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Augen-Alarm! 300.000 Unfälle durch schlechtes Sehen

München - Ja, Sie sehen richtig. 300.000 Unfälle gehen in Deutschland jährlich auf das Konto von Verkehrsteilnehmer, die Ihren Augen nicht mehr trauen können. Wir haben den Test für Sie.

Sehschwäche als Sicherheitsrisiko: In Deutschland gehen jährlich etwa 300 000 Unfälle auf das Konto von Verkehrsteilnehmern, die ihren Augen nicht mehr trauen können – darunter neben Autofahrern auch viele Radler und Fußgänger. Häufigste Ursache ist der Graue Star, eine in der Regel altersbedingte Eintrübung der Linse. Das geht aus einer Schock-Studie hervor, die Ende dieser Woche in Nürnberg präsentiert wird. Dort treffen sich von Donnerstag bis Samstag rund 5000 Augenärzte zum 26. internationalen Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgen (DOC).

In der Studie steckt politischer Sprengstoff: Müssen ­Senioren bald regelmäßig zum Augenarzt, wenn sie ihren Führerschein behalten wollen? In der tz eröffnet DOC-Präsident Dr. Armin Scharrer aus Fürth schon mal die – vermutlich kontroverse – Diskussion: „Der Gesetzgeber wäre gut beraten, über verbindlich vorgeschriebene Sehtests für alle Verkehrsteilnehmer ab einem gewissen Alter nachzudenken.“

Nach Expertenschätzungen haben 40 Prozent aller Menschen über 65 Jahre einen Grauen Star; das sind etwa sieben Millionen Patienten. Aber es trifft auch Jüngere: „In der Altersstufe zwischen 40 und 60 sind über eine Million Menschen betroffen“, weiß Dr. Scharrer. Unterm Strich haben neun Millionen Bundesbürger einen Katarakt, wie die Linseneintrübung auf Medizinerdeutsch heißt.

Aber was kann man dagegen tun? „Eine rechtzeitige Operation ist die einzige Möglichkeit, den Grauen Star zu behandeln und die frühere Sehschärfe wieder herzustellen“, erklärt Dr. Scharrer. Die Katarakt-OP ist der mit Abstand am häufigsten durchgeführte chirurgische Eingriff in der gesamten Medizin. Allein in Deutschland entfernten und ersetzten Augenchirurgen 2012 etwa 750 000 eingetrübte Linsen.

„Einen Grauen Star sollte man immer dann operieren, wenn die Sehschärfe durch die Linseneintrübung auf Werte unter 50 Prozent gesunken ist“, rät Dr.Scharrer. Das Problem dabei: Viele Patienten bemerken den Katarakt erst relativ spät, weil ihre Sehkraft eher schleichend nachlässt. Wer sichergehen will, dass er seinen Augen noch hundertprozentig trauen kann, der sollte regelmäßig einen Sehtest beim Augenarzt machen. „Diese Untersuchung wird von den Krankenkassen bezahlt“, erläutert Dr. Scharrer.

Dabei können die Fachärzte übrigens auch andere Augenleiden rechtzeitig erkennen. So haben in Deutschland beispielsweise zwei bis vier Millionen Patienten mit beginnender Altersblindheit durch Netzhautschäden (Makuladegeneration) zu kämpfen.

Andreas Beez

Was ist ein Grauer Star?

Die Trübung der körpereigenen Linse wird als Grauer Star (Katarakt) bezeichnet. Die Linse sitzt hinter der Pupille und sorgt dafür, dass einfallende Lichtstrahlen so gebündelt werden, dass sie als scharfes Bild auf der Netzhaut wahrzunehmen sind.

Durch welche Symptome macht sich ein Grauer Star bemerkbar?

Die Betroffenen sehen immer mehr wie durch einen Schleier und haben das Gefühl, ständig die Brille putzen zu müssen. Alles erscheint grau. Zusätzlich nimmt das Kontrastsehen ab. Die Konturen verschwimmen. Der Mond erscheint wie im Nebel. Das Sehen im Dunklen fällt schwerer. Dazu kommt eine erhöhte Blendempfindlichkeit, die sich vor allem abends und nachts bemerkbar macht. Besonders entgegenkommende Autoscheinwerfer können stark blenden.

Warum wird die Linse trüb?

Die Eintrübung ist in 90 Prozent der Fälle altersbedingt. Manchmal kann sie aber auch andere Ursachen haben, etwa Schläge auf das Auge (Airbag, Tennis- oder Squashbälle, Äste), Medikamente (Steroide) oder starke UV-Strahlung. Auch andere Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes oder Morbus Wilson (Leberkrankheit mit gestörtem Kupferstoffwechsel) können den Grauen Star fördern.

Bekommt jeder Mensch einen Grauen Star?

Ja, die Linse altert bei jedem Menschen. Die Frage ist nur, wann sie trüb wird. Beim einen beginnt das schon mit 45, beim anderen vielleicht erst mit 100. Das heißt, manche erleben den Grauen Star gar nicht mehr. Streng genommen ist der Graue Star keine Krankheit, sondern ein normaler Alterungsprozess.

Tut ein Grauer Star weh?

Nein. Er verursacht keine Schmerzen. Die Trübung der Linse nimmt aber in der überwiegenden Zahl der Fälle im Laufe der Zeit langsam zu.

Wie viele Menschen leiden an einem Grauen Star?

Etwa 40 Prozent aller Menschen über 65 Jahre in Deutschland (neun Millionen Patienten). Es erkranken aber auch: ca. 320 000 Deutsche zwischen 40 und 50 Jahren, ca. 300 000 Deutsche zwischen 50 und 55 Jahren, ca. 470 000 Deutsche zwischen 55 und 60 Jahren und ca. 650 000 Deutsche zwischen 60 und 65 Jahren.

Sind Frauen und Männer gleich oft betroffen?

Nein. Es erkranken mehr Frauen als Männer am Grauen Star. Der Anteil der Frauen unter allen ­operierten Patienten liegt je nach Studie zwischen 53 und 66 Prozent. Frauen erkranken übrigens generell häufiger am Grauen Star, es liegt also nicht nur daran, dass Frauen im Durchschnitt älter werden als Männer.

Wie hoch ist das durchschnittliche Alter bei einer Kataraktoperation?

Das Durchschnittsalter bei der Kataraktoperation liegt je nach Studie zwischen 67,2 und 75,4 Jahren. Jeder vierte der operierten Patienten lebte zum Zeitpunkt des Eingriffs alleine.

Quelle: Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgen

So läuft die Linsen-OP

Ein erfahrener Augenchirurg braucht für die OP etwa 20 Minuten. Dabei benutzt er ein spezielles Ultraschallgerät. Es schaut aus wie ein Kugelschreiber. Damit wird die Linsenmasse gelöst und abgesaugt. „Die Hülle und der Aufhängeapparat bleiben erhalten“, erklärt Dr. Scharrer. Anschließend setzt der Operateur eine künstliche Linse ein. Für den Eingriff wird das Auge örtlich betäubt. Am Tag nach der OP kann der Patient in der Regel schon wieder ganz gut sehen, nach etwa vier Wochen ist die Wunde ausgeheilt.

Der 10-Punkte-Test für Autofahrer

Etwa jeder dritte Autofahrer sieht nicht ausreichend. Der Grund dafür ist selten Nachlässigkeit oder böser Wille. Denn das Sehen lässt mit zunehmendem Alter langsam und deshalb oft unbemerkt nach. Doch nur wer gut sieht, kann Verkehrssituationen richtig wahrnehmen und angemessen darauf reagieren. Deshalb sollten Autofahrer ihre Augen genauso oft checken lassen wie den technischen Zustand ihres Fahrzeugs – und sich nicht blindlings auf den Sehtest von vor vier Jahren verlassen.

Höchste Zeit für den Augen-TÜV wird es, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:

- Sie können das Nummernschild eines vorausfahrenden Autos erst aus ca. 30 Metern Entfernung entziffern.

- Sie können die Schrift auf Abfahrtsschildern der Autobahn erst aus einer Entfernung von ca. 50 Metern lesen (das entspricht zwei Begrenzungspfosten).

- Sie haben bei längeren Fahrten Kopfschmerzen, rote, trockene oder tränende Augen.

- Sie werden an Kreuzungen nervös, weil vieles in verschiedenen Richtungen passiert.

- Sie haben Schwierigkeiten beim Überholen auf Landstraßen.

- Sie haben Schwierigkeiten, Abstände richtig einzuschätzen.

- Sie haben das Gefühl, dass andere Fahrzeuge immer mal wieder scheinbar „aus dem Nichts“ auftauchen.

- Sie haben manchmal das Gefühl, andere Verkehrsteilnehmer zu behindern.

- Sie fühlen sich bei Dämmerungs- oder Nachtfahrten unsicher.

- Sie fühlen sich nachts stärker geblendet als früher?

Auswertung:

Wenn Sie auch nur eine der Fragen mit „Ja“ beantworten, sollten Sie Ihre Sehleistung unbedingt vom Augenarzt überprüfen lassen. Dabei sollte der Arzt neben dem Sehschärfetest gegebenenfalls auch das Gesichtsfeld, das Dämmerungssehen und die Blendempfindlichkeit prüfen sowie an Tests zum Farbensehen, räumlichem Sehen und Kontrastsehen denken. Am besten gehen Sie jedoch automatisch alle zwei Jahre zum Sehtest.

Quelle: Kuratorium Gutes Sehen

Rubriklistenbild: © Jens Schierenbeck/dpa/gms

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