Im Fahrzeug eingesperrt

Darf ich einen Hund aus einem überhitzten Auto retten?

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Im Sommer kann sich ein Auto-Innenraum leicht auf bis zu 70 Grad erhitzen. Für Hunde eine Todesfalle. Was ist nun erlaubt, um das zu Tier retten, was nicht? 

Es ist buchstäblich ein heißes Thema im Sommer: Hunde im Auto. Obwohl mittlerweile bekannt sein sollte, dass ein Auto für den besten Freund des Menschen bei Hitze schnell zur Todesfalle wird, lassen zahlreiche "Besitzer" ihre Vierbeiner noch immer einfach dort warten - um nicht zu sagen schmoren. Besorgungen machen oder der Einkaufsbummel zwischendurch, geht ja alles ganz schnell. Ein solches Verhalten ist nicht nur verantwortungslos, es gefährdet das Leben von Hund oder auch Katze. Denn die können nicht schwitzen und sind daher sehr empfindlich gegenüber Hitze.

Manche Hundebesitzer sind immerhin so gnädig, ein Fenster offen zu lassen oder das Auto auf ein schattiges Plätzchen zu stellen. Beides keine Lösung wie etwa die Tierrechtsorganisation Peta eindringlich warnt. Mit dem Spot "Hitze tötet" hatte sie bereits vor ein paar Jahren gefordert, Hunde "bei Hitze niemals im Auto" zu lassen. Dass diese Botschaft nicht bei allen Tierbesitzern angekommen ist, zeigen Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit.

Hund aus Auto befreit, Polizei und Besitzer aufgebracht 

Vor ein paar Wochen sorgte das Bild eines im Auto eingesperrten Hundes sogar für Belustigung im Netz. Ein unbekannter Hunde-Halter hatte das Tier sitzen lassen und an der Fensterscheibe gleichzeitig ein vielsagendes Hinweisschild für mögliche Retter hinterlassen. Man möge die Scheibe bitte nicht einschlagen, die Klimaanlage laufe schließlich und der Hund bekomme außerdem seine Lieblingsmusik zu hören.

Und in Hessen ereignete sich letzte Woche ein Fall, in dem Passanten einen offensichtlich leidenden Hund in einem überhitzten Fahrzeug entdeckten und anschließend befreiten. Wie die Welt berichtete, habe eine 25-Jährige zunächst - wie es richtig ist - die Polizei informiert. Bevor diese eingetroffen sei, habe jedoch eine weitere Passantin kurzentschlossen ihren kleinen Sohn durch das geöffnete Schiebedach des Autos greifen und eine Tür öffnen lassen. Der Hund war befreit, hatte Wasser, doch dann hätten sich sowohl die Polizei als auch die Besitzer ordentlich beschwert. Letztere über den angeblichen "Einbruch", die Beamten über den unnötigen Notruf.

Hund im Auto eingesperrt: Darf im Notfall die Scheibe eingeschlagen werden? 

Angesichts solcher Ereignisse stellt sich unweigerlich die Frage, wie man sich als potenzieller Retter denn nun zu verhalten hat? Wie die Polizei im Anschluss an diesen empörenden Fall mitteilte, müsse in Notfällen tatsächlich die 110 angerufen werden. Allerdings nur dann, wenn der Fahrzeughalter nicht ausfindig gemacht werden könne.

Wie das zu bewerkstelligen sei und wann ein Notfall vorliege und wann nicht, ließ die Polizei anscheinend offen. Fakt ist: Türen eines fremden Autos dürfen nicht einfach so geöffnet werden. Und wer aus lauter Mitleid mit einem Tier auf die Idee kommen sollte, die Scheibe einzuschlagen, sollte sich das lieber zweimal überlegen. Schließlich handelt es sich um das Eigentum einer anderen Person - und dann drohen eine Anzeige und Strafe wegen Sachbeschädigung.   

Im Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung bestätigt dies auch die Juristin Antje Greschak: "Vor einem eigenmächtigen Rettungsversuch sollte man absehen und stattdessen Polizei oder Rettungskräfte unverzüglich alarmieren. Nur, wenn ein Notruf abgesetzt wurde und Gefahr in Verzug ist, sollte in letzter Konsequenz der Hund gewaltsam befreit werden."

Obwohl also zunächst der Tatbestand der Sachbeschädigung erfüllt ist, wird ja das Leben eines Tieres gerettet. Dann greift Paragraph 34 StGB, der es gestattet, "Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut" von sich oder anderen abzuwenden.

Zum Halter, der den Einsatz von Rettungskräften und Polizei zu zahlen hat, meint Greschek: "Spätestens wenn er die Rechnung gesehen hat, wird er sein Tier beim nächsten Mal doch lieber in die Eisdiele mitnehmen oder zu Hause lassen."

Anzeichen für Hitzeschlag erkennen

Wie der Tierschutzbund auf seiner Webseite mitteilt, lassen sich gewisse Warnsignale bei Hunden oder Katzen feststellen, die sehr an der Hitze leiden. Dazu zählen:

  • Glasiger Blick
  • Tiefrote Zunge
  • Hecheln mit gestrecktem Hals
  • Erbrechen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Bewusstlosigkeit

Bei Katzen erkenne man einen Hitzschlag daran, dass sie aufgeregt auf und ab gingen oder stark hechelnd auf dem Bauch lägen.

Tierische Gerichtsprozesse des Jahres 2016

mop/Glomex

Rubriklistenbild: © Pixabay

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