ihre Rechnungen immer später. „Die Schleifspuren in der Konjunktur haben auch Spuren bei der Zahlungsmoral hinterlassen“, sagte Michael Bretz von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform der Deutschen Presse-Agentur.

Im Zuge eines für 2015 erwarteten Anstiegs der Insolvenzzahlen sei auch im kommenden Jahr zunächst keine Besserung in Sicht. Eine anhaltende Abwärtsspirale beim Zahlungsverhalten sei derzeit jedoch eher nicht zu befürchten, so Bretz.

Im Durchschnitt waren säumige Schuldner im dritten Quartal dieses Jahres nach Berechnungen von Creditreform 13,25 Tage in Verzug. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 12,84 Tage. Vor allem Schuldner von Unternehmen aus den Bereichen Verkehr und Logistik, Dienstleistungen sowie in der Grundstoffindustrie und im Baugewerbe ließen sich Zeit mit der Bezahlung von Rechnungen. Deutlich besser entwickelte sich die Zahlungsmoral dagegen in der Chemie- und Kunststoffbranche sowie in der Metall- und Elektroindustrie.

Wirklich bedrohliche Zahlungsausfälle seien derzeit jedoch eher rückläufig, berichtete Bretz. Bei den kleinen Rechnungen lasse man es dagegen eher schleifen. Noch immer könne mit einem Anteil von 81,9 Prozent (Vorjahr 83,2 Prozent) die große Mehrheit der mittelständischen Unternehmen über ein weitgehend gutes Zahlungsverhalten ihrer Kunden berichten. Mehr als jedes fünfte Unternehmen (21,1 Prozent) blieb sogar ganz ohne Forderungsverluste.

Mit oft existenzbedrohenden Forderungsverlusten von mehr als einem Prozent des Umsatzes musste jedes dreizehnte Unternehmen (7,4 Prozent) kämpfen. Größere Verluste waren vor allem im Baugewerbe ein Thema, während im Handel überdurchschnittlich viele Unternehmen meist von eher geringen Ausfällen betroffen waren.

2015 mehr Insolvenzen in Deutschland erwartet

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland wird nach Einschätzung des Kreditversicherers Euler Hermes im kommenden Jahr erstmals seit längerem wieder zulegen. Ein Grund für den erwarteten Anstieg gegen den weltweiten Trend um zwei Prozent auf knapp 25 000 Fälle sei eine gesunkene Zahlungsmoral, sagte Euler-Hermes-Chefökonom Ludovic Subran der Deutschen Presse-Agentur. 2014 waren in Deutschland etwa sechs Prozent weniger Firmen in die Pleite gerutscht als im Jahr zuvor. In den vergangenen fünf Jahren sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stetig.

Subran zeigte sich zuversichtlich, dass es sich bei der Entwicklung 2015 lediglich um eine „kurzfristige Delle“ handele. Bereits im kommenden Jahr rechnet der Experte voraussichtlich wieder mit einer Stabilisierung. Voraussetzung sei jedoch, dass es zu keiner weiteren Eskalation der weltweiten Krisen komme. Notwendig seien auch mehr Investitionen der öffentlichen Hand und ein verbessertes Umfeld für Privatinvestitionen.

In anderen westeuropäischen Ländern wie Spanien, Italien, Portugal. Griechenland, Dänemark oder Großbritannien rechnet der in über 50 Ländern vertretene Kreditversicherer 2015 mit einem Rückgang der Unternehmensinsolvenzen. Weltweit sagt das Unternehmen ein Minus von drei Prozent voraus. Neben Deutschland seien aber auch in Luxemburg, Österreich, Finnland, Belgien und China mehr Firmenpleiten zu erwarten.

Mit mehr Insolvenzen rechnet Euler Hermes unter anderem in der Energiewirtschaft, sowie in der Land- und Forstwirtschaft. Während im Energiesektor viele Unternehmen mittlerweile mit überholten Geschäftsmodellen zu kämpfen hätten, litten Unternehmen aus der Land- und Forstwirtschaft zunehmend unter der Russlandkrise.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb-mm

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