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Wo bin ich? Die tz-Reporterin kämpft mit der Drogenbrille.

Furchteinflößendes Ergebnis

Test im Spezial-Anzug: So fühlt es sich an, unter Drogen zu fahren

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München - Die Unfallzahlen unter Drogeneinfluss pendeln in der Münchner Polizeistatistik seit Jahren zwischen 60 und 38. Ein Spezial-Anzug simuliert nun das Autofahren unter Einfluss illegaler Drogen. Die tz durfte den neuen „Drug Drive Suit“ testen.

Wie sich das wohl anfühlt, möchte der Kollege wissen. Danke der Nachfrage. Mir ist flau und ich spüre, dass ich blass werde. Die Welt dreht sich in seltsam verzogenen Doppelbildern lustig um mich herum. Arme und Beine streben unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen. Dazu zittert die rechte Hand. Der Halskragen verursacht eine Nackenblockade. Und die psychedelischen Töne aus den Kopfhörern machen es auch nicht besser. Sie verzerren vertraute Geräusche wie Motorbrummen und Stimmen in weit entfernte Akustikfetzen. Konzentration ade. Es ist, als ob sich alle Sinne verabredet hätten, gegeneinander zu arbeiten. Kann denn tatsächlich ein Mensch auf die Idee kommen, sich in diesem erbarmungswürdigen Zustand ans Steuer zu setzen?

Schon das Balancieren gerät zum Fiasko. Mit einem Fuß treffe ich noch die gerade Linie. Der andere macht, was er will. Ich bin schon froh, dass ich nicht hinfalle. Angeblich gewöhnt man sich mit der Zeit an diesen Zustand. Davon bin ich weit entfernt.

Testfahrt im Drogen-Anzuge

Und jetzt das: Testfahrt im Ford Focus durch den Pylonen-Parcours. Au weia. Ich vergesse fast das Anschnallen, finde den Startknopf kaum. Im Schleichgang fahren wir los. Wo soll ich eigentlich hin? Die Straße tanzt vor meinen Augen. Ich sehe kurze Vierfach-Kurven blauer und rot-weißer Pylone. Welche Linie ist die richtige? Passt das Auto überhaupt da durch? Keine Ahnung. Und plötzlich kann ich mir vorstellen, wie es zu scheinbar unerklärlichen Frontalzusammenstößen kommt. Also lieber erst mal stehenbleiben...

Doch Jochen Lau, Referatsleiter der Unfallprävention beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat, treibt mich weiter: „Rechts. Jetzt links. Weiter links. Nicht so weit. Geradeaus!“ Wahrscheinlich hat er Angst um den schönen Testwagen. Zu Recht.

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Vor uns liegen angeblich Hindernisse (rote Plastikscheiben) auf dem Asphalt. Ich sehe nichts, habe längst die Orientierung verloren. Keine Ahnung, wie lang und wie weit ich gefahren bin. Beim Aussteigen zittern die Knie. Der Weg zurück nimmt kein Ende. Mir ist schwindelig. Ich will meine geordnete Sicht auf die Welt zurückhaben. Bitte! Jemand nimmt mir endlich diese üble Brille, die nervigen Kopfhörer und die engen Manschetten ab. Es dauert Minuten, bis meine irritierten Sinne mir wieder scharfe Bilder und Trittsicherheit übermitteln.

Sollte mich jemals jemand überreden wollen, auch nur scheinbar harmlose Drogen wie Marihuana auszuprobieren, kann ich mit dem heutigen Tage sicher sagen: Nie im Leben!

Eine Fahrt ins Delirium

Die Unfallzahlen unter Drogeneinfluss pendeln in der Münchner Polizeistatistik seit neun Jahren zwischen 60 und 38 jährlich. Im letzten Jahr wurden 20 Menschen verletzt, weitere 1668 Fahrer zog die Polizei bei Kontrollen aus dem Verkehr, bevor etwas passierte. Doch die Dunkelziffer ist hoch – und dass bei diesen Unfällen noch nie jemand ums Leben gekommen ist, grenzt an ein Wunder: Laut der europäischen Verkehrsstudie Druid sind Drogenkonsumenten bis zu 30 Mal wahrscheinlicher in einen ernsten Unfall verwickelt. Und: Unter 1000 Fahrzeugen im Gegenverkehr sitzen rein statistisch gesehen zwei berauschte Fahrer am Steuer. 

Mit einem ganz speziell auf junge Autofahrer zugeschnittenen, zweitägigen und kostenlosen Fahrsicherheitstraining (Termine unter www.vorfahrt-fuer-deine-zukunft.de) geht Ford seit Jahren mit bestem Vorbild voran. Ganz neu im Programm ist ein einzigartiger Anzug, der das Autofahren unter dem Einfluss illegaler Drogen wie Cannabis, Ecstasy, Kokain oder Heroin simulieren kann.

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