Grüne Signale

- Das plötzliche Wiederaufflammen der Ökologiedebatte hat viele Autohersteller kalt erwischt. Auf dem Genfer Autosalon (8. - 18. März) verfügen daher immer noch 95 Prozent der Neuheiten über konventionelle Antriebe. Dennoch stehen die Zeichen auf Grün: Besonders die Asiaten nutzen die Show zur Vorstellung umweltfreundlicher Autos. Aber auch die Europäer haben bei ihren Neuheiten den Spritverbrauch heruntergeschraubt.

  Rund 770 000 Besucher werden sich an den Ständen der rund 250 Aussteller ein Bild davon machen, wohin die Reise im Autojahr 2007 geht. Durch die Klimadiskussion ist der Hybridantrieb in aller Munde. Toyota legt erneut die Messlatte höher und zeigt bereits die neue Generation der Otto-Elektromotoren- Kombination; schon ab 2008 soll sie in der Neuauflage des Prius zum Einsatz kommen. Toyota-Edelmarke Lexus bringt den Antriebszwitter jetzt auch in die Oberklasse: Im S-Klasse-Konkurrenten LS 600h kommt eine spektakuläre Verbindung aus V8-Benziner und Elektromotor auf rund 450 PS Systemleistung -mit Verbrauchswerten eines modernen Sechszylinders.

Auch bei Honda dient die Kraft der zwei Herzen sportlichen Zwecken. Das zweisitzige Hybrid-Sportcoupé, das als Studie debütiert, wurde im europäischen Entwicklungszentrum in Offenbach gezeichnet. Und selbst Kia spendiert dem Kompakten Rio einen sparsamen Hybridantrieb, der sich aber noch im Vorserienstadium befindet. Bei den deutschen Autobauern soll statt des Hybridantriebs jetzt vor allem der Dieselmotor die CO2-Emissionen im Straßenverkehr senken: Volkswagen und Audi haben mit dem Passat Bluemotion und den e- Modellen beim A3 und A4 verbrauchs- und schadstoffoptimierte Versionen an den Genfer See mitgebracht.

Im BMW 1er und 5er sowie im Porsche- Geländegänger Cayenne kommen neue Motoren zum Einsatz, die mit spezieller Einspritztechnik mehr Leistung und bessere Abgaswerte erzielen. Die Münchner senken außerdem mit einer Start-Stopp-Automatik, mit Rückgewinnung der Bremsenergie und mit einem intelligenten Energiemanagement den Schadstoffausstoß weiter.

Auch Biokraftstoffe sind ein Thema: Die GM-Tochter Saab setzt in einem Konzeptauto des Mittelklasse-Modells 9-5 mit 300 PS auf reinen Ethanol aus nachwachsenden Rohstoffen. Ob sich der Bio-Alkohol in Europa durchsetzt, bleibt jedoch wegen mangelnder Anbauflächen abzuwarten.

In Sachen neuer Fahrzeugkonzepte scheint jedoch die rasante Entwicklung der letzten Jahre vorläufig an Tempo verloren zu haben. Statt einer Crossover-Flut zeigen viele Hersteller Nachfolger altbewährter Bestseller. Vor allem die klassische Stufenhecklimousine erlebt eine Renaissance: Mercedes etwa präsentiert in erster Linie die neue Generation seines Bestsellers CKlasse. Ein sportliches, nicht zu dick aufgetragenes Design mit der Möglichkeit einer individuellen Frontgestaltung, ein gleichzeitig auf Agilität und Komfort ausgelegtes Fahrwerk und mehr Bewegungsfreiheit im Innenraum zählen zu den wichtigsten Fortschritten des Brot-und-Butter-Autos aus Stuttgart.

Auch der neue Ford Mondeo lässt seinen Vorgänger urplötzlich alt aussehen. Kräftige Karosserielinien und ein aufgewertetes Interieur sollen den Kölner Mittelklässler, der als Stufenheck, Fließheck und Kombi auf den Markt kommt, an die Spitze seiner Fahrzeugklasse katapultieren.

In der in Europa traditionell starken Kompaktklasse treten mit Toyota Auris, Kia Ceed und Hyundai FD drei neue Asiaten zum Kampf um Marktanteile und brauchen sich hinter ihren europäischen Wettbewerbern nicht länger verstecken. Klassische asiatische Tugenden wie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit paaren sich nun mit einem geschmackvollen Design. Suzuki macht nach modernen neuen Modellen wie dem Swift und dem SX4 nun der konservativen Kundschaft ein Angebot und verpasst dem zunächst als Mini-SUV gestarteten SX4 ein Stufenheck. Darunter präsentieren sich der Skoda Fabia und der Mazda 2, die beide nun sportlicher und weniger funktional aussehen, ihre praktischen Qualitäten aber nicht vernachlässigen.

Ebenfalls am Start ist der neue Renault Twingo, dem nach fast 15 Jahren nun endlich die ersehnte Erneuerung vergönnt ist. Als Nachzügler des SUV-Booms präsentiert der PSA-Konzern seine Interpretationen der Lifestyle-Laster: Der Citroen CCrosser und der Peugeot 4007 fügen sich optisch nahtlos in die gegenwärtige Modellpalette ein; gebaut werden sie bei Mitsubishi, wo man sich mit Allradtechnik bestens auskennt.

Umweltfreundlichkeit ist also nicht alles. Auf Emotionalität und Fahrspaß setzen daher Audi mit dem bei uns bereits vorgestellten neuen Coupé A5, das sich zwischen den Baureihen A4 und A6 ansiedelt, Maserati mit dem atemberaubenden neuen Sportwagen Gran Turismo oder der Motorradhersteller KTM mit seinem ersten Pkw: einem leichtgewichtigen Roadster aus Kohlefaser. Opel motzt den Kleinwagen Corsa in der Sportvariante OPC auf 192 PS auf, der neue Smart erhält eine tiefergelegte Brabus-Topversion mit 98 PS, Sportfahrwerk und umfassender Ausstattung. Und der Peugeot 207 CC tritt mit kräftigen Motoren und elegantem Design die Nachfolge des erfolgreichen Kleinwagen- Cabrios 206 CC an.

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