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Volkswagen-Chef Matthias Müller.

Autosalon in Genf

VW-Chef Müller: Das Auto der Zukunft verändert die Stadt

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Kann Volkswagen die Belastung durch den Abgas-Skandal hinter sich lassen? Konzernchef Matthias Müller will das im laufenden Jahr schaffen und richtet seinen Blick beim Genfer Autosalon bereits in die fernere Zukunft.

Genf – Der Volkswagen-Abend war bisher immer ein prunkvolles Ereignis: Da zeigte Ex-Konzernchef Martin Winterkorn am Vorabend des Genfer Salons gern, wer seiner Meinung nach eigentlich längst die Nummer eins der Autowelt ist. Nachfolger Matthias Müller macht es mehrere Nummern kleiner. „Get closer“ (rückt zusammen) stand bereits auf der Einladung. Statt bis zu 1500 Gäste waren diesmal nur 500 dabei. Abgesehen von einigen nicht wirklich spektakulären Neuvorstellungen aller Pkw-Marken des Konzerns (am interessantesten: der Phideon, eine Luxuslimousine aus und wohl nur für China), ging es diesmal weniger um die Show, sondern um eine gar nicht mehr so ferne Zukunft.

So durfte Johann Jungwirth, Leiter des Konzernbereichs Digitalisierung, von Fahrten schwärmen, bei denen sich die Insassen abends zu Hause in der Lounge ihres Autos zum Schlafen legen und am nächsten Morgen erholt in Italien aufwachen, weil der Autopilot des Fahrzeugs sie sicher ans Ziel gebracht hat. Oder er erzählte von einem Kinosaal im Auto, wo er sich gemeinsam mit seinen drei Kindern Filme in bester Qualität ansehen kann, weil er zum Fahren ja nicht mehr gebraucht wird.

Die Automatik, die selbst fährt, werde zum Herzen des Automobils, prognostizierte Jungwirth. In drei „Volkswagen Group Future Centers“, in Potsdam, im Silicon Valley und in China wird jetzt an der Zukunft des Autos gearbeitet. In nur fünf Jahren sollen neue Info- und Entertainment-Elemente, neue Innenraumkonzepte und eine neue Bedienlogik eine Revolution des bisher bekannten Autofahrens einleiten. „Hardware beherrschen wir perfekt“, so Jungwirth. Nun soll sich seiner Meinung nach Volkswagen zum Software- und Servicekonzern entwickeln.

„Wir wollen den Wandel, wir treiben ihn voran“, sagte Müller, der sich auch deutlicher als bisher zur Elektromobilität bekannte. Von Verbrennungsmotoren war nur noch als Übergangslösung die Rede. „Rein elektrische Reichweiten von mehr als 500 Kilometern sind bis Ende des Jahrzehnts machbar“, prognostizierte der Konzernchef. Das Nachladen dauere dann nicht mehr länger als eine Kaffeepause. Langfristig werde ein Elektroauto sogar billiger als ein Verbrenner, erwartet er. Doch dafür, dass es soweit kommt, sieht er andere in der Pflicht und forderte eine gemeinsame Kraftanstrengung von Wirtschaft und Politik zum Aufbau einer Ladeinfrastruktur.

Stratege Jungwirth erwartet vom Auto der Zukunft auch eine Veränderung der Städte. Straßenränder werden nicht mehr zugeparkt sein, weil das Auto, wenn es seine Passagiere als Ziel gebracht hat, leer an den Stadtrand zurückfährt, und dort parkt und sich wieder auflädt, um die Insassen auf Befehl wieder abzuholen.

Doch so ganz kann der Futurimus die deutlich tristere Gegenwart mit Abgas-Skandal und möglichen mehrstelligen Milliardenlasten vor allem in den USA auch in Genf nicht verdrängen. „2016 ist das Jahr, in dem wir das Problem mit unseren Dieselmotoren lösen wollen“, sagte Müller. „Wir werden die richtigen Konsequenzen ziehen“. Details blieb er aber schuldig. Er versprach „einen substanziellen Bericht“ in „absehbarer Zeit“. Der Konzern werde „gestärkt aus dieser schwierigen Phase hervorgehen“.

Das erwartet auch VW-Markenchef Herbert Diess, der im letzten Sommer von BMW zu VW gewechselt ist und nun unerwartet zum Mann für die wichtigsten Aufräumarbeiten wurde. „Nicht jeder Tag ist schön“, räumte der Manager, der dafür bekannt ist, Schwierigkeiten nicht auszuweichen, gegenüber unserer Zeitung ein. Aber er erwarte, dass in zehn Jahren die gegenwärtige Krise rückblickend als eine Phase gewertet wird, in der Volkswagen die notwendigen Strukturveränderungen angehen konnte, um sich für die Zukunft besser aufzustellen.

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