Im Blindflug gegen die weiße Wand

München - Wie aus dem Nichts taucht die weiße Wand vor dem Auto auf, dann ist überall nur noch dichtester Nebel. Vor einem Augenblick konnte der Fahrer noch gut die Rücklichter des Wagens vor ihm erkennen. Jetzt haben die wabernden Schwaden sie verschluckt - wie auch die Begrenzungspfosten und Markierungslinien der Landstraße.

Die Sicht reicht nur noch wenige Meter, das bedeutet bei dem Tempo Blindflug. Vielen Autofahrern werden im Herbst und Winter unvermittelt auftauchende Nebelbänke zum Verhängnis. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden ereigneten sich im Jahr 2006 insgesamt 518 Nebelunfälle mit Personenschaden. Bezogen auf die Gesamtunfallzahl - 2006 gab es 327 984 Unfälle mit Personenschaden - sind das zwar nicht sehr viele, sagt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn.

"Aber wenn ein Nebelunfall passiert, dann meist mit schwerwiegenden Folgen." So gibt es immer wieder Schlagzeilen von Massenkarambolagen mit vielen Verletzen und Toten. Das Tückische am Nebel ist, dass er die Wahrnehmung der Autofahrer täuscht. Nach Angaben des ADAC in München werden Fahrgeräusche von den Schwaden geschluckt, so dass das Tempo des eigenen Fahrzeugs falsch eingeschätzt wird.

Die Millionen feinster Wassertröpfchen in der Luft brechen außerdem das Scheinwerferlicht und streuen es in alle Richtungen. Dadurch können Entfernungen nicht mehr richtig eingeschätzt werden, sagt Sven Rademacher: "Andere Fahrzeuge und Objekte erscheinen weiter entfernt als sie tatsächlich sind." Beides führt leicht dazu, dass Autofahrer auf die Sichtbehinderung falsch reagieren - oft mit fatalen Folgen. Fast immer ereignen sich Nebelunfälle laut ADAC durch zu hohes Tempo und zu geringen Sicherheitsabstand. Dabei kommen Autofahrer auch problemlos durch trübes Wetter, wenn sie einige Empfehlungen der Experten beherzigen:

TEMPO DEUTLICH DROSSELN:

Bei den ersten Anzeichen von Nebel muss die Geschwindigkeit deutlich gedrosselt und den Sichtverhältnissen angepasst werden. Als Faustregel gilt: Sichtweite in Metern gleich Tempo in Kilometern pro Stunde (km/h) gleich Sicherheitsabstand in Metern. Beträgt die Sicht 50 Meter, darf höchstens 50 km/h gefahren werden. Als Orientierungshilfe dienen die Leitpfosten, die meist im 50-Meter-Abstand aufgestellt sind.

SICHERHEITSABSTAND VERGRÖßERN:

Gleichzeitig ist sofort der Sicherheitsabstand zum Vorausfahrenden zu vergrößern. Falsch ist es, sich an dessen Rückleuchten zu orientieren - das ergibt durch den geringen Abstand einen sogenannten Sog- und Druckeffekt, durch den der Vordermann unbewusst beschleunigt. Bleibt der Hintermann an ihm dran, entsteht bald eine Kolonne, die zu schnell und mit zu geringem Abstand durch den Nebel rast. Muss ein Fahrzeug plötzlich abbremsen, ist häufig eine Massenkarambolage die Folge.

NEBELSCHEINWERFER EINSCHALTEN:

Bei Nebel sollte auch am Tag gleich das Abblendlicht - besser: die Nebelscheinwerfer - eingeschaltet werden. Das verbessert die eigene Sicht und erhöht die Sichtbarkeit für andere Verkehrsteilnehmer. Die Nebelschlussleuchte darf erst bei Nebel mit Sichtweiten unter 50 Metern eingeschaltet werden. Da sie bis zu 40 Mal so hell leuchtet wie ein normales Rücklicht, würde sie bei besseren Sichtbedingungen den nachfolgenden Verkehr blenden.

NACH RECHTS ORIENTIEREN

Gefährlich ist es, sich bei Nebel am Mittelstreifen zu orientieren. Weil damit zu rechnen ist, dass auch der Gegenverkehr auf diese Idee kommt, drohen Frontalkollisionen. Besser ist es, sich an die Markierungen oder Leitpfosten am rechten Fahrbahnrand zu halten.

BREMSBEREIT UND KONZENTRIERT SEIN:

Bei Nebel müssen Autofahrer ständig bremsbereit sein. Hinter jeder Nebelbank könnten unvermittelt andere Fahrzeuge auftauchen. Außerdem droht bei Fahrten über Land Gefahr durch Wildwechsel. Wichtig ist höchste Konzentration, da wegen der verminderten Sicht andere Verkehrsteilnehmer, gerade Fußgänger, erst im letzten Moment wahrgenommen werden. Periphere Bewegungsreize werden weniger erkannt, das Sichtfeld ist eingeschränkt. Mitfahrer sollten den Fahrer nicht ablenken. Das die sonst so gewohnte Radiomusik bleibt besser ausgeschaltet. Denn dadurch lassen sich Umgebungsgeräusche besser wahrnehmen.

REGELMÄßIG PAUSE MACHEN:

Weil Nebelfahrten so sehr anstrengend sind und für den Fahrer riesigen Stress bedeuten, sollten bei längeren Touren zwischendurch Pausen eingelegt werden. Keinesfalls darf er sich in dieser Situation durch Termine unter Zeitdruck setzen lassen, sondern sollte jetzt konsequent mehr Zeit einplanen.

IM HERBST UND WINTER MIT NEBEL RECHNEN:

Aufgrund der Jahreszeit-typischen Wetterbedingungen ist in Deutschland vor allem im Herbst und Winter immer wieder mit teils weitflächigen Nebelfeldern zu rechnen. Zähe, anhaltende Nebellagen bilden sich besonders häufig in den norddeutschen Küstengebieten. In höheren Lagen können es auch tiefliegende Wolken sein, die aber wie Nebel wirken und deshalb als Hochnebel bezeichnet werden. Nebelbänke können sich überall in Deutschland bilden - häufig entstehen sie an den Flussläufen, in Moorgebieten, an großen Wiesenflächen, Tälern oder Waldgebieten. Dort ist daher besondere Vorsicht geboten.

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