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Ein Fahrbericht zum neuen Fiat Cinquecento

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Fiat 500e
Mit dem 500e startet Fiat endlich seine Strom-Offensive. Erfolgsrezept der Italiener bleibt aber das Retrodesign. © Fiat/Stellantis/dpa-mag

Bislang hat sich Fiat bei der Elektromobilität zurückgehalten. Doch jetzt legen die Italiener den Schalter um und starten gleich mit ihrem wichtigsten Auto: Dem 500er. Den haben sie für die Generation E zwar neu entwickelt, den Blick zurück dabei aber nicht vergessen.

Berlin - Auch Fiat fährt künftig elektrisch. Denn nachdem die Italiener den Trend zum Akku-Auto lange ignoriert haben, schicken sie nun endlich ihren ersten Stromer ins Stadtgetümmel.

Seit wenigen Monaten tritt deshalb ein nagelneuer 500er gegen elektrische Cityflitzer wie den Opel Corsa, den Honda E, den Renault Zoe oder den Mini Cooper SE an. Und weil aller guten Dinge drei sind, gibt es nicht nur einen konventionellen Zweitürer, sondern vom Start weg auch ein Cabrio und den eigenwilligen 3+1, der auf der Beifahrerseite noch eine gegenläufig angeschlagene Tür für den leichteren Zustieg zur Rückbank bietet.

Die Preise beginnen bei 23.560 Euro für das gewöhnliche Modell, der Dreitürer kostet bei gleicher Konfiguration 2000 Euro mehr und startet bei 31.560 Euro aufwärts. Für das elektrische Open-Air-Modell verlangt Fiat weitere 1000 Euro Aufschlag und beginnt mit 32.560 Euro.

Neues Auto im alten Design

Der 500e ist ein nagelneues Auto, das auf einer komplett eigenständigen Plattform steht. Bei einer Länge von 3,63, einer Breite von 1,68 und einem Radstand von 2,32 Metern ist er dem Verbrenner zwar in allen Dimensionen ein bisschen voraus und bietet auch etwas mehr Platz. Doch auf den ersten Blick sieht der Cinquecento selbst mit serienmäßigen LED-Scheinwerfern und voll versenkten, elektronischen Türöffnern aus wie immer - schließlich ist das liebevolle Retrodesign der wichtigste Erfolgsfaktor des kleinen Italieners. Deshalb hat auch die E-Version verführerische Kulleraugen und ein Design zum Knutschen.

Dass die Designer wenigsten den Innenraum etwas modernisiert, einen großen Touchscreen fürs Online-Infotainment und sogar digitale Instrumente eingebaut haben, tut dem Charme keinen Abbruch. Im Gegenteil: Schließlich haben sie bei dieser Gelegenheit auch ein paar Hinweise auf das Original und seine Heimat versteckt. So findet sich in den Türtafeln die Silhouette des ersten 500ers, und die Rutschmatte einer Ablage ziert die Skyline von Turin.

Batterie statt Benzintank

Unter dem Blech ist allerdings alles neu: Wo früher kleine Verbrenner knatterten, surrt jetzt eine E-Maschine, und statt des Benzintanks gibt es eine Batterie. Standard sind ein E-Motor mit 87 kW/118 PS und 220 Nm für maximal 150 km/h sowie ein Akku von 42 kWh, der im WLTP-Zyklus für bis zu 314 Kilometer reichen soll. Im Basismodell müssen sich die Kunden mit 70 kW/95 PS und 23,8 kWh begnügen. Damit sind bis zu 135 km/h und maximal 180 Norm-Kilometer möglich. Geladen werden die Akkus im besten Fall mit 85 kW Gleichstrom, so dass der Fiat 500 E in 35 Minuten auf 80 Prozent kommt.

Fiat 500e
Ein E-Motor mit 87 kW/118 PS bringt den Fiat 500e auf maximal 150 km/h. Der Akku erzielt eine Reichweite von bis zu 314 Kilometern. © Fiat/Stellantis/dpa-mag

Die Technik ist bei allen Autos gleich und das Fahrverhalten dementsprechend auch. Der Cinquecento ist mit seinem winzigen Wendekreis ungeheuer handlich, beschleunigt flott und bremst auf Knopfdruck auch entsprechend stark. Für das passende Fahrgefühl haben die Italiener gleich drei Drive-Modi programmiert: Im Standard-Betrieb näher am Verbrenner, rollt er beim Lupfen des Fahrpedals lässig aus und braucht zum Anhalten die mechanische Bremse. Im Range-Betrieb dagegen wird so stark rekuperiert, dass man getrost mit einem Pedal fahren kann. Und wenn es mal knapp wird mit der Reichweite, dann wechselt man auf „Sherpa“ und der Bordcomputer drosselt die Leistung.

Fiat 500e
Nicht nur der Antrieb, auch der Innenraum wurde modernisiert. An Bord befinden sich nun ein großer Touchscreen und mehrere digitale Instrumente. © Fiat/Stellantis/dpa-mag

Das mit Abstand reizvollste Auto in der Dreier-Riege ist das Cabrio. Das bietet erstens das intensivere Fahrerlebnis und lässt durch sein geöffnetes Rolldach so viel Sonne, dass man sich auch im Aartal fühlt wie an der Amalfi-Küste oder in der Toskana. Zweitens profitiert man darin noch mehr vom lautlosen und emissionsfreien Antrieb. Und drittens ist der offene Fiat nahezu konkurrenzlos. Denn neben dem Smart Fortwo ist es aktuell das einzige Open-Air-Modell unter den Akku-Autos.

Fazit: Der Fiat bringt Leidenschaft an die Ladesäule

Die Fahrleistungen vernünftig, die Reichweite durchschnittlich und der Preis keineswegs konkurrenzlos: Im Grunde ist der elektrische Fiat 500 ein allenfalls durchschnittliches Elektroauto, das weder aus seinem späten Start, noch aus seiner eigenständigen Plattform nennenswerten Nutzen zieht. Nüchtern betrachtet, ist er damit nicht besser als ein Honda E oder ein Renault Zoe. Doch wie immer, wenn es um den Cinquecento geht, macht Fiat daraus eine Herzensangelegenheit. Denn auch als Stromer verführt die Knutschkugel mit einem Charme, den kaum ein anderes Auto bietet. Erst recht nicht in dieser Klasse.

Datenblatt: Fiat 500e Cabrio

Motor und AntriebElektromotor
Max. Leistung:87 kW/118 PS
Max. Drehmoment:220 Nm
Antrieb:Frontantrieb
Getriebe:1-Gang-Automatik
Maße und Gewichte
Länge:3632 mm
Breite:1683 mm
Höhe:1527 mm
Radstand:2322 mm
Leergewicht:1405 kg
Zuladung:400 kg
Kofferraumvolumen:185-550 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit:150 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:9,0 s
Durchschnittsverbrauch:14,7 kWh/100 km
Reichweite:300 km
CO2-Emission:0 g/km
Batteriekapazität:37,3 kWh (Netto)
Schadstoffklasse:k.A.
Energieeffizienzklasse:A+
Kosten:
Basispreis des Fiat 500e:23.560 Euro
Grundpreis des Fiat 500e Cabrio:32.560 Euro
Typklassen:k.A.
Kfz-Steuer:0 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit:Sechs Airbags, Totwinkel-Assistent, Verkehrszeichenerkennung
Komfort:elektrisches Verdeck, Touchscreen-Navigation

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke dpa

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