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Testfahrt mit einem Traumauto: der SLS AMG

Bloß nicht aufwachen

Für kurze Augenblicke erfüllen sich manchmal im Leben Träume. So wie dieser: einsinken, zurücklehnen, Motor starten, kurzes, kräftiges Aufbrüllen, die Tacho- und Drehzahl- Zeiger drehen einmal durch, und dann losrollen.

Gurgelnd, fauchend, saugend, voller Kraft – ein Auto wie Blitz und Donner, nur dass es nirgendwo in dieser Gegend ein Gewitter gibt. Dies behauptet der Prospekt und hat Recht. Manchmal träumt man Träume zweimal, allerdings mit unterschiedlichen Nuancen. So wie diese hier: Der SLS AMG ist zurück, diesmal ohne Flügeltüren, diesmal ohne Dach. Testfahrt mit einem Traum.

Wie sich die Zeiten ändern: Ein Blick in das Cockpit des neuen Cabrios, unten in das eines alten voller Nostalgie.

Was dauert elf Sekunden bei diesem Auto? Zwei Dinge: Erstens öffnet sich das Verdeck in genau elf Sekunden. Und zweitens spurtet der Supersportwagen mit dem gleichen Motor wie im Flügeltürer von null auf 200 in elf Sekunden. 571 PS, Drehmoment von 650 Newtonmeter, Höchstgeschwindigkeit (abgeregelt): 317 Stundenkilometer – alles beim Alten, aber nach wie vor atemberaubend. Da wollen wir vom Preis gar nicht erst reden, der irgendwo jenseits der 200.000 Euro liegt und selbst einen Lottomillionär nachdenklich stimmen dürfte. Man wird ja wohl träumendürfen: Also was nehmen von den beiden Straßen- Diven? Den Flügeltürer? Das Cabrio, das jetzt knapp zwei Jahre nach dem Debüt des SLS brandneu auf dem Markt ist? Reine Geschmackssache oder doch nur Streit um Kaisers Bart? Man kann diese Frage nicht beantworten, zu schön sind beide Autos, und ihre Charakteristika so ausgeprägt, dass selbst Träume blass werden würden, wenn man sich das Unverschämte wünschen würde: nämlich gleich beide mitnehmen. Was ist neu außer der Tatsache, dass Dach und Flügeltüren fehlen (und dass man, nebenbei gesagt, den wirklich genialen Auspuffsound dadurch jetzt besse rhört)?

Mercedes-Benz SLS AMG Roadster

Mercedes-Benz SLS AMG Roadster

Neue Farben (echt cool das Auto in AMG Metallic Sepang- Braun), ein leicht überarbeitetes Innendesign (der Automatik- Wählhebel hat sich als Schubkrafthebel lückenlos in die Flugzeug-Cockpit-Anmutung eingefügt) und das neue Infosystem AMG Performance Media. Letzteres bedeutet, dass vor allem im Rennsport benötigte Zusatzinformationen wie Quer- und Längsbeschleunigungen, Bremsleistung, Reifenluftdruck und Getriebeöltemperatur in Echtzeit über für den Computer animierte Rundinstrumente angezeigt werden.

Ein Instrument jedoch dürfte schon bald Kultcharakter haben: das, wieviel PS gerade am Galoppieren sind. Weil wir gerade bei der Unvernunft sind. Natürlich ist der Schadstoffausstoß von 302 g CO2 nicht zeitgemäß, natürlich kann man einen Durchschnittsverbrauch von 13,2 Litern im Vergleich zur brachialen Leistung des Fahrzeugs auch nur schönreden – aber da sind wir schon wieder bei den Träumen. Und die sind ja meistens nicht logisch, irrational, oft aber emotional. Deshalb ist Träumen oft so schön.

RDF

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