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Reif für den Friedhof: Wer den Altwagen abwrackt und ein neues Auto kauft, hat unter Umständen Anspruch auf die neue 2500-Euro-Prämie.

Abwrackprämie

Wie der Staat den Alten versilbert

Um die Konjunktur anzukurbeln, hat die Bundesregierung letzte Woche einen Verschrottungszuschuss von 2500 Euro für Altautos beschlossen. Nun stehen die Details fest. Unsere Zeitung fasst zusammen, wie Käufer neuer Fahrzeuge profitieren können.

Wer hat Anspruch auf die Abwrackprämie?

Die Umweltprämie kann seit dieser Woche jeder Bürger erhalten, der sein mindestens neun Jahre altes Auto verschrotten lässt und zugleich einen Neu- oder Jahreswagen ab Schadstoffklasse 4 kauft und zulässt. Der bisherige Wagen muss mindestens ein Jahr lang auf den Halter zugelassen gewesen sein. Maßgeblich für das Fahrzeugalter ist das Datum der Erstzulassung: Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums muss sie vor dem 14. Januar 2000 erfolgt sein.

Wann ist ein Auto neu, wann ein Jahreswagen?

Als Neufahrzeug gelten Autos, die zum ersten Mal und in Deutschland zugelassen werden und die Euro-4-Abgasnorm erfüllen. Als Jahreswagen definiert die Bundesregierung Pkw, die maximal ein Jahr auf einen in Deutschland niedergelassenen Kfz-Händler oder -Hersteller zugelassen waren.

Wer zahlt die 2500 Euro an den Käufer aus?

Zuständig ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn, das an das Bundeswirtschaftsministerium angegliedert ist. Der Zuschuss-berechtigte Autokäufer stellt den Antrag dort entweder persönlich. Oder er überlässt die Arbeit seinem Händler und bezieht später von dem das Geld - falls der dazu bereit ist.

Am Freitag boten Hersteller wie Renault und Dacia an, alle Behördengänge zu erledigen und die Prämie beim Verkauf zu verrechnen. Alternativ offerieren sie, die Monatsrate entsprechend zu reduzieren oder die 2500 Euro bar auszuzahlen. Wer keine Lust auf Papierkram hat, sollte also auf jeden Fall b"eim Verkäufer nachhaken.

Welche Unterlagen müssen mit dem Antrag eingereicht werden?

Die Bafa verlangt den Verwertungsnachweis eines anerkannten Demontagebetriebs gemäß der Altfahrzeugverordnung. Damit muss der Käufer belegen, dass sein altes Fahrzeug tatsächlich verschrottet wurde. Adressen zertifizierter Demontagefirmen finden sich nach Angaben des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung auf der Webseite www.altfahrzeugstelle.de.

Als zweites Dokument wird ein Nachweis von der Kfz-Zulassungsstelle über die Abmeldung des Altwagens verlangt. Entscheidend ist, dass beide Kfz - also das bisher genutzte Auto und der Neuwagen - auf dieselbe Person zugelassen sind.

Wie lange wird die Prämie ausgezahlt?

Es gilt das Prinzip, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Mit der eingeplanten Summe von 1,5 Milliarden Euro können nämlich nur maximal 600 000 Prämien bezahlt werden. Wenn das Geld verteilt ist, gibt es auch keine Abwrackprämien mehr. Wer sicher weiß, dass er prämienberechtigt ist und demnächst ein neues Fahrzeug braucht, sollte also nicht allzu lange abwarten. Endgültig Schluss ist auf jeden Fall am 31. Dezember 2009. Danach wird der Zuschuss nicht mehr ausgegeben - selbst wenn noch nicht alle Mittel abgefragt wurden.

Lohnt sich die Verschrottungsprämie in jedem Fall?

Nein. Wer ein altes Auto besitzt und auf die staatliche Abwrackprämie spekuliert, sollte vorher Alternativen prüfen. Der Nachteil ist: Der Demontagebetrieb zahlt in der Regel kein oder nur wenig Geld aus. Verkauft man sein altes Schätzchen aber noch an Bastler oder gibt es beim Neuwagenkauf in Zahlung, lassen sich mitunter deutlich mehr als die 2500 Euro kassieren - je nach Glück und Verhandlungsgeschick. Ist der Altwagen hingegen ein Fall für den Autofriedhof, kann sich die Prämie durchaus lohnen.

Im ersten Konjunkturpaket wurde unabhängig von der Prämie eine Steuervergünstigung beschlossen. Was hat es damit auf sich?

Bis zum 30. Juni 2009 gilt eine Steuerbefreiung für neu erworbene Autos. Käufer müssen ein Jahr lang keine Abgaben zahlen. Erfüllt der Wagen die Abgasnormen Euro-5 oder Euro-6, gilt die Befreiung sogar zwei Jahre lang - in jedem Fall aber nur bis Ende 2010.

fe/ap/dpa

Weitere Informationen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa)

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