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Das Auto, mit dem BMW-Chef Harald Krüger in die nächstes 100 Jahre vorausblickt. Der „Vision Next 100“ lässt dem Fahrer die Wahl, ob er selbst am Lenkrad sitzt oder dem elektronischen Copiloten das Steuer überlasst.

Feiern in Olympiahalle und in Allianz-Arena

BMW-Geburtstag: Hier ist das Auto der Zukunft

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München - BMW feierte seinen 100. Geburtstag mit 2000 geladenen Gästen in der Münchner Olympiahalle, mit 35 000 Mitarbeitern in der Allianz-Arena – und einem Auto-Prototypen, der weit in die Zukunft weist.

Mit futuristischen Modellen wie dem elektrischen i3 hat Adrian van Hooydonk die Designsprache von BMW in den letzten Jahren entscheidend geprägt. Zum 100. Geburtstag des Konzerns stellte er Montag gemeinsam mit Konzernchef Harald Krüger ein Konzept-auto vor: „BMW Vision Next 100“ nennt es BMW. Also ein Auto irgendwie für die nächsten 100 Jahre. Und diese Vision scheint erst einmal zu futuristisch, um je Wirklichkeit zu werden. Doch 20 bis 30 Jahre, meinte Hooydonk, sei der Horizont. „Es hat ein Lenkrad“, sagte der Chefdesigner über das Fahrzeug der Zukunft, das Montag vor 2000 Geburtstagsgästen in der Münchner Olympiahalle einfuhr.

„Nur die Erneuerung garantiert den Erfolg“, hatte vorher Ministerpräsident Horst Seehofer passend zur Ausrichtung der Feier angemerkt. Und der Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Reithofer hob vor allem die Wertschätzung der Menschen, die für BMW arbeiten, als Erfolgsfaktor hervor. „Eine Firma ist nur so gut wie ihre Mitarbeiter“, sagte er. „Und unsere Firma ist gut.

Abschied vom Armaturenbrett

Die Trainees und der Chef: Zusammen mit Nachwuchskräften aus aller Welt gab Harald Krüger den Startschuss für eine opulente Bühnenshow in der Olympiahalle.

Und die Firma bleibt bayerisch, auch wenn sie längst ein globaler Konzern geworden ist. „Ich freue mich immer auf das Weißwurstfrühstück jeden Freitag mit Kollegen“, sagte ausgerechnet ein chinesischer Trainee. Er startete gemeinsam mit drei anderen Nachwuchskräften aus England, den USA und Korea sowie BMW-Chef Harald Krüger die gigantische Bühnenshow mit Balletteinlagen, historischen Fahrzeugen und dem Zukunftsauto als markantem Schlussakkord.

Die Sache mit dem Lenkrad musste Hooydonk schon dazusagen. Denn bis auf dieses Lenkrad – das eher aussieht, als wäre es das Steuerhorn eines Flugzeugs – wirkt im Inneren wenig so, als würde es zu einem Auto gehören. Wo heute ein Armaturenbrett wäre, ist im Vision Next 100 ein „Dashbord“, wie es BMW nennt. Schalter und Instrumente – Fehlanzeige. Nur rote Lampen leuchten auf, wenn der Copilot – sprich Computer – eine Gefahr erkennt und den Fahrer davor warnen will.

Das Auto zeigt auch, was man nicht sieht

Alle Informationen, die der Fahrer braucht, projiziert in dem Zukunftsmobil der Copilot auf die Windschutzscheibe. Das aktuelle und das optimale Tempo etwa, die verbleibende Reichweite oder die ideale Fahrspur über die nächsten Kurven hinaus.

Selbst plötzlich auftretende Hindernisse sind auf der Windschutzscheibe zu erkennen, bevor man sie als Fahrer in Wirklichkeit sehen kann. Der vernetzte Copilot nutzt alle möglichen Informationsquellen, die ein Mensch gar nicht verarbeiten kann: Kameras, Infrarot- und Radarsensoren und wohl auch Daten aus anderen Fahrzeugen mit anderen Blickwinkeln.

So kann sich das Auto ein fast perfektes Bild von der Umgebung machen – und dem Fahrer anzeigen, was er selbst nicht sieht. Etwa wenn hinter einem parkenden Lkw ihm gleich ein Radfahrer direkt vor die Kühlerhauber fährt, weil er die Straße überqueren will. Und notfalls leitet der Copilot-Computer selbst die fällige Bremsung ein.

Oder er übernimmt auf Wunsch des Fahrers gleich ganz das Steuer. Dann verschwindet das kompakte Lenkrad im Dashbord – wie die Räder eines Flugzeugs im Rumpf. Und die Sitze können nun zur besseren Kommunikation gedreht werden. So kann der Fahrer – jetzt besser: der Passagier – ganz abschalten, etwa für eine Videokonferenz im fahrenden Auto. Oder er betrachtet auf einer Urlaubsreise wie bisher im Zug die vorbeiziehende Landschaft, ohne sich um das Geschehen auf der Straße kümmern zu müssen.

Das alles sind Visionen, mit denen BMW Montag einen Blick ins zweite Jahrhundert seiner Unternehmensgeschichte wagte. Auf nüchterne Fragen etwa zur Art für die Motorisierung, blieben Krüger und Hooydonk die Antwort Montag schuldig. „Es wird emissionsfrei sein“, sagte der Design-Chef.

So zurückhaltend Hooydonk bei der Motorisierung blieb , so sehr ging er bei den Kotflügeln ins Detail. Das sind nicht mehr die starren Blech- oder Kunststoffkonstruktionen, wie man sie heute kennt. Sie spannen sich beweglich wie eine Reptilienhaut auch über den Radausschnitt und machen jede Lenkbewegung mit.

BMW bleibt bei der „Freude am Fahren“

Damit wird das ganze Fahrzeug noch ein bisschen windschlüpfriger. Von einem CW-Wert von 18 spricht Hooydonk. Darauf kommt es in Zukunft an. Denn das senkt den Verbrauch, steigert die wichtige Reichweite – und macht hohes Tempo möglich, ohne den dafür notwendigen Energieeinsatz ins Unermessliche zu steigern. Denn Fahrspaß, oder wie es die Werbebotschaften von BMW vermitteln, die Freude am Fahren, soll auch in den nächsten 100 Jahren erhalten bleiben. Nur dass der Fahrer die Wahl hat. Will er selbst Fahren, dann im „Boost-Modus“, wie BMW das nun nennt – oder sich chauffieren lassen, im „Ease Modus“.

Kommt dieses Auto jemals auf die Straße? Und wenn, werden heutige Autofahrer das noch erleben? Dazu schweigen sich die BMW-Oberen Montag erwartungsgemäß aus. Doch das letzte ähnlich futuristisch anmutende Konzeptfahrzeug von BMW hieß im Jahr 2009 „Vision Efficient Dynamics“ – und es ist ohne grundlegende Änderungen im Design heute käuflich zu erwerben und ganz normal auf der Straße zu bewegen. Nur der Name wurde dramatisch eingedampft. Die Zukunftsvision von damals heißt heute i8.

Videobotschaft der Kanzlerin

Die Gästeliste der BMW-Geburtstagsfeier war wie das „Who is who“ der deutschen Wirtschaft. Dass der gesamte BMW-Vorstand, die Großaktionäre Susanne Klatten und Stefan Quandt sowie auch frühere BMW-Chefs wie Eberhard von Kuenheim den Geburtstag ihres Unternehmens feierten, war ja klar. Doch selbst Manfred Bischoff, Aufsichtsratsvorsitzender des Erzrivalen Daimler, war gekommen. Und Gerhard Cromme, sein Kollege von Siemens, dem BMW die Krone des umsatzstärksten bayerischen Unternehmens entrissen hat. Gesehen wurden unter anderem auch Maria-Elisabeth Schaeffler vom gleichnamigen Zulieferkonzern, Allgeier-Eigentümer Dieter Hundt und Verleger Dirk Ippen. Die regionale Politik vertraten Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, sein Vorvorgänger Edmund Stoiber und der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte schon vor Monaten zugesagt, konnte aber wegen des Flüchtlingsgipfels doch nicht kommen. Sie ließ per Video eine Grußbotschaft in die Münchner Olympiahalle senden. Die Bundesregierung vertrat an Merkels Stelle Verkehrsminister Alexander Dobrindt.

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