Autoversicherung: Anbieterwechsel kann sich lohnen

München - Die Autoversicherung wird 2012 für einen Großteil der über 60 Millionen Kraftfahrzeughalter spürbar teurer. Bis zum Monatsende bleibt den meisten Versicherten noch Zeit, eine billigere und leistungsstarke Autoversicherung zu suchen – und hunderte Euro zu sparen.

Nach sieben Jahren ruinöser Preisschlacht erhöhen die Versicherer nahezu durch die Bank die Prämien, wie Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV) erklärt. Vor allem auf Altkunden warten zum Teil empfindliche Preissprünge. Da lohnt sich der Anbieterwechsel erst recht. Neukundentarife, die Wechselwillige anlocken sollen, würden im Schnitt nur um moderate 1,4 Prozent angehoben, so der Marktüberblick des Online-Vergleichsportals Transparo, an dem die HUK-Coburg beteiligt ist. Für Altkunden ist in der Branche dagegen die Rede von Anhebungen um happige 15, teilweise um bis zu 30 Prozent. Die meisten Kunden kriegen es in den nächsten Tagen vom Versicherer schwarz auf weiß, um wie viel sich ihre Kfz-Police verteuert. Manche haben aber erst Anfang Dezember Post im Briefkasten.

Die späte Mitteilung sei gang und gäbe, um sie von einem Wechsel abzuhalten, so die Erfahrungen von Bianca Boss. Davon muss sich aber niemand verunsichern lassen: Auch nach dem Stichtag 30. November können Versicherte noch kündigen, wenn der Anbieter an der Preisschraube gedreht hat. Sie haben dann ein Sonderkündigungsrecht und ab Erhalt des Schreibens noch vier Wochen länger Zeit zum Umstieg, wie Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erklärt.

Vorsicht vor Zahlenkosmetik

Die Tarife ziehen je nach Versicherung ganz unterschiedlich stark an. Teurer kann es nach Beobachtungen von Stiftung Warentest vor allem für „schlechte Risiken“ werden, wie es im Versicherungsdeutsch heißt. Also etwa für Vielfahrer oder Familien, in denen junge Leute den Wagen der Eltern mitbenutzen. Oder auch für Bestandskundschaft, die seit Jahren ihrer Gesellschaft treu ist. „Das sind die Gelackmeierten“, betont Boss.

Vergleichen rentiere sich für alle Versicherten, ermuntert Beate Bextermöller von Stiftung Warentest zum Umschauen. Eine Police, die bislang günstig war, kann 2012 deutlich teurer sein. Auch eine schlechtere Einstufung bei der Kfz-Typklasse wirkt sich stark auf die Beitragshöhe von Haftpflicht, Vollkasko oder Teilkasko aus (www.typklasse.de). Wer von der teuersten Jahresprämie auf die günstigste ausweicht, kann im Schnitt 475 Euro sparen. Beim Umstieg von einer Durchschnittspolice in die billigste Variante sind beispielsweise für Vollkasko-Versicherte diesen Herbst über 200 Euro Ersparnis drin.

Allerdings solle sich niemand von den neuen Rabattstaffeln blenden lassen, empfiehlt Wortberg. Einige Assekuranzen wie Allianz, HDI, Admiral Direkt oder auch HUK-Coburg locken erstmals mit neuen Schadensfreiheitsklassen (SF). Statt 200 oder gar 245 Prozent sollen junge Fahranfänger künftig nur noch 100 oder 94 Prozent der Prämie bezahlen müssen. Und für alte Hasen am Steuer mit mindestens 25 unfallfreien Jahren ist nicht mehr bei einem Beitragssatz von 30 Prozent Schluss, sondern oft erst bei 20 Prozent. Doch halbierte Sätze machen noch keine billigere Prämie.

20 Prozent im neuen System können in Euro mehr sein als 30 Prozent nach der alten Staffel. Weiterer Pferdefuß: Mit den neuen Rabattstaffeln sind kostenfreie Rabattretter klammheimlich abgeschafft. Wer den Freischuss-Joker in der Tasche hat, solle sich gut überlegen, wofür er ihn aufgebe, rät Boss. Sonst drohe nach einem Schaden die knallharte Rückstufung und damit ein Draufzahlgeschäft.

Wichtige Klauseln im Kleingedruckten

Wichtiger als der günstigste Preis sind gute Vertragsbedingungen. Stimmt das Gesamtpaket nicht, wird es nach einem Unfall richtig teuer. Beispiel grobe Fahrlässigkeit: Sind Zusammenstöße aus Unachtsamkeit am Steuer nicht abgedeckt, wird in der Kaskoversicherung schnell der Schadenersatz gekürzt. Auch Unfälle mit anderen Tieren als Reh und Hirsch sollten am besten versichert sein.

Nützlich kann auch ein Schutz gegen Parkbeulen oder Marderbisse sein. Oder eine großzügige Neuwertentschädigung für Neuwagenbesitzer. Lohnen dürfte sich auch ein Gebrauchtwagenkaskoschutz. Wer ihn hat, bekommt beim Totalschaden bis zu einem Jahr nach Kauf den vollen Kaufpreis erstattet. Das ist attraktiv für Autofahrer, denen eine Vollkasko für ihren Gebrauchten zu teuer ist, die billigere Teilkasko aber zu wenig Schutz bietet. Weiterer wichtiger Bestandteil des Kleingedruckten: Die Deckungssumme bei der Haftpflichtversicherung sollte 100 Millionen Euro betragen, empfiehlt der Bund der Versicherten.

Kündigungstermin 30. November

Wer einen besseren Anbieter gefunden hat, kann bis zum Monatsende kündigen – vorausgesetzt, der Alt-Vertrag läuft zum Jahresende aus. Spätestens am 30. November muss das Schreiben beim Anbieter auf dem Tisch liegen. Wer sichergehen will, sollte seine Kündigung bis zum 26. November nachweisbar als Einschreiben losschicken, rät Heyer. Auch ein Fax auf den letzten Drücker, also noch am 30. November, ist möglich – wichtig ist dann aber ein Sendenachweis.

Wer eine Kfz-Versicherung hat, die nicht aufs Kalenderjahr abgeschlossen ist, ist für einen Wechsel an besondere Fristen gebunden. Dann entspricht das Versicherungsjahr einem Zeitjahr von zwölf Monaten.

Das heißt: Hat die Autoversicherung zum 1. Juli begonnen, kann sie nicht in der Wechselsaison zum 30. November, sondern erst zum 30. Juni des kommenden Jahres gekündigt werden. Aber auch für diese Kunden gilt ein außerordentliches Kündigungsrecht. Flattert eine Prämienerhöhung ins Haus, dürfen sie innerhalb eines Monats aussteigen.

Bei der Suche nach einer besseren Police helfen kostenlose Online-Vergleichsportale wie check24.de, geld.de oder biallo.de. Sie haben allerdings nicht alle der gut 110 Anbieter im Angebot. Einen kostenfreien Vergleich bieten auch der BdV unter www.bundderversicherten.de/kfzversicherungsvergleich, die Verbraucherzentralen und Stiftung Warentest gegen Gebühr unter www.test.de.

Von Berrit Gräber

Rubriklistenbild: © Jens Schierenbeck/dpa/tmn (Symbolbild)

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