+
Zalando hat eine Abmahnung kassiert.

Psychologischer Trick

Zalando führt Kunden in die Irre - Abmahnung

München - Zalando hat eine Abmahnung kassiert. Der Grund: Der Online-Versandhändler hat seine Kunden mit falschen Zahlen in die Irre geführt. Das hat auch Folgen für andere Portale.

"Noch fünf Paar Schuhe sind vorhanden, schlagen Sie JETZT zu." Mit solchen Worten zeigen Online-Shops an, wie viele Produkte noch vorhanden sind. Auch bei Hotel-Reservierungen oder Flugbuchungen gibt es die Anzeige mit "2 Zimmer frei" oder "wenige Plätze verfügbar". 

Doch wie viel ist an solchen Zahlen dran? NDR Info und Markt recherchierten und prüften, ob die Angaben tatsächlich stimmen. So bestellten sie beispielsweise bei Zalando in mehreren Fällen mehr Kleidungsstücke, als laut Internetseite verfügbar waren.

Ein technischer Fehler? Mitnichten. Es ist vielmehr eine gute Masche, um den Kunden zum Kauf anzuregen. "Verbraucher bekommen den Eindruck, dass etwas weg sein könnte, wenn sie noch zu lange warten", sagt Marketing-Professor Philipp Riehm. "Diese Verknappungsstrategie bewirkt bei uns einen emotionalen Druck, so dass der Verstand in den Hintergrund geschoben wird."

Eine "Irreführung der Verbraucher"

Auf Nachfrage des NDR räumte Zalando ein, dass der Warenbestand aus technischen Gründen nicht in Echtzeit abgebildet werde. Es handelte sich lediglich um einen Mindestbestand. Die Wettbewerbszentrale sieht darin eine "Irreführung der Verbraucher". Die Selbstkontrollorganisation der Wirtschaft mahnte Zalando deshalb ab. Die Folge: "Zalando darf nicht mehr mit einem Warenvorrat auf die Seite gehen, der den Tatsachen nicht entspricht", sagt Peter Brammen von der Zentrale. Sonst drohen "gerichtliche Maßnahmen".

Das hat auch Folgen für andere Online-Portale, die mit dieser Methode arbeiten. Der Reservierungsdienst Booking.com schreibt aus diesem Grund explizit, dass sich die Verfügbarkeitsangabe nur "auf unsere Seite" bezieht. Stichproben des NDR ergaben, dass speziell die Zahlen, wie viele Menschen sich gerade das Hotel anschauen, nicht in Echtzeit angezeigt werden.

Falls online alles ausgebucht ist, sollten Sie nicht verzagen: Meist sind bei anderen Anbietern oder direkt beim Hotel noch Zimmer frei - möglicherweise auch billiger.

Michael Sapper

Michael Sapper

E-Mail:michael.sapper@merkur.de

Google+

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auch Volksbanken müssen künftig Strafzinsen zahlen

Frankfurt/Main (dpa) - Deutschlands Volks- und Raiffeisenbanken werden für Geld, das sie bei ihrem Spitzeninstitut lagern, künftig zur Kasse gebeten.
Auch Volksbanken müssen künftig Strafzinsen zahlen

EU-Agrarminister beraten über weitere Hilfen für Milchbauern

Luxemburg (dpa) - Die EU-Agrarminister wollen heute in Luxemburg darüber beraten, wie den Bauern in der aktuellen Milchkrise weiter geholfen werden kann. Dazu erwartet …
EU-Agrarminister beraten über weitere Hilfen für Milchbauern

Fresenius bekommt neuen Chef - Sturm folgt auf Schneider

Bad Homburg (dpa) - Der deutsche Gesundheitskonzern Fresenius bekommt einen neuen Chef. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Ulf Schneider werde das Unternehmen bis Ende …
Fresenius bekommt neuen Chef - Sturm folgt auf Schneider

BIZ: Faule Kredite weiter großes Problem europäischer Banken

Basel (dpa) - Faule Kredite in den Büchern von Banken haben nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) gerade in der Eurozone weiter große …
BIZ: Faule Kredite weiter großes Problem europäischer Banken

Kommentare