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Ein Auto wie ein Schlachtschiff: Unser Kapitän, pardon, Autor Hans Moritz vor dem Cadillac Escalade.

Big is beautiful

Das XXL-Abenteuer: Cadillac Escalade

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Der Cadillac Escalade ist nicht einfach ein Auto. Er ist ein American Dream, gebaut aus viel edlem Blech, handverarbeitetem Leder und großporigem Holz.

Er ist nicht einfach ein Fahrzeug, er ist ein Lebensgefühl. Das gilt für die vierte Modellreihe seit der ersten Markteinführung 1999 mehr denn je. Man kann den Escalade liebevoll beschreiben – als sanften Riesen, als Bic Mac der Landstraße, als Couch Potatoe auf dem Highway. Man kann ihn auch kritisch betrachten – als Potenzprotz, als Kraftmeier, als Dekadenz auf 22-Zoll-Schlappen, als Luxus-Wuchtbrumme.

All das zeigt: Der Cadillac Escalade lässt sich nicht mit normalen Maßstäben messen. Er sprengt die europäischen automobilen Dimensionen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: 5,70 Meter lang, 2,10 Meter breit, 1,90 Meter hoch, ein Radstand von 3,3 Metern. Und das Ganze mit einer Schnauze, die es mit dem Torbogen einer texanischen Ranch aufnehmen kann.

Cadillac Escalade ist ein XXL

XXL, das ist der Escalade auch innen. Zwei Ledersitze vorn, so breit und bequem wie Fernsehsessel, dazwischen eine Mittelkonsole, die eher an eine Kühlbox erinnert und locker zwei Sixpacks samt BBQ aufnimmt. Dahinter zwei weitere, nicht minder bequeme Sessel, deren einziges Manko ist, dass sie nicht verschiebbar sind. Die dritte Reihe ist eine Sitzbank, allerdings mit wenig Fußraum. Das Ende der Karosserie ist da noch längst nicht erreicht. Dahinter gähnt ein großer Kofferraum.

Im Escalade ist alles edel, alles ein bisschen größer. In die Kopfstützen der Vordersitze sind große Bildschirme eingelassen. Damit nicht genug. Vom Fahrzeughimmel lässt sich ein dritter Screen herunterklappen. In der Verkleidung hat Bose eine mehr als großzügig dimensionierte Soundmaschine versteckt mit sage und schreibe 16 Boxen.

Autogenuss auf die amerikanische Art: Viel Platz und Luxus bietet der Escalade für seine Passagiere.

Grundsätzlich verkörpert der Escalade den American Way of Life: Haste was, biste was! Der Schalthebel für die Automatik hat die Ausmaße eines Klappspatens. Und während die europäischen Hersteller ihre Lenkräder zunehmend auf Formel-1-Format verzwergen, ließe sich mit dem aus dem Cadillac vermutlich auch ein 40-Tonner bequem einparken. Apropos parken: Damit hinterher keiner weint: Für unsere Parkplätze ist der Escalade zu breit und zu lang. Die meisten Waschanlagen sind ebenfalls hoffnungslos unterdimensioniert.

Doch wer einen Escalade fährt, für den sind das keine Probleme, nicht mal die stolzen 13 Liter Verbrauch im Stadt-Land-Mix. Das ist halt der Preis, wenn man Range Rover, Audi Q7, BMW X5 oder Porsche Cayenne buchstäblich in den Schatten stellen will. Viel werden es eh nicht sein: Jetzt kommt der Escalade nach Europa, für Deutschland sind aber gerade einmal 200 Stück vorgesehen, eventuell kommen später 50 weitere dazu.

Und wie fährt sich das Schlachtschiff? Wir haben den neuen Cadillac rund um den Zürichsee getestet. Keine Frage, im Stadtverkehr ist man im Escalade der Kapitän. Ein aufmerksamer Abstandshalter, in die Windschutzscheibe eingeblendete Daten sowie ein Vibrations­alarm im Sitz statt Warntönen sorgen dafür, dass man auf der Kommandobrücke nicht die Kontrolle verliert. Auf der Autobahn ist man ein wenig enttäuscht: Eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h bei 426 PS ist nicht nur bescheiden, auch der Komfort bleibt auf der Strecke. Seine ganzen Qualitäten spielt der Escalade auf der Landstraße aus, da ist er ein komfortabler Cruiser. Da macht er richtig Spaß.

Der Cadillac Escalade macht die Wahl nicht zur Qual, es gibt nur zwei Versionen – Premium und Platinum, mit jeweils einem Sechs-Zylinder-V8-Benzinmotor. Zu haben ist er zu Preisen zwischen 81.000 und 109.000 Euro, was in einer neuen Dimension ein durchaus faires Angebot für so viel Auto ist.

First Class Super-SUV mit Curved-TV

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Hans Moritz

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