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Peter Meyer gibt das Steuer beim ADAC ab: Seit 2001 war der Nordrhein-Westfale Präsident des Automobilclubs und damit einer der wichtigsten Autolobbyisten des Landes.

Prüfbericht offenbart schwere Fehler

ADAC: Der Beweis für Fälschung und Schlamperei

München - Jetzt ist es offiziell: Der ADAC hat beim Gelben Engel auch an der Rangfolge der Autos manipuliert. Aber der Untersuchungsbericht deckte nicht nur bewusste Manipulationen auf, sondern auch – weit schwerer wiegende – Rechenfehler.

München – Die Mitarbeiter der ADAC-Zentrale in der Münchner Hansastraße waren noch zu Stillschweigen verdonnert, da machte die Nachricht die Runde: ADAC-Präsident Peter Meyer ist zurückgetreten. Um 13 Uhr bestätigte der ADAC-Nordrhein in Köln: Meyer möchte nicht länger allein „für Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften verantwortlich gemacht werden“.

Fast eineinhalb Stunden später kam auch die Bestätigung aus der Hansastraße – mit einem anderen Tenor: Demnach hatte das Präsidium des ADAC vor dem Rücktritt ein Suspendierungsverfahren gegen Meyer beschlossen. Der Chef selbst war nicht dabei. Der Club betonte im auffälligem Widerspruch zu Meyers Erklärung, dass dieser „schon aufgrund der Satzung im besonderen Maße für Kommunikation und Außenwirkung verantwortlich“ war.

Eigentlich wollte der ADAC gestern seinen Skandal rund um den Gelben Engel aufarbeiten. Experten des Prüfungsunternehmens Deloitte hatten dazu dem Präsidium ihren Bericht über Manipulationen zur Wahl des Lieblingsautos der Deutschen vorgestellt. Die Öffentlichkeit musste aber warten, weil zunächst die Bosse übereinander herfielen.

Dabei hatten die Untersuchungen ein höchst brisantes Ergebnis: Bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen wurde nicht nur die Zahl der Stimmen geschönt. Auch die Rangfolge wurde 2014 manipuliert. Damit dürfte der ADAC in den nächsten Tagen die meisten dieser Auszeichnungen zurückgeschickt bekommen. Das hatten für den nun eingetretenen Fall alle deutschen Autokonzerne angekündigt. Daimler schritt bereits gestern zur Tat.

Bereits im Vorfeld war berichtet worden, dass der 5er BMW, der im Votum der ADAC-Mitglieder auf Platz sieben stand, vom ehemaligen ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter auf Platz fünf geliftet wurde. Das war aber nur die halbe Wahrheit: Der Mann, der die Ergebnisse fälschte, und auch der Informant, der die Daten der „Süddeutschen Zeitung“ zuspielte, hatten selbst falsche Zahlen auf dem Tisch. Durch einen Computerfehler wurde der 3er BMW, dem nach echten Stimmen Platz zwei zugestanden hätte, auf Platz 69 eingestuft. BMW wurde also durch Fehler viel stärker beschädigt, als später durch die Manipulationen begünstigt. Es war eine Mischung aus Schlamperei und Trickserei – oder wie Frank Marzluf von Deloitte sagte: „Unsere Untersuchungen haben Prozessschwächen, Fehler in der Datenverarbeitung sowie Manipulationen bei der Wahl zum Lieblingsauto 2014 offenbart.“

Deloitte hat auch Anhaltspunkte dafür gefunden, dass die Unregelmäßigkeiten sich nicht nur auf 2014 beschränkten. Entsprechende Untersuchungen werden aber erst nächste Woche abgeschlossen sein. Der ADAC kündigte gestern rechtliche Schritte gegen Ramstetter an. „Wir sind fassungslos, dass dies in unserem Haus passieren konnte“, sagt Ramstetters früherer Chef Karl Obermair, Vorsitzender der ADAC Geschäftsführung. Zunächst ging es aber um die Deutungshoheit im Machtkampf.

Meyer kritisierte indirekt fehlende Reformbereitschaft seiner Präsidiumskollegen: „Wenn die Gremien in Krisen eine Gefolgschaft nicht leisten, kann es keine strukturellen und unternehmenskulturellen Veränderungen im ADAC geben.“

Doch Meyers Kollegen, die sich gestern gegen ihn stellten, sehen sich als die eigentlichen ADAC-Reformer. „In den vergangenen Wochen ist jedem in der Führungsspitze des ADAC bewusst geworden, dass die Struktur des ADAC den mit der Organisationsgröße verbundenen Anforderungen nicht mehr gerecht wird“, sagte August Markl. Chef des ADAC-Südbayern und bisheriger Stellvertreter Meyers, der dessen Amt nun kommissarisch übernommen hat. „Deshalb haben wir jetzt einen tiefgreifenden Reformprozess eingeleitet, der auch vor vermeintlichen Tabus nicht zurückschreckt und den ADAC für die Zukunft neu aufstellt.“

Martin Prem

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