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Nie mehr Kummer mit der Nummer: Der Nachfolger des Alfa 147 hört auf den klangvollen Namen Giulietta.

Vom Glanz alter Zeiten

Zum 100. Firmenjubiläum machte sich Alfa Romeo selbst das schönste Geschenk. Die Fiat-Tochter mit Ehrfurcht gebietender Ahnengalerie ließ eines seiner berühmten Modelle auferstehen: Die Giulietta.

Der Name Giulietta verpflichtet: In den Fünfziger Jahren war es oder sie der Inbegriff des Einstiegs der Nobelschmiede in die automobile Massenproduktion, sammelte sogar Rallye-Trophäen und geht nun als Nachfolger des kompakten 147 an den Start.

Der Glanz vergangener Zeiten weckt natürlich hohe Erwartungen. Dabei strahlt nicht nur das kulleräugige Karosseriedesign Extravaganz ab. Auch im Innenraum mit seinem auf die Kopfstützen der gut geformten und bequemen Vordersitze geprägten Alfa-Logo, den metallischen oder in Klavierlack glänzenden Oberflächen des Armaturenbretts strebt man nach Höherem, kann allerdings den ansonsten massiven Einsatz von Kunststoffen nicht ganz kaschieren.

Wie die Zeit vergeht mit Giulietta...

Wie die Zeit vergeht mit Giulietta... 

Ebenfalls kaum verbergen lassen sich funktionale Nachteile des ambitionierten Designs: Drehzahmesser und Tachometer spiegeln und sind wegen ihrer Typografie schlecht ablesbar. An bügelartige Schalter unter anderem für die Nebelleuchten muss man sich gewöhnen, ebenso an die umständliche Benutzerführung für Navigation und Kommunikation. Grundeinstellungen sind nur bei stehendem Fahrzeug möglich. Das ist mit Blick auf die Verkehrssicherheit löblich, aber im Detail unpraktisch.

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Giulietta - ein Name verpflichtet

Wie bei fast allen Wagen dieser Größenordnung leidet auch im Alfa die Sicht nach hinten unter der breiten C-Säule und den schmalen Fensterausschnitten. Vorn stören lediglich die voluminösen B-Säulen den Seitenblick aufs Verkehrsgeschehen. Der Platz im Fond mag Südeuropäern ausreichend erscheinen, für größere Menschen sind Kopf- und Beinfreiheit auf den Rücksitzen doch arg begrenzt, auch der Zustieg ist so schmal geschnitten wie italienische Maßgarderobe. Schick: In die Säule integrierte Türgriffe lassen den Azzurro wie ein Coupé erscheinen. Die klassengemäßen 350 Liter Fassungsvermögen des Gepäckabteils wachsen nach Umlegen der zweigeteilten Rückbank auf 1 045 Liter. Weil aber nur die Lehnen flexibel sind, entsteht eine unschöne Stufe in der Mitte der Ladefläche. Den Nutzwert beeinträchtigen ebenso eine hohe Ladekante und die enge Ladeöffnung.

Schick - der italienische Look 

Ein Sonderlob gebührt dem Fahrwerk, das sehr sensibel auf Lenkbefehle reagiert, kaum untersteuert und gerade bei hohen Geschwindigkeiten seine Stärken ausspielt. Der Fahrkomfort kommt dabei nicht zu kurz: Souverän meistert die Giulietta Querfugen, Spurrinnen und sogar städtische Flickenteppiche.

„D.N.A.“ nennt Alfa seine serienmäßige Fahrdynamikregelung. Auf Knopfdruck verändern sich Drehmomentcharakteristik und Ansprechverhalten des Motors sowie Differenzialsteuerung, Stabilitätskontrolle und elektronische Servolenkung von Dynamic über Normal zu All Weather. Und das in einem Maße, als ob tatsächlich tief in die Gene des Fronttrieblers eingegriffen würde. Der Fahrer kann einige Variablen sogar selbst bestimmen.

Für reichlich Fahrspaß bürgt gleichermaßen der 2,0 Liter JTD-Common-Rail-Direkteinspritzer mit 170 PS, der sehr kraftvoll und dennoch kultiviert arbeitet, dabei nur 6,5 Liter Diesel verbraucht. Der Vierzylinder ist mit Start-Stopp-System und Schaltpunktanzeige auf Sparen geeicht, doch an der Ampel blieb überraschenderweise trotz langer Fahrstrecke und relativ milden Temperaturen oft der Motor an. Nach wie vor ein Thema bei Modellen des Fiat-Konzerns ist die Verarbeitung: Das ist auch bei der Giulietta zu spüren, wo die Außenspiegel sich heftig im Fahrtwind schüttelten. Da kann man den Ärger von Konzernchef Sergio Marchionne über italienische Arbeitsauffassung nachvollziehen ...

Carsten Müller

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