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Bleiben Pannenhelfer und ADAC-Wirtschaftsunternehmen dauerhaft getrennt oder scheitern die Reformbemühungen doch noch?

Hauptversammlung am Samstag

Aufspaltung? Der ADAC vor der Zerreißprobe

Lübeck - Am Samstag entscheidet die ADAC-Hauptversammlung in Lübeck, wohin die Reise geht. Wir klären die wichtigsten Fragen rund um diese Richtungsentscheidung.

Vor zwei Jahren hatten Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ den ADAC in die Krise gestürzt. Hinzu kamen Dienstflüge mit Rettungshubschraubern und die Vermischung von Vereins- mit Wirtschaftsinteressen. Präsident Peter Meyer musste gehen, Nachfolger August Markl räumte kräftig auf. Doch nun steht sein Reformwerk dank mächtiger Gegner auf der Kippe – am Samstag entscheidet nun die ADAC-Hauptversammlung in Lübeck, wohin die Reise geht. Die tz klärt die wichtigsten Fragen rund um diese Richtungsentscheidung:

Was hat sich seit dem Skandal 2014 geändert?

Der damalige ADAC-Präsident Peter Meyer, der Schatzmeister, der Geschäftsführer, der Chefjurist und der Chefredakteur der ADAC-Zeitschrift Motorwelt nahmen ihren Hut. Markl brachte zusammen mit einem unabhängigen Beirat eine Reform auf den Weg, der die Hauptversammlung Ende 2014 einstimmig zustimmte. Danach beschränkt sich der Verein künftig auf Pannenhilfe, technische und touristische Beratung für die 19,2 Millionen Mitglieder, und den Motorsport. Zu verkehrspolitischen Fragen wie Maut oder Tempolimit meldet sich der ADAC nur noch zu Wort, wenn er zuvor die Meinung der Mitglieder erkundet hat. Die 18 Regionalvereine und der Dachverband ADAC e.V. in München haben sich Compliance-Regeln verpasst. Verbraucherschutz und Kommerz wurden getrennt, das gleichzeitige Testen und Verkaufen von Kindersitzen oder Schneeketten wurde abgestellt.

Was soll mit dem ADAC-Konzern passieren?

ADAC-Firmen verkaufen Versicherungen, Fährtickets, Autobatterien und Kreditkarten, vermieten Autos und verlegen Zeitschriften. Diese Unternehmen sind in einer GmbH zusammengefasst, die 2014 gut 1,1 Milliarden Euro Umsatz und 104 Millionen Euro Gewinn erzielt hat. Bei der GmbH haben ehrenamtliche ADAC-Funktionäre aus der Zentrale und den Regionalvereinen das Sagen. Jetzt soll die GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, mit einem weisungsunabhängigen Vorstand, der von einem unabhängigen, nicht ADAC-dominierten Aufsichtsrat kontrolliert wird. Außerdem soll der ADAC e.V. 25,1 Prozent der Aktienanteile an eine neue, gemeinnützige Stiftung abtreten, die sich um Luftrettung, Verkehrsopfer und Unfallforschung kümmert und von einem ebenfalls unabhängigen Stiftungsrat kontrolliert wird.

Wie begründet die neue ADAC-Führung die Aufspaltung?

Markl sagt, die transparente Struktur und klare Aufteilung helfe, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Und der ADAC werde rechtssicher aufgestellt: Denn das Registergericht München prüft derzeit, ob der ADAC seinen Vereinsstatus, der mit Steuervorteilen verbunden ist, noch zu Recht hat.

Was sagen die Gegner des Reformplans?

Ex-Boss Meyer ist weiterhin Präsident des größten Regionalclubs, des ADAC Nordrhein. Dieser kritisiert, mit der Aufteilung würde der Verein „jeglichen Einfluss auf die ADAC-Stiftung und die wirtschaftlichen Aktivitäten verlieren“. Weil „es Zweifel gibt, ob dieses Modell mit allen Konsequenzen durchdacht ist“, holte er zwei Gutachten ein. Ihnen zufolge sei die Reform unnötig. Mit der Aufteilung verliere der Verein „den Zugriff auf Vermögenswerte im hohen dreistelligen Millionenbereich“. Die verantwortlichen ADAC-Vorstände könnten wegen „Verschwendung von Vereinsvermögen“ belangt werden. Außerdem dürfe die Reform in Lübeck nur mit einer Drei-Viertel-Mehrheit beschlossen werden. ADAC-Ehrenpräsident Otto Flimm kritisierte, die Aufteilung entziehe den ADAC-Mitgliedern Vereinsvermögen.

Was sagen die Befürworter?

Der Beirat, dem unter anderem der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier angehörte, lobte den Reformkurs. Er sei „gewissenhaft, konsequent und nachhaltig vorangetrieben“ worden. Die „Trennung des eingetragenen Vereins von den wirtschaftlichen Aktivitäten ist nötig, um den Vereinsstatus zu bewahren.“ ADAC-Sprecher Christian Garrels merkte überdies am Rande einer ADAC-Präsidiumssitzung am Mittwoch in Lübeck an, das jetzt präsentierte zweite Meyer-Gutachten „geht von falschen Annahmen aus“ und „ist in der Sache komplett falsch“. Dem ADAC Nordrhein warf er massiv vereinsschädigendes Verhalten vor. Der ADAC e. V. behalte sich daher vereinsinterne und rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen vor.

Wohin geht die Reise?

Markl sagt, es gebe keine Alternative zu den Plänen. Die neue ADAC-Spitze besuchte die Regionalvereine und warb für die Reform. Große Regionalclubs wie Niedersachsen/Sachsen-Anhalt oder Hessen-Thüringen sprechen sich klar dafür aus. Inzwischen rechnet man nicht nur in der Zentrale mit einer klaren Zustimmung in Lübeck. Der ADAC Nordrhein erklärte, sollte dort „ein gültiger Beschluss gefasst werden, wäre dieser hinzunehmen und umzusetzen“.

Wie geht es bei einem positiven Votum weiter?

Wenn die Hauptversammlung mit ihren rund 200 Delegierten aus den 18 Regionalclubs als oberstes Organ des Clubs zustimmt, wechseln in Kürze rund 1000 Mitarbeiter vom Verein zur Aktiengesellschaft oder umgekehrt. Spätestens zum Jahresende soll der Umbau abgeschlossen sein.

MPB

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