Die große Bulli-Parade

Wolfsburg - Als kantiger Prototyp lernte er 1947 das Laufen. Der Not gehorchend, nicht ahnend den Kult, den er später mal auslösen sollte. Er wurde gemacht von Ingenieuren und Technikern mit Fingerspitzengefühl und Improvisationstalent. Der Plattenwagen, so die interne Bezeichnung für ein uriges Vehikel zum Transport schwerer Lasten im Wolfsburger VW-Werk, ist der Ideenlieferant - für Ben Pon, Autohändler und Volkswagen Importeur in den Niederlanden.

Das erste Exemplar eines Typs 29, so die interne Bezeichnung des ersten Transporters mit Käfer- und Kübelwagen- Technik, ist nach weniger als einem halben Jahr fahrbereit. Aber nicht lange. Das Testprogramm kann nicht wie geplant durchgeführt werden, weil das Chassis, das für den Käfer gut ist, dem Typ 29 nicht reicht.

Mangelhafte Verwindungsfestigkeit von Chassis und Karosserie verwandelt jede Kurvenfahrt in ein Abenteuer mit offenem Ausgang. Im nächsten Versuchsstadium erweist sich die selbsttragende Konstruktion des Aufbaus als die richtige. Fahrwerksteile werden gegenüber der Käfer-Technik stabiler dimensioniert und verhelfen dem Transporter zum angestrebten Niveau an aktiver Sicherheit. Im Frühjahr 1950 rollen die ersten Transporter auf die Straße - angetrieben von einem 25 PS starken, luftgekühlten Boxer im Heck.

Wendig, praktisch, vielseitig, anspruchslos und fast 100 km/h schnell. Auf der Straße nimmt er nicht viel mehr Platz in Anspruch als ein Käfer. Er macht eine gute Figur an Gemüseständen und Baustellen, löst der Polizei als freundlicher Helfer die meisten Transportproblemchen und entwickelt sich alsbald zu einem Automobil mit etlichen Anzeichen einer komfortablen Limousine: bequem, zweifarbig mit Rollverdeck, viel Chrom und Glanz. Das alles bietet der Samba-Bus, der 1951 vorgestellt wird und bis auf Weiteres der unangefochtene Star des Transporter-Ensembles ist.

Auf dem Markt soll er als Typ 2 nur der VW Lieferwagen sein. Sein Spitzname findet keinen Eingang in die Verkaufsunterlagen. Bulli, wie er von Beginn an liebevoll genannt wird, darf er offiziell nicht heißen, weil die Mannheimer Traktorenfirma Lanz sich den Namen "Bully" hat schützen lassen. Indes, der Volksmund ließ sich davon nicht beirren. Ein VW Transporter, ein Lieferwagen oder ein Bus war ein Bulli - im Namen des Volkes.

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