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Wer hinterm Steuer telefoniert, während der Motor läuft, muss mit 40 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Wiederholungstäter können sogar vorübergehend die Fahrerlaubnis verlieren.

Kuriose Ausnahmen

Wann das Handy-Verbot im Auto nicht gilt

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München - Telefonieren am Steuer ist verboten. Das weiß jeder. Doch so pauschal stimmt das gar nicht. Denn sobald der Motor abgestellt ist, darf ein Mobiltelefon vom Fahrer bedient werden – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Grundsätzlich ist die Gesetzeslage klar: Das Benutzen eines Telefons ist laut Straßenverkehrsordnung während der Fahrt verboten (StVO, Paragraf 23, Abs. 1a). Zwischen Tippen und Telefonieren wird dabei nicht unterschieden. Das bedeutet: Auch SMS, Whatsapp-Nachrichten, Facebook- oder Twitter-Einträge sind tabu.

Derzeit müssen Verkehrssünder mit einem Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei und einem Bußgeld von 40 Euro rechnen, wenn sie gegen das Handy-Verbot verstoßen. Radfahrer zahlen 25 Euro. Ab Mai, wenn die Punktereform greift, steigt das Bußgeld für Autofahrer auf 60 Euro – es bleibt bei einem Punkt. „Dieser wiegt allerdings schwerer, weil die maximal mögliche Punktzahl mit der Reform von 17 auf 7 sinkt“, erklärt Verkehrsrechtsanwalt Uwe Lenhart aus Frankfurt.

Start-Stopp-System

Bei längerem Stillstand im Verkehr dürfen Autofahrer ihr Handy allerdings benutzen – sofern nicht der Motor des Fahrzeugs läuft. Das gilt für das Warten vor der roten Ampel, der geschlossenen Bahnschranke oder im Stau. „Wenn der Motor durch ein Start-Stopp-System ausgeschaltet ist, ist die Benutzung bei längeren Wartezeiten gestattet“, sagt Lenhart und bezieht sich dabei auf einen Standard-Kommentar zur Straßenverkehrsordnung.

Gleiches gelte, wenn der Fahrer den Motor eigenhändig ausschalte. „Sorgt der Fahrer dabei aber für eine Verzögerung im Verkehr, etwa weil er verspätet losfährt, nachdem die Ampel wieder auf Grün gesprungen ist, muss er mit einem Verwarnungsgeld rechnen“, erläutert der Verkehrsrechtsanwalt.

Uhrzeit und Navi

Nach Lenharts Auffassung gibt es beim Thema Handy-Nutzung am Steuer eine Menge feiner Unterschiede: „Dem Fahrzeugführer ist die Benutzung eines Mobil- oder Autotelefons untersagt, wenn er hierfür das Handy oder den Hörer des Autotelefons aufnimmt oder hält“, erläutert der Jurist. Das Verbot gelte selbst, wenn der Fahrer das Gerät nur aufnimmt, um die Uhrzeit abzulesen, so Lenhart. Jedoch sei das bloße Aufnehmen, um das Gerät etwa vom Sitz in eine Ablage zu legen, erlaubt. „Das muss der Fahrer im Zweifel aber beweisen.“ Dagegen sei die Benutzung des Handys als Navigationsgerät erlaubt, wenn es in einer festen Halterung sitzt, wie dies auch für mobile Navis zutrifft.

Freisprechanlage

Der ADAC rät Autofahrern, die auch während des Fahrens Telefonieren möchten, zu fest installierten Freisprechanlagen. Auch Head-Sets sind gesetzlich als Freisprechanlagen anerkannt. Sie sind laut ADAC allerdings oft nur bedingt autotauglich. Als Gründe führt der Automobilclub – je nach Anlagetyp – verminderten Tragekomfort, oft nicht mitgelieferte Handy-Halterungen oder zu kurze Anschlusskabel an. Die meisten Head-Sets können zwar kabellos per Bluetooth im Auto betrieben werden – auf eine Handy-Halterung sollte man dennoch nicht verzichten, so der ADAC.

Beim Kauf sollten Autofahrer nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Ausstattung achten. Dazu gehören laut ADAC die Prüfzeichen CE und e1 (elektromagnetische Verträglichkeit), ein externer Antennenanschluss, eine stabile Handy-Halterung, automatische Rufannahme und Radiostummschaltung, ein Timer für die Abschaltautomatik, eine Akkuladefunktion und die Umrüstbarkeit auf andere Handytypen.

Wiederholungstäter

Wer sich mehrfach über das Handyverbot im Straßenverkehr hinwegsetzt, kann in Deutschland sogar vorübergehend seine Fahrerlaubnis verlieren. Die Strafe kann in diesem Fall wegen einer sogenannten „beharrlichen Pflichtverletzung“ verhängt werden. So argumentierte jedenfalls das Oberlandesgericht Hamm und wies die Rechtsbeschwerde eines Verkehrssünders ab, der wiederholt am Steuer telefoniert hatte (Az.: 3 RBs 256/13). In dem Fall erhielt ein Autofahrer 80 Euro Geldbuße und einen Monat Fahrverbot.

Bußgeld im Ausland

Handy-Gespräche am Steuer kommen im Ausland oft wesentlich teuerer als in Deutschland. Das Mobiltelefon im Auto haben vor allem die Niederländer und Spanier auf dem Kieker: Im Nachbarland sind 220 Euro fällig, in Spanien beginnen die Bußgelder bei 200 Euro. In Spanien dürfen Fahrer außerdem auch nicht mit Head-Set telefonieren. Werden sie erwischt, beträgt das Bußgeld 90 Euro. Keinen Spaß verstehen auch Norweger (165 Euro), Italiener (ab 150 Euro), Franzosen (ab 135 Euro) oder Portugiesen (ab 120 Euro). Relativ gering fallen die Bußgelder in Bosnien-Herzegowina (ab 10 Euro), Litauen (ab 10 Euro) oder Lettland (15 Euro) aus. In Schweden gibt es bisher kein Handy-Verbot am Steuer.  

Manuela Dollinger (mit dpa)

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