+
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel.

Sechs Jahre nach der Krise

BIZ zweifelt an Stärke von Europas Banken

Basel - Sechs Jahre ist der große Knall im europäischen Bankensystem her. Doch aus der Sicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist die Lage noch immer riskant.

Auch fast sechs Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise befindet sich insbesondere Europas Bankensektor nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weiter in einer kritischen Situation. Weltweit habe die Branche zwar wieder recht gut Tritt gefasst, allerdings bleibe die Lage gerade in Europa angespannt, heißt es im am Sonntag in Basel veröffentlichten Jahresbericht der „Bank der Zentralbanken“. Der Handlungsbedarf sei weiter groß, um die Banken widerstandsfähiger und ihre Geschäftsmodelle langfristig tragfähig zu machen.

Gerade in Europa sei die hohe Verschuldung der Institute weiter ein Risiko. Allerdings räumt die BIZ ein, dass die Institute in der Eurozone zuletzt im Zusammenhang mit dem laufenden Bilanzcheck der Europäischen Zentralbank (EZB) diese Probleme verstärkt angingen. Die Institute machten nun anscheinend Ernst damit, in ihren Bilanzen aufzuräumen und Problemanlagen abzuschreiben.

Außerhalb des Euro-Raums - vor allem in den USA - hätten sich die Gewinne der Banken im vergangenen Jahr wieder deutlich verbessert. Dagegen sei in der Eurozone angesichts von Staatsschuldenkrise und der verbreitet schwierigen Konjunktur die Ertragslage trüb geblieben.

Insgesamt habe der Sektor weltweit seit der Krise seine Puffer verstärkt, indem Gewinne einbehalten wurden. Zugleich senkten die Banken ihren Bestand an Risikopositionen. Allerdings bemängelt die BIZ dabei, dass dies auch daran lag, dass die Institute einfach optimistischere Risikomodelle anwendeten. Bei der Berechnung dieser Werte forderte die Notenbanker-Institution nun erneut mehr Transparenz, um das Vertrauen in die Stabilität der Banken zu stärken.

Chefin von Bankenaufsicht verspricht harten Stresstest

Die neue Leiterin der bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelten Bankenaufsicht, Danièle Nouy, kündigt den Kreditinstituten einen „harten“ Stresstest an. „Es ist nicht so einfach, uns auszutricksen“, sagte die Französin dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Die europäische Bankenaufsicht in Frankfurt am Main befindet sich erst im Aufbau, Kritiker halten sie daher nur für eingeschränkt schlagkräftig. „Im November, wenn wir offiziell die Aufsicht über die Banken des Euroraums übernehmen, sind wir startklar. Die Hälfte der Mannschaft ist bereits eingestellt“, betonte Nouy.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Forscher: Beim Brexit verlieren alle, besonders die Briten

Den Warnungen vor hohen Kosten zum Trotz haben die Briten für den EU-Austritt ihres Landes gestimmt. Ökonomen wiederholen nun ihre düsteren Prognosen: Die …
Forscher: Beim Brexit verlieren alle, besonders die Briten

Interview zum Brexit: Anleger sollten jetzt Ruhe bewahren

München - Es ist nur logisch, dass Anleger nach dem Brexit verunsichert sind. Wir fragen die unabhängige Finanzberaterin Stefanie Kühn im Interview, wie sich …
Interview zum Brexit: Anleger sollten jetzt Ruhe bewahren

Brexit könnte den Briten 300 Milliarden Euro kosten

Gütersloh - Der EU-Austritt wird die Wirtschaft der Briten schmerzhaft treffen, glauben Experten. Aber auch Deutschland muss mit hohen Verlusten rechnen.
Brexit könnte den Briten 300 Milliarden Euro kosten

Rekordtief beim Milchpreis: Bauern fordern Nothilfe

Berlin - Ein Liter Milch für unter 20 Cent: Solche Tiefstpreise lassen deutsche Milchbauern um ihre Existenz bangen. Sie fordern schnelle Nothilfe.
Rekordtief beim Milchpreis: Bauern fordern Nothilfe

Kommentare