Bissiger Bursche mit Liebe zum Auto

- München - Jetzt, wo es kühler wird, zerbeißt er wieder Kabel und Schläuche und treibt damit manchen Autobesitzer zur Weißglut. Wer kein Jäger ist, kennt ihn nicht von Angesicht zu Angesicht. Denn der Steinmarder ist nachtaktiv. Umso bekannter und gefürchteter sind seine "Erfolge" bei der Unterstützung des Kfz-Gewerbes.

Bayern leidet besonders unter des Marders Beißtrieb. In München und Umgebung fielen im Jahr 1999 rund sechs von 1000 Autos den Zähnen von Mardern zum Opfer. Alois Schnitzer von der HUK Coburg schätzt sogar, dass bayernweit jährlich rund 35 000 Marderfälle von den Teilkasko-Versicherungen ersetzt werden. Dies seien aber nur die Fälle, von denen die Versicherer erführen. "Von den Schäden, die unter der Selbstbeteilungsgrenze liegen, erfahren wir natürlich nichts", sagt Schnitzer. Laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft hat sich 2001 die Anzahl der Schäden in Deutschland im Vergleich zu 2000 um 19,4 % vermehrt. <BR><BR>Immerhin, wer seine Teilkasko nach 1998 abschloss, müsste mit Schadenersatz rechnen können, denn seither werden Marderschäden von den meisten Versicherern übernommen - wenn nicht die Selbstbeteiligung greift. <BR><BR>Natürlich kann der Autobesitzer auch selbst Hand anlegen, um sich des lästigen Besuchers zu erwehren. Zum Jäger werden darf er aber nicht. Als Wildtier will das Gesetz den Marder nur vom Jäger gejagt sehen. Aber man kann ihm den Aufenthalt im warmen Motorraum der Limousine ungemütlich machen. Vielleicht lässt er dann von Kühlschläuchen, Elektroleitungen und Achsmanschetten ab. Maximilian Maurer vom ADAC zählt die abenteuerlichsten Hausmittelchen auf: einen WC-Stein in einem kleinen Beutelchen im Motorraum verstecken oder Mottenkugeln, Hundehaare, einen laut tickenden Wecker: "Aber bitte nicht vergessen, den Wecker vor dem Losfahren zu entfernen!" Andere Spezialisten empfehlen, am Abend ein Hasengitter unter den Motor zu legen. Der Marder betrete dies Material nicht gerne und meide möglicherweise den Motor. <BR><BR>Abwehrkampf mit Wecker und Mottenkugeln <BR><BR>Maurer hält von diesen Tricks nicht viel. Gute Erfahrungen habe er aber mit Marderspray gemacht: "Das riecht angeblich nach Duftstoffen von Feindtieren." Das Problem dabei: Wenn es regnet, muss man das Spray alle paar Tage neu auftragen. <BR><BR>Auch die mit Einbau 150 bis 350 Euro teure Mardersicherung per Ultraschall-Gerät garantiere nicht unbedingt Erfolg: "Es gibt Tiere, die Verhaltensstörungen haben oder die diese Töne nicht hören", sagt Maurer. Und außerdem würden sie auch Hunde und Katzen vertreiben, was Tierliebhaber störe. <BR><BR>Die Motoren neuerer Pkw-Modelle würden mittlerweile meist so gebaut, dass es für Marder schwieriger werde, an die "Weichteile" des Wagens zu kommen. Übrigens beiße der Marder nicht aus Hunger in die Schläuche, sondern wegen seines Spieltriebs. <BR><BR>Nicht einmal Bayerns Landesjagdpräsident Jürgen Vocke möchte dem kleinen Wilden komplett das Handwerk legen: "Der ist ja auch nützlich, er frisst Mäuse, Ratten und Ungeziefer." Der Marder sei ein "Kulturfolger", der die Nachbarschaft des Menschen und seiner warmen Autos suche. Früher habe sich der Marder gerne in Feldscheunen versteckt, sagt Vocke. "Doch die gibt es heute kaum mehr. Das sind moderne Betriebe, in denen es nach Öl stinkt." Das zerstöre dem kleinen Wildtier die Witterung. Deswegen wandere es sogar in die Städte. <BR><BR>Wenn gar nichts mehr hilft, greift der Jäger zur Kastenfalle. Die fängt das Vieh lebendig. Es kann dann wieder ausgesetzt werden - oder wird erschossen. Manche Jäger verwenden auch die Totschlagsfallen. Diese bestehen aus zwei Eisenbügeln, die zusammenschlagen. Hat man es mit einem besonders intelligenten Exemplar zu tun, dann hilft jedoch nur schnelles Laufen. Vocke weiß von "zwei gestandenen Jägern" zu berichten, die von einem mit einer Kastenfalle festgesetzten Marder angegriffen wurden und Reißaus genommen haben sollen. <BR>

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