Einfach nur fahrenâEuro¦

München - Kaum ein Motorrad erregt so viel Aufsehen wie die Triumph Scrambler. Fast bei jedem Tankstopp wird man auf das Bike im Retro-Design angesprochen, an Ampeln wird nach Preis und Leistung gefragt, beim Abstellen wird dem Fahrer anerkennend zugenickt, vorzugsweise von älteren Semestern.

Denn die kennen noch das Vorbild, die alten Scrambler, jene dezent geländegängigen Motorräder mit breitem Lenker, hochgezogenem Auspuff und Stollenreifen, die die Leinwandhelden Marlon Brando ("Der Wilde") und Steve Mc Queen ("Gesprengte Ketten") in Hollywoodfilmen so cool bewegten. Bevor man filmreif den Ketten sprengenden Wilden gibt, ist für an modernes Gerät gewöhnte Motorradfahrer jedoch erst mal Sucharbeit angesagt: Rechts am Scheinwerfer sitzt das Lenkschloss, links das Zündschloss und der Choke ist unterhalb des Tanks. So wie das früher eben war.

An vergangene Zeiten erinnert aber nichts mehr, sobald der Zweizylinder die Arbeit aufgenommen hat. Wunderdinge sind von dem 57 PS (42 kW) starken Twin zwar nicht zu erwarten, aber es handelt sich ja auch um keinen Sportler. Also fahren wir gemütlich übers Land, haben dank breitem Lenker alles gut im Griff, schalten die butterweich wechselnden fünf Gänge rauf und runter, beobachten die Tachonadel in dem klassischen Rundinstrument, lassen den Motor mal knurren, mal schnurren, sehen die Landschaft in den großen Spiegeln im Blumenpflückertempo vorbeiziehen und genießen das Leben. Auch das ist Motorradfahren. Keine Rasterkratzerei in Kurven, keine Beschleunigungs-Orgie auf dem Boulevard und keine Sprungeinlagen in der Kiesgrube. Sondern einfach nur fahren.

Objektiv betrachtet gibt es an der Triumph Scrambler manches auszusetzen. Doch das Zweirad aus England wurde nicht gebaut, um mit objektiven Kriterien gemessen zu werden. Also notieren wir die funzeligen Kontrollleuchten im Cockpit, die bei Sonnenschein nicht sichtbar sind, und wir registrieren die von den rechts verlaufenden Auspuffkrümmern erzwungene unorthodoxe Sitzposition, den für die dezente Fahrweise unangemessen hohen Verbrauch von 5,7 Liter Superbenzin sowie den zwar chromglänzenden, aber nicht abschließbaren Tankdeckel. Und wenden uns nach dieser Kritik wieder den subjektiven Eindrücken zu und lassen uns den Wind um die Nase blasen.

Es gehört ein gutes Stück Liebhaberei dazu, sich für die Triumph Scrambler zu entscheiden und dafür 8740 Euro auf den Tisch des Händlers zu legen. Für das Geld gibts im Gegenzug ein Bike, das sehr individuell ist, Nostalgie verspricht und aktuelle Technik bietet.

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