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Sonderangebote im Einzelhandel sind oftmals ein Trugschluss.

Schnäppchenjäger aufgepasst

ZDF deckt auf: So tricksen Händler bei Sonderangeboten

München - Schnäppchenjäger aufgepasst: Das ZDF hat in einer Dokumentation getestet, ob sich Sonderangebote wirklich lohnen oder ob am Ende doch der Einzelhandel gewinnt.

Große, rote Schilder schreien einem ins Gesicht: "Kauf mich, ich bin gerade billig!" Die Schokolade, angeblich 40 Prozent günstiger als sonst. Oder im Matratzenladen: Schlussverkauf, alles muss raus. Da verkaufen die Händler die besten Stücke zu Spottpreisen. 70 Prozent weniger als der ursprüngliche Preis.

Doch wer gewinnt wirklich bei Sonderangeboten: der Kunde oder die Verkäufer? Das ZDF hat das WISO-Team losgeschickt, um zu testen. Und das Ergebnis ist erschütternd, aber auch wenig überraschend. Das sind die drei Tricks von Herstellern und Händlern.

Sonderangebote-Schwindel: Räumung- und Wiedereröffnungsangebote

Mega-Rabatte und Super-Schnäppchen: Das versprechen viele Teppich- und Matratzenladen. Vor allem, wenn geräumt und kurz darauf neu geöffnet wird. Dann purzeln die Preise. Allerdings fand das ZDF-Team heraus: Die meisten Läden bestehen oft seit Jahren und sind in der Zeit weder geräumt noch wiedereröffnet worden.

Die Wettbewerbszentrale Hamburg erklärt, dass das ausgeklügelte System vom Gesetzgeber nicht einmal verboten ist. Demnach dürfe ein Laden mit Wiedereröffnungspreisen werben, selbst er wenn nur das Logo oder das Design und die Aufmachung im Inneren verändert hat.

Illegal sind allerdings die Mondpreise. Damit meinen Verbraucherschützer die angeblichen Endpreise, die den Käufern vortäuschen, sie würden mit dem aktuellen Angebot viel Geld sparen. Meistens hat der Händler den durchgestrichenen Preis nie verlangt.

Sonderangebote-Schwindel: Payback-Punkte

"Haben Sie eine Payback-Karte", fragten die Kassierer und Kassiererinnen an den Kassen von dm, Aral und Rewe den zahlenden Kunden. Meist wird die Frage mit "Ja" beantwortet, da sich viele Leute Prämien und Rabatte erhoffen. Das ZDF-Team hat allerdings eine simple Rechnung aufgestellt: Für ein Navi im Wert von rund 150 Euro müsste ein dm-Kunde beispielsweise über 27.000 Flaschen Shampoo kaufen. Das sind in etwa 15.000 Euro, die ein Normalbürger vermutlich nicht mal in einem Jahr beim Drogeriemarkt liegen lässt. Bei Aral wären das im Durchschnitt in etwa 30.000 Liter Benzin, je nach Benzinpreis müsste man dafür knapp 40.000 Euro ausgeben. Auch in diesem Fall ist es ein klarer Fall von Abzocke.

Besonders kurios: Meist sind die Prämien-Produkte, wie ein Fernseher oder das Navigationssystem im Einzelhandel um einige Euro billiger als von Payback angegeben. Ein anderer bedenklicher Aspekt ist der Datenschutz. Payback speichert so viele, teils persönliche Daten, so dass ein aussagekräftiges Personenprofil erstellt werden kann. Wohnort, Interessen, Einkommen und Familienstand sind nur einige der sensiblen Daten, die Payback erhebt.

Sonderangebote-Schwindel: Treueherzen

Auch bekannt: die Treueherzen. Ab einem bestimmten Einkaufspreis erhält der Kunde eine Anzahl an Treuepunkten, die er in einem Heftchen sammelt. In diesem Heft sind auch die angepriesenen Produkte zu sehen, die man billiger kaufen kann, wenn es voll ist. Es steht auch dabei, wie viel man spart. Das ZDF-Team prüfte die Prämien und die Originalprodukte in ihrer Wertigkeit. Überraschend: Das Prämienprodukt schneidet besser ab als das herkömmliche Produkt.

Das Problem ist jedoch: das ist sehr kostspielig. WISO rechnete vor: Im Schnitt sind bei Rewe und Edeka mindestens 125 Euro fällig, Kaufland verlangt durchschnittlich 100 Euro für die entsprechende Anzahl an Treueherzen. Allerdings kommt da noch der Preis für die jeweilige Prämie oben drauf.

Die Falle bei Sonderangeboten

Und warum fallen wir darauf rein? Das erläutert Christian Elger, Professor für Neurologie an der Uni-Klinik Bonn. Demzufolge aktiveren vermeintliche Schnäppchen das Belohnungszentrum in unserem Gehirn. Die Folge: Unkritische Kaufentscheidungen. Dazu im Gegensatz zeigte sich auf dem Computer-Tomografenbild, dass es keinen Anreiz für einen Kauf gebe, wenn der Normalpreis angezeigt wird. Dann reagiere das sogenannte Stirnhirn, das für Selbstkontrolle und logisches Denken zuständig sei.

ms

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