+
Ein Ferrari Testarossa aus dem Jahr 1988. Der Kult-Name wird wohl bald auch für Fahrräder, E-Bikes und Rasierer genutzt werden. Foto: Uli Deck/dpa

Kult-Sportwagen

Gericht entzieht Ferrari die Marke Testarossa

Der Ferrari Testarossa lässt die Herzen von Sportwagen-Fans seit vielen Jahren höher schlagen. Doch nun hat ein Gericht in Düsseldorf den Italienern die Marke Testarossa entzogen.

Düsseldorf (dpa) - Unter der Marke Testarossa könnten demnächst Zweiräder oder Rasierer verkauft werden. Der Sportwagenhersteller Ferrari hat den Rechtsstreit um seinen Modellnamen jedenfalls vorerst verloren.

Ferrari müsse in die Löschung der deutschen und der internationalen Marke Testarossa einwilligen, entschied das Düsseldorfer Landgericht (Az.: 2a O 166/16). Den Italienern bleibt allerdings noch der Gang in die Berufung zum Oberlandesgericht.

Ferrari habe die Marke in den vergangenen fünf Jahren nicht mehr ausreichend genutzt, begründete Gerichtssprecherin Miriam Reinartz die Entscheidung der Kammer. "Eine Marke muss genutzt werden, damit sie geschützt bleibt. Das hat das Unternehmen hier nicht getan."

"Das freut mich schon sehr", sagte der Nürnberger Unternehmer Kurt Hesse der Deutschen Presse-Agentur. Er hatte geklagt und sich zuvor die Markenrechte an Testarossa gesichert. Dagegen hatte Ferrari Widerspruch eingelegt, für den sich der Bayer wiederum mit dem Antrag auf Löschung der alten Marke Testarossa beim Deutschen und beim Europäischen Markenamt revanchierte.

Der Ferrari wurde in Italien von 1984 bis 1996 gebaut, hatte bis zu 446 PS und zwölf Zylinder. Testarossa heißt roter Kopf oder rote Spitze. Den Namen gab man dem Boliden wegen der roten Kappen auf den Zylinderköpfen. Die flache Flunder aus Maranello konnte damit auf 290 Stundenkilometer beschleunigen.

Schauspieler Alain Delon hatte einen Testarossa und Musiklegende Elton John auch. Einen enormen Werbeeffekt hatte der Dauerauftritt des Sportwagens als Dienstwagen der Polizei in der TV-Serie "Miami Vice".

Doch nun will der bayerische Spielzeugfabrikant Hesse (73) den Modellnamen für Fahrräder, E-Bikes und Rasierer nutzen, wie er verriet. Der frühere Eigentümer der Carrera-Rennbahn-Produktion leitet inzwischen die Autec AG in Nürnberg, hat sich einen Namen als Spielzeughersteller gemacht.

Ferrari hatte argumentiert, immerhin sei man nach wie vor mit Wartung, Reparatur und Aufbereitung der Testarossas beschäftigt. Damit nutze man die Marke tatsächlich. Doch das hatten die Richter nicht gelten lassen, weil das Unternehmen diese Dienstleistungen unter der Dachmarke Ferrari erbringe. Und die Nutzung von Testarossa im Ersatzteilgeschäft habe einen zu geringen Umfang.

"Die heutige Entscheidung muss die Alarmsirenen bei allen Herstellern schrillen lassen, die bekannte Marken besitzen, diese aber nicht mehr nutzen", sagte der Markenrechts-Experte Georg Jacobs von der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek. "Unternehmen dürfen sich nicht auf ihren Marken-Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. Nur, wer seine Produktmarke regelmäßig nutzt, erhält ihre Wertigkeit." Im Extremfall könne andernfalls sogar ein direkter Wettbewerber die Marke für sich nutzen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schadenersatz-Klage: Busfahrer auf Handicap hinweisen
Busfahrer müssen Rücksicht auf geh- oder sehbehinderte Passagiere nehmen. Doch er muss von ihnen wissen. Das ist ein wichtiger Fakt, wenn jemand Schadenersatz nach einem …
Schadenersatz-Klage: Busfahrer auf Handicap hinweisen
Enormes Wachstum: Europäischer Automarkt brummt
Der europäische Automarkt ist gewachsen. 2017 war nicht nur ein Erfolg - sondern das drittstärkste Jahr der Geschichte.
Enormes Wachstum: Europäischer Automarkt brummt
Keine Pappe gegen festgefrorene Wischerblätter nutzen
Oft sieht man Pappen unter den Scheibenwischern liegen. So sollen sie nicht an der Autoscheibe festfrieren. Doch obwohl so eine Pappe schnell zur Hand ist, sollten …
Keine Pappe gegen festgefrorene Wischerblätter nutzen
Express mit Zuschlag: BMW S 1000 XR
Sie vereint das Beste aus Sport, Adventure und Touring - die BMW S 1000 XR. Im Fahrbericht lesen Sie, wie sich die Maschine auf der Straße schlägt.
Express mit Zuschlag: BMW S 1000 XR

Kommentare