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Ulrich Chiellino ist als Verkehrspsychologe beim ADAC tätig.

Experte: Männer nehmen Kritik am Fahrstil oft persönlich

"Schatz, fahr doch nicht so schnell" - so ein Satz ist gut gemeint. Er kann im Auto aber schnell für Streit zwischen Männern und Frauen sorgen. Warum, erklärt der ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino.

Wenn Paare zusammen im Auto unterwegs sind, kann es schnell Streit geben. Er denkt, dass er der bessere Fahrer ist. Sie findet, dass er zu schnell fährt. Was die typischen Streitpunkte sind, erklärt Ulrich Chiellino, Verkehrspsychologe beim ADAC.

Sind Männer die schlechteren Beifahrer, weil sie immer alles besser wissen?

Ulrich Chiellino: Da ist möglicherweise etwas dran. Das Autofahren ist in unserer Kultur viel mit Männlichkeit verbunden. Jeder Mann muss Auto fahren können. Wenn man als Mann nicht einparken kann, hat man verloren. Dadurch mischen sich Männer als Beifahrer eventuell eher ein und sagen: Mach' das doch so und so. Und umgekehrt fühlen Männer sich schneller angegriffen, wenn jemand ihren Fahrstil kritisiert.

Inwiefern?

Chiellino: Wenn die Frau zum Beispiel sagt: "Schatz, fahr nicht so schnell" oder "Fahr nicht so dicht auf", kommt beim Mann an: "Ich hab's nicht im Griff." Es wird dann gleich als persönlicher Angriff gewertet.

Kann es im Auto besonders leicht Beziehungsstreit geben?

Chiellino: Ja, das liegt an mehreren Faktoren. Erstens gibt es im Straßenverkehr viel, was man richtig oder falsch machen kann. Zweitens fühlt sich jeder kompetent, wenn es ums Autofahren geht. Und drittens kommt hinzu, dass man im Auto nicht raus kann und in der Situation gefangen ist. Das alles fördert Konflikte.

Woran liegt es, wenn die Routenplanung zur Streitfrage wird?

Chiellino: Da stellt sich die Frage: Wer ist der Kapitän und sagt, wo es langgeht? Das baut Druck auf. Und wenn man sich verfahren hat, geht es auch darum, Recht zu behalten. Dann heißt es schnell "Ich hab's dir ja gleich gesagt".

Und wie lässt sich Streit im Auto vermeiden?

Chiellino: Zum einen ein Fahrerwechsel. Vielleicht sind Männer zu selten Beifahrer, da fehlt dann der Perspektivenwechsel. Als Beifahrer sollte man außerdem Ich-Botschaften verwenden. Also nicht sagen: "Du bist ein schlechter Fahrer." Sondern: "Ich fühle mich nicht wohl, wenn Du so schnell fährst." Das lässt sich eventuell ergänzen durch einen Satz wie "Wir haben es ja nicht eilig, oder?". Darauf kann der Fahrer leichter eingehen.

dpa

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