Bike-Alternativen auf vier Rädern

- Für eingefleischte Motorradfahrer ist die Sache eigentlich klar: Ein Auto wird nur im Winter genutzt, wenn überhaupt - eine Alternative zu der Freiheit auf zwei Rädern sehen viele Biker nicht. Mittlerweile haben aber einige Hersteller Fahrzeuge auf vier Räder gestellt, die auf die Bedürfnisse von Motorradfahrern zielen.

Wenn an Alternativen zum herkömmlichen Motorrad gedacht wird, dann fallen zunächst meist die Begriffe Quad und Trike. Bei einem Quad hockt der Fahrer oben auf einer Sitzbank über einem Fahrwerk mit vier Rädern, Trikes wiederum kombinieren im Grunde die Front eines Motorrades mit dem Heck eines Autos. "Grundsätzlich kann man sagen, dass die Trikes alle Nachteile eines Motorrads mit den Nachteilen eines Autos kombinieren", sagt dazu Ruprecht Müller, Motorrad-Experte im ADAC-Technikzentrum in Landsberg.

 Zu diesen Nachteilen zählen zum einen im Vergleich zum Auto die geringere Sicherheit, während der Vorteil der Wendigkeit eines Motorrades durch die breite Hinterachse zunichte gemacht wird. Die wirklichen Alternativen zu einem Motorrad haben dagegen meist vier Räder - und Bike-Alternativen auf vier Rädern eine Karosserie. Wie zum Beispiel der YES, der Young Engineers Sportscar -ein puristischer kleiner Roadster aus deutscher Fertigung im sächsischen Großenhain. Unter der Karosserie befand sich zwar ein Audi-Motor, Türen oder gar ein Verdeck gab es für den Roadster zunächst nicht - dafür ein extrem sportliches Fahrverhalten. Mittlerweile ist man bei der zweiten Generation angekommen, für die es auch Zubehör wie Airbags gibt, selbst Türen und Verdeck sind vorhanden. Umsteigewillige Motorradfahrer sollten jedoch ein gut gepolstertes Konto vorweisen können: Die YESPreise beginnen bei knapp 60 000 Euro für die Version mit 255 PS.

Günstiger ist eine Alternative des Opel- Tuners Irmscher in Remshalden. Als Irmscher 7 bietet er seit mehr als zehn Jahren einen Nachbau des legendären Lotus Super Seven an. Die Insassen finden in einer schmalen Karosserie Platz, die Räder stehen frei. Das geringe Gewicht von nicht einmal 800 kg sorgt dafür, dass mit dem 210 PS starken Basismotor Fahrleistungen möglich sind, die sich hinter denen eines Motorrades nicht zu verstecken brauchen. Der Flitzer wird zu Preisen ab 45 000 Euro angeboten. Handwerklich begabte Fahrer können den Irmscher 7 auch ab 13 500 Euro als Bausatz bestellen -dafür gibt es aber nur ein Chassis und keinen Motor.

Auch der Markenname KTM wird künftig nicht mehr ausschließlich für Motorräder stehen. Denn die Österreicher wollen ebenfalls eine vierrädrige Alternative anbieten. Das Ergebnis der Überlegungen heißt X-Bow und wurde jüngst offiziell vorgestellt: Ein puristischer Zweisitzer, in dem die Insassen unter freiem Himmel sitzen - und der sehr sportliches Fahren ermöglicht. Das Gewicht liegt unter 700 kg, als Antrieb kommt zunächst ein Audi-Motor mit etwa 220 PS zum Einsatz. Eine erste Pilotserie von 100 X-Bow soll ab Ende des Jahres gebaut werden - die Fahrzeuge sind jetzt schon ausverkauft. Für eine spätere Serienfertigung wird ein Grundpreis von etwa 40 000 Euro angepeilt.

Tramontana aus Spanien geht noch einen Schritt weiter: In der schmalen Karosserie zwischen frei stehenden Rädern haben zwei Personen hintereinander unter einer Glaskanzel Platz -und was sie dort erleben, dürfte ohne Vergleich sein: Als Antrieb dient nämlich ein Zwölfzylinder mit 550 PS oder 720 PS. Aus dem Stand beschleunigt die Zigarre auf Tempo 100 in nur 3,7 Sekunden, Schluss ist erst bei einer Spitze von aberwitzigen 355 Sachen. Werte, bei denen selbst das sportlichste Motorrad alt aussieht.

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