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Vor allem beim Kurvenfahren und Bremsen überschätzen sich ungeübte Motorradfahrer schnell. Foto: Swen Pförtner/dpa

Mit Praxis und Protektoren

Fehler auf dem Motorrad vermeiden

Motorradfahrer leben gefährlich. Ohne Schutzhülle, Sicherheitsgurt und Airbag sind sie der Straße ausgeliefert. Vor allem auf unerfahrene Motorradfahrer lauern etliche Gefahren - wie reagieren die Biker am besten darauf?

Bonn (dpa/tmn) - Der Asphalt scheint griffig, die Kurve wie mit einem Zirkel gezogen. Ideal für das Motorrad. Doch der Biker fährt zu schnell, in der Mitte der Kurve geht ihm der Asphalt aus - er stürzt. Gerade Anfänger überschätzten sich leicht, sagt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR).

Nicht nur beim Tempo, sondern auch beim Kurvenfahren und Bremsen. "Vorder- und Hinterradbremsen zu synchronisieren, ist gar nicht so einfach, das muss geübt werden", so Bente. Meist bremsen Anfänger hinten stark und vorne zu schwach, so dass das Motorrad instabil wird.

Er rät nach ein paar Monaten Fahrpraxis zu einem Sicherheitstraining. "Die Instruktoren erklären dabei korrektes und sicheres Bremsen - viele Motorradfahrer scheinen davor Angst zu haben", sagt Bente. Ebenso wie vor großen Schräglagen in Kurven. "Die innere Hemmschwelle liegt bei etwa 20 Grad Schräglage, dabei schaffen moderne Fahrwerke und Reifen weitaus mehr als 30 Grad."

Warum das wichtig ist? Fahren Biker zu schnell in eine Kurve, kann mit mehr Schräglage der Radius verkleinert werden und der Fahrer ohne Blessuren aus der Kurve kommen. "Sicherer wäre natürlich, die Geschwindigkeit schon vor der Kurve zu reduzieren." Um flüssig und sauber zu fahren, rät er, auf einer langsamen Tour den eigenen Fahrfluss zu beobachten. Oder vor einem guten Bekannten zu fahren, der nach der Tour ein Feedback gibt.

Das rät auch Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer. Auch er weiß, dass die Freude über den bestandenen Führerschein dazu verleiten kann, sich selbst zu überschätzen. Das treffe auch auf Wiedereinsteiger zu, die nach Jahren der Abstinenz wieder auf eine Maschine steigen. "Am Anfang geht es noch vorsichtig, doch schon bald herrscht das Gefühl vor, dass es wieder so gut oder sogar besser geht als früher." Konkrete Fehler beträfen riskantes Überholen, abrupte Fahrwechsel, das Einschätzen von Fahrsituationen und Strecken sowie die Blickführung und die Kurvenlinie.

Lenzen rät zum häufigen Üben abseits des Straßenverkehrs auf großen Parkplätzen, am besten Grundübungen. Dazu zählt das Fahren von Kreisen, Achten, Slalom und Bremsübungen. Auch von langen Touren rät er ab. Am Anfang sollte man sich nicht mit großen Touren belasten, sondern sich allmählich steigern. "Wichtig ist, dass sich der Fahrer wohlfühlt, dass er konzentriert bleibt, viele Pausen macht und genügend trinkt", sagt Lenzen.

Gut beraten seien Motorradfahrer damit, ihr eigenes Können immer wieder infrage zu stellen, sagt Matthias Haasper vom Institut für Zweiradsicherheit (Ifz): "Wo habe ich mich bei der letzten Ausfahrt vielleicht überschätzt, wo wurde es eng, eventuell sogar gefährlich. Was könnte ich besser machen, um sicherer unterwegs zu sein?" Das Überdenken der eigenen Sicherheit sei eine gute Voraussetzung, neue Verhaltensweisen aufzubauen. Anfängern sei häufig nicht bewusst, dass sie schnell übersehen werden. Die schmale Motorrad-Silhouette löst oftmals keine Reaktion bei Autofahrern aus. "Defensiv fahren sowie aufmerksam und bremsbereit bleiben, lautet das Motto", rät Haasper.

Zur Sicherheit gehört auch die richtige Bekleidung. Bei Motorradbekleidung steht die Funktionalität an erster Stelle. Erst danach kommt die Optik. Ganz gleich ob Stoff oder Leder: Die Kleidung müsse sitzen und aktuelle Protektoren integriert haben. "Natürlich muss sie passen, darf nicht flattern, aber auch nicht zu eng sein. Und sie sollten auf dem Motorrad ausprobiert werden, also im Sitzen", sagt Bente. Ganz wichtig: der Helm. Auch er wird am besten bei einer Probefahrt ausprobiert, ob er richtig und straff sitzt, ohne zu flattern oder Druckstellen zu verursachen.

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