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Von allem nur das Beste: Im Armaturenbrett zeigt eine Breitling-Uhr, was die Stunde geschlagen hat

Bentley: Ein Herrensalon mit 12 Zylindern

Noblesse oblige. Adel verpflichtet. Feinstes Leder, edelstes Wurzelholz, Breitling-Uhr im Armaturenbrett. Die Farben: Silber, Dunkelbraun, Crema!

Ein mobiler Herrensalon mit 12-Zylinder-Antrieb – das ist der Bentley Continental GT, das Sportcoupé der englischen VW-Tochter. Eine Probefahrt, die verführt und eine, nach der wir feststellen müssen: Leider haben wir im Stammbaum noch keine reiche Erbtante gefunden, aber wir schauen sofort noch mal genauer nach.

Was verführt mehr beim Bentley? Die dezente Dekadenz mit einem Interieur zum Verlieben? Oder doch die bullige Kraft des W-12-Motors unter der Haube? Denn mittlerweile haben die Ingenieure sogar einen guten Sound hingekriegt, was früher von vielen Liebhabern der Marke vermisst wurde. Guten Geschmack kann man jetzt also sogar hören.

Vornehmes Ambiente: Der Fahrer nimmt im Cockpit zwischen Wurzelholz und edelstem Leder Platz

Das W12-Monster leistet 575 PS (700 NM bei erstaunlichen 1700 U/min) und bringt den schweren Straßenkreuzer in immerhin 4,6 Sekunden von 0 auf 100. Aber gilt hier nicht: PS braucht man nicht, PS hat man! So wie Zylinder. Wolfgang Dürheimer, der neue Chef bei Bentley, sagt zwar: „Bentley und Zwölfzylindermotoren sind eine starke Kombination für die Zukunft.“ Aber auch im Luxussegment greift das Thema Downsizing. Bei der großen Konzernschwester Audi ist ein neues 8-Zylinder-Aggregat entwickelt worden, das künftig das britische Luxusschiff antreiben soll, und jetzt eben bei der Detroit Motor Show vorgestellt wurde. Merke: Verwandtschaft macht auch vor dem Topsegment nicht halt.

Leider ohne Erbtante im Stammbaum: Bentley-Tester und Redakteur Rudolf Bögel

„Die bei Rolls Royce bauen Möbel, wir bauen Autos.“ So selbstbewusst beschreiben die Bentleys im britischen Crewe ihr Verhältnis zur einstigen Schwestermarke, die – nachdem Bentley zum VW-Konzern kam und Rolls Royce zu BMW wechselte – aus dem ehedem gemeinsamen Werk ausgezogen ist. Seitdem ist das einstige Mauerblümchen ziemlich erblüht und hat je nach Standpunkt des Betrachters entweder Anschluss zur Weltspitze der Luxuskarossen gefunden oder sich mit manchen Modellen (zum Beispiel mit der bildschönen offenen Variante des GT) sogar schon an ebendiese Spitze gesetzt.

Bentley Continental GTC

Der neue Bentley Continental GTC

Rollender Wellness-Traum: Im Bentley-Cabrio genießt man Fahrkomfort voll britischer Noblesse

Wie fühlt es sich nun an, mit einem Auto zu fahren, das den „bescheidenen“ Betrag von mindestens 184.000 Euro kostet. Andere kaufen sich eine Eigentumswohnung davon. Wir fahren damit herum. Nein, wir fahren nicht, wir lassen uns eigentlich nur treiben. Floating nennt man das im Wellness-Hotel. Der Bentley GT ist ein nicht enden wollender Luxus-Wellness-Urlaub, aber nicht einer von der protzigen Art, sondern von dezenter britischer Vornehmheit. Klar macht es Spaß, die 575 Pferde auf einen Ausritt mitzunehmen, und natürlich hat der Edel-Bolide auch ein recht ansprechendes Fahrwerk und Kurvenverhalten – aber seine eigentliche Kraft liegt in der Ruhe.

Und die Moral von der Geschichte? Angesichts eines solchen Autos könnte man glatt unmoralisch werden und sich in Ermangelung einer reichen Erbtante sich auf das Handwerk des Erbschleichers verlegen. Gott sei Dank ist der Autor dieser Zeilen jedoch von einer gewissen moralischen Festigkeit und winkt mit einer Träne im Knopfloch einem wahrhaften Traumauto nach.

RDF

Der Bentley Continental GT

Der neue Bentley Continental GT

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