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Fahrtest Polestar 2 – wie gut ist der neue Star am Elektrohimmel wirklich?

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Von: Rudolf Bögel

Polestar 2 Front Kurve
Sieht anders aus, ist anders. Der Polestar 2 wurde auch vom Design her als E-Auto konzipiert. Ein bisschen Science Fiction ist dabei. © Polestar

Mit dem Polestar 2 steht eine Elektro-Limousine in den Startlöchern, die auch das Premium-Segment aufmischen kann. Mit 408 PS und einem Preis von 43.000 Euro.

Ungewöhnlich ist an diesem Auto so ziemlich alles. Die raumschiffartige Optik, der Antrieb mit seinen zwei E-Motoren, oder dass man neuerdings und natürlich nur im Stand ganze Videos auf dem Bildschirm streamen kann. So richtig gewöhnungsbedürftig ist aber das völlige Fehlen von Zündschloss und Startknopf. Das Auto fährt einfach los, sobald der Fahrer sitzt, die Fahrstufe auf D gestellt und die Bremsen gelöst hat. Wie von Zauberhand.

Polestar 2 weiß Seitenspiegel randlos
Randlos und von daher elegant sind nicht nur die Seiten-, sondern auch der Rückspielgel. Alle einen Tick zu klein. © Polestar

Den Polestar 2 kann man ganz einfach mit dem Handy öffnen

Ob sich Polestar damit viel Geld bei der Produktion spart, das sei mal dahingestellt. Jedenfalls haben die schwedischen Chinesen von Volvo und Geely damit ein digitales Elektroauto* konsequent zu Ende gedacht. Es entsperrt automatisch, ganz ohne Schlüssel, nur mit dem Smartphone. Es fährt auf Wunsch teilweise selbständig, ändert sogar selbständig die Routen, wenn der Strom im Akku knapp wird und steuert Strom-Tankstellen an. Da würde ein Startknopf oder gar ein Zündschloss altmodisch und ewiggestrig wirken.

Autohäuser gibt es nicht mehr – bestellt wird im Internet

Von gestern sind – zumindest beim Polestar 2 – auch die alten Vertriebswege. Das Auto, das im Südosten Chinas gebaut wird, kann man nur noch über das Internet kaufen. Den klassischen Händler gibt es nicht mehr. Physisch erlebbar ist es in Showrooms, die gerade in den deutschen Großstädten von München über Frankfurt bis hinauf nach Berlin aufgebaut werden. Und auch der Bestellprozess wurde entschlackt. Wählen kann man nur zwischen dem Modell mit dem einen Elektromotor (224 oder 231 PS), hier gibt es auch zwei Akkugrößen mit Reichweiten von 420 bis 540 Kilometer. Oder man nimmt gleich die Limousine mit den beiden E-Maschinen, die das Auto mit 408 PS und 660 Nm Drehmoment in 4,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100 katapultieren. Ebenso einfach ist die Sache mit den Extras. Bei anderen Autoherstellern kann man sich mit den Online-Konfiguratoren stundenlang die Zeit vertreiben. Beim Polestar 2 gibt es genau drei unterschiedliche Ausstattungs-Pakete (Pilot, Plus, Performance) von 3.500 bis 6.000 Euro. Ganz zeitsparend und damit zeitgemäß.

Polestar 2 Heck Heckleuchten Seite
Auffälligstes Merkmal des Polestar 2 sind die unverwechselbaren U-förmigen Lichtspangen am Heck. © Polestar

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Flache Karosserie trotz Akkus im Unterboden

Wie aber schlägt sich der Polestar im nun im Alltagsbetrieb? Zunächst einmal hat man mit dieser Limousine die Aufmerksamkeit sicher. Sogar in einer Stadt wie München, in der ein 911er Porsche zur Standard-Straßen-Ausrüstung gehört. Da recken sich Hälse an den Kreuzungen und Kenner quittieren die Sichtung des umweltfreundlichen Autos mit einem nach oben gestreckten Daumen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die schwedisch-chinesischen Koproduktion nicht schon wieder ein SUV ist, sondern eine ganz traditionelle Limousine. Trotz des Akku-Pakets im Unterboden bleibt die Karosserie mit 1,48 Metern schön flach. Hier sitzt man nicht höher, hier werden auch die die bei SUVs oft gar nicht vorhandenen Offroad-Eigenschaften optisch vorgegaukelt. Hier ist ein Auto noch ein Auto.

Cockpit Polestar 2 Bildschirm
Das Cockpit des Polestar 2 strahlt nüchterne Sachlichkeit aus, so wie man schwedisches Design kennt. © Stefan Isaksson / Volvo

Fahrt im Polestar 2 – so viel Spaß wie im Porsche

Und was für eines. Das Top-Modell mit 408 PS ist ein echter Wolf im Schafspelz. Zwei E-Maschinen mit jeweils 150 kW treiben den Polestar auf den jeweiligen Achsen an. Somit verfügt man automatisch über einen Allradantrieb, der für Sicherheit und Spaß gleichermaßen sorgt. Dadurch hatten die Entwickler auch kein Problem, das schon recht stattliche Fahrzeuggewicht von 2,1 Tonnen fahrdynamisch optimal im Verhältnis 50:50 zwischen vorne und hinten zu verteilen. Dass der Polestar eigentlich ein schwerer Brocken ist, das merkt man beim Fahren überhaupt nicht. Leichtfüßig flitzt das E-Auto um die Kurven. Und was die Beschleunigung angeht – sie ist ein verführerisches Vergnügen. Das Fahrwerk ist hart und direkt - auch wenn man auf der bequemsten Einstellung unterwegs ist. Es passt zu den Fahrleistungen, die eher im Sportwagenbereich angesiedelt sind. Nur beim autonomen Fahren gibt es Nachholbedarf. Aber das kennt man schon von Volvo. Die Lenkeingriffe sind zu hart, die Spurführung zu schwammig, so dass man gerne das Lenkrad selbst fest in die Hand nimmt.

Polestar 2 Sitze gelbe Sicherheitsgurte
Goldene Sicherheitsgurte gehören ebenso wie goldfarbene Brembo-Bremsen zur 6000 Euro teuren Top-Ausstattung. © Polestar

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Flotte Fahrt, hoher Verbrauch – das stimmt auch beim E-Auto

Die Reichweite mit 400 Kilometern bei vollem Akku ist alltagstauglich. Zumindest für 90 Prozent der Fahrten, die man üblicherweise absolviert. Wer weite Strecken zurücklegen will, der muss gerade beim flotten Umgang mit dem Gaspedal, häufiger an die Säule. Der prognostizierte Verbrauch von um die 20 geht dann eher in Richtung 30 kW. Zwar „tankt“ der Polestar am Schnellader in 40 Minuten auf – aber für eine lange Urlaubsfahrt taugt so ein Auto eher nicht.

Polestar 2 Autor Rudolf Bögel
Der Polestar 2 verfügt über zwei E-Motoren mit 408 PS. Eine Leistung, die unseren Autoren Rudolf Bögel überzeugt hat. © Polestar

Und so fällt unser Gesamtfazit zum Polestar 2 aus

Diese Details haben uns gefallen:

Nicht optimal ist die Sicht nach hinten durch die verkümmerte Heckscheibe. Und dass man kein Head-up-Display bestellen kann, ist gerade in einem ansonsten konsequent auf die digitale Zukunft getrimmten Fahrzeug, schon fast ärgerlich. Das sind aber Petitessen im Vergleich dazu, dass man mit dem Polestar 2 ein überzeugendes Elektroauto mit permanent eingebautem Spaßfaktor bekommt. Von den 47.930 Euro Basispreis (Hersteller-Anteil schon abgezogen) gehen noch mal 5.000 Euro weg, die der Staat zuschießt. 43.000 Euro – das ist schon fast ein günstiger Preis für ein 408 PS starkes Auto im Premium-Sektor. (Rudolf Bögel) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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