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Preisaufschlag für Senioren: Auch wer sein Leben lang unfallfrei gefahren ist, muss im Alter für die Kfz-Versicherung happige Zuschläge zahlen. Etwa ab dem 60. Lebensjahr werden Autofahrer als Risikokunden eingestuft

So können Sie sparen

Autoversicherung: Ältere Menschen zahlen deutlich mehr

München - Ältere Fahrer gelten als Risikokunden – auch wenn sie ihr ganzes Autofahrerleben lang unfallfrei gefahren sind. Stiftung Warentest zeigt wie Senioren sparen können.

Wer über 75 Jahre alt ist, zahlt fast die Hälfte mehr als einer, der 20 Jahre jünger ist. Die Stiftung Warentest hat Kfz-Tarife verglichen und erklärt, wie ältere Fahrer sparen können.

Als Horst Brauner die Jahresabrechnung seiner Autoversicherung bekommt, ist der Ärger groß: 496 Euro soll er bezahlen, deutlich mehr als im Vorjahr. Ein Preisvergleich lässt seinen Ärger noch größer werden. Brauner ist Rentner, 78 Jahre alt. Aufgrund seines Alters verlangen die Autoversicherer Aufschläge. Würde er zum Beispiel zum Versicherer DEVK wechseln, würde sein Wunschtarif 465 Euro kosten. Wäre er 20 Jahre jünger, müsste er lediglich 321 Euro bezahlen – für die gleiche Leistung. Es ergibt sich also ein Altersaufschlag von 144 Euro pro Jahr.

Wie die Zeitschrift „Finanztest“ in ihrer Februar-Ausgabe berichtet, nehmen fast alle Versicherer ähnliche Preisaufschläge von älteren Autofahrern. Die Tester geben aber Tipps, wie Ältere dennoch an günstigere Policen kommen – zum Beispiel indem sie das Fahrzeug auf den jüngeren Partner versichern oder ihren Tarif wechseln (siehe Kasten).

Versicherer lehnen Ältere ab

Die Untersuchung der Stiftung Warentest ergab, dass einige Versicherer ältere Kunden in manchen Tarifen gar nicht erst annehmen. Beispielsweise akzeptiert der ADAC in seinem Tarif „Eco“ nur Kunden bis 69 Jahre. Der Versicherer Prokundo will in den Tarifen Basis, Komfort und Komfort-Plus nur Kunden bis 69 Jahre. Dass mancher Senior auch im hohen Alter noch als sicherer Fahrer gelten kann, spielt keine Rolle. Er rutscht automatisch in die Gruppe der Risikokunden, auch wenn er bisher unfallfrei geblieben ist.

Die Untersuchung von Finanztest zeigt, dass die Aufschläge etwa mit dem 60. Lebensjahr beginnen. Ab 65 Jahren kosten die untersuchten Tarife für den Modellfall im Durchschnitt gut acht Prozent mehr als bei 55-Jährigen. Ab 70 Jahren sind es 21 Prozent, ab 75 Jahren 48 Prozent, ab 80 Jahren steigen die Preise sogar im Schnitt um 76 Prozent.

Viele Betroffene fühlen sich diskriminiert und sehen hier einen Gesetzesverstoß. Schließlich verbietet das Antidiskriminierungsgesetz ausdrücklich Benachteiligungen aufgrund des Alters. Doch in Paragraf 20 macht es eine Ausnahme: „Eine Verletzung ist nicht gegeben, wenn für eine unterschiedliche Behandlung wegen des Alters ein sachlicher Grund vorliegt.“

Darauf berufen sich Versicherer. Ihre Statistiken zeigen, dass ältere Fahrer mehr Schäden bauen als Fahrer mittleren Alters. Das steht allerdings im Gegensatz zu den Zahlen des Statistischen Bundesamts. Danach sind Fahrer ab 65 Jahren seltener in schwere Unfälle verwickelt als jüngere Altersgruppen. Während ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung bei 21 Prozent liegt, betrug ihr Anteil bei Unfällen mit Personenschaden im Jahr 2014 nur knapp 13 Prozent.

Weniger Verletzte, mehr Blechschäden

Auch bei Unfällen mit Schwerverletzten steht die Altersgruppe über 65 Jahre besser da als jüngere Altersgruppen. Erst ab 75 Jahren gibt es eine deutliche Zunahme. Aber selbst dann liegen sie noch unter denen für Fahrer bis 25 Jahren.

Warum dann aber schon ab etwa 65 Jahren Alterszuschläge? Die Statistiken der Versicherer umfassen auch Blechschäden, die nicht der Polizei gemeldet werden. Und da gibt es ab 65 Jahren eine deutliche Zunahme. Ältere Fahrer verursachen viel häufiger kleine Schäden wie Parkrempler. Hinzu kommt, dass Senioren häufig teure Autos mit hohen Reparaturkosten haben. Eine Rolle könne auch spielen, dass sie selten ihre Versicherer wechseln. „Das könnte einige Anbieter dazu verleiten, in der Jahresrechnung mutiger zuzulangen als bei preisbewussten jungen Kunden“, heißt es bei „Finanztest“.

Dass Ältere weniger Kilometer pro Jahr fahren als jüngere Altersgruppen, berücksichtigen die Versicherer in ihrer Tarifkalkulation. Autobesitzer zwischen 30 und 60 Jahren sitzen im Schnitt knapp 17 000 Kilometer pro Jahr am Steuer. Zwischen 65 und 74 Jahren sind es rund 11 000 Kilometer, ab 75 Jahren nur noch rund 8500 Jahreskilometer.

Häufigste Ursache bei Unfällen älterer Menschen sind Vorfahrtsfehler mit 23 Prozent und falsches Abbiegen mit 22 Prozent – beides Situationen, in denen es darauf ankommt, sich auf mehrere mögliche Gefahrenquellen gleichzeitig zu konzentrieren. Tests zeigen, dass ältere Menschen komplexe Situationen nicht mehr so schnell überschauen wie jüngere.

Umstrittener Gesundheitstest

Ob verpflichtende Gesundheitstests mehr Verkehrssicherheit bringen, ist strittig. Schließlich sind gesundheitliche Beeinträchtigungen individuell. Mancher erlebt schon mit 50 Jahren Einschränkungen, andere können noch mit 80 Jahren problemlos am Steuer mithalten. Das Alter allein kann deshalb nicht die Entscheidungsgrundlage sein. Statistisch begründen ließen sich solche Maßnahmen allenfalls ab 75 Jahren.

Bisher konnten wissenschaftliche Studien jedenfalls nicht belegen, dass regelmäßige Gesundheitschecks viel bringen, so der Automobilclub ADAC. Derartige Regelungen gibt es in einigen EU-Staaten wie Spanien, Italien oder Niederlande. Dort müssen Senioren teils ab 50 Jahren alle fünf Jahre zum Arzt oder ab 70 Jahren alle zwei Jahre. In Dänemark ging die Zahl der Unfälle von Senioren nach Einführung verpflichtender Tests nicht zurück – wohl aber stieg die Zahl der bei Fahrradunfällen getöteten Rentner, weil viele aufs Rad umstiegen.

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