Harte Schale, harter Kern

- Er ist das Baby in der Hummer- Familie. Wobei "Baby" eine sehr verniedlichende Bezeichnung für den 4,74 Meter langen, 1,92 Meter breiten, 1,88 Meter hohen und 2130 Kilogramm schweren H3 darstellt. Der jüngste und kleinste Spross der Hummer-Familie ist immer noch so üppig dimensioniert, dass er im Straßenverkehr ziemlich auffällt. Scheinbar ein Anachronismus, dieses Fahrzeug, dessen Wurzeln auf einen fürs Militär konstruierten Geländewagen zurückgehen.

Vor allem hierzulande, wo die Straßen gut ausgebaut sind, Offroad-Fahrten so gut wie nie legal durchzuführen sind und weder Parkplätze noch Überholspuren für derartige Monster angelegt sind. Und doch: Der vor rund einem Jahr präsentierte H3 verkauft sich wie geschnittenes Brot. Mehr als 100 Exemplare hat Importeur Geiger in München-Trudering, der älteste Hummer-Händler Deutschlands, schon über den Großen Teich geholt. Wir haben uns einen H3 ausgeliehen und wollten in diversen Alltagssituationen erfahren, was an diesem Baby mit der harten Schale dran ist.

Stadtverkehr: An die mächtigen Maße sollte man möglichst nicht denken -aber sie auch nie vergessen. Denn der H3 füllt die Fahrspur ziemlich aus, und die ausgestellten Kotflügel kommen schlampig geparkten Autos bisweilen beängstigend nahe. Ansonsten schwimmt der Hummer locker mit, Spurwech- Alltags-Erfahrungen mit dem Hummer 3 Executive sel sind kein Problem, allerdings sollte man sich nicht zu sehr von Passanten und anderen Autofahrern ablenken lassen.

Landstraße: Bei der gemütlichen Tour außerorts kann man die mächtige Fuhre am entspanntesten genießen, packt das dicke Lenkrad, zirkelt halbwegs präzise um Kurven, stört sich nicht an den hochgezogenen, den seitlichen Ausblick reduzierenden Türen und verpasst dem Gaspedal ab und zu einen rechten Tritt, damit die 223 Pferdchen des 3,5-l-Motors auch mal ins Galoppieren kommen. Beim Überholen aber nicht nur das maximale Drehmoment von 305 Nm imHinterkopf haben, sondern auch das Gewicht von über zwei Tonnen. Und Vorsicht bei nasser Fahrbahn, da tendiert der H3 trotz permanentem Allradantrieb zum Übersteuern.

Autobahn: Länge läuft bekanntlich, also zieht auch der Hummer unbeirrt seine Bahn. Die Viergang- Automatik sucht beim Zwischenspurt bisweilen mit lautem Heulen die richtige Fahrstufe und der Begrenzer beendet bei 160 km/h ziemlich abrupt den Vortrieb, ansonsten ist die Reise bei Autobahn- Richtgeschwindigkeit wohltuend entspannt.

Supermarkt: Der H3 passt gerade so in die Norm-Parkbuchten, darum schon beim Einparken darauf achten, dass man auch nach dem Einkauf ungehindert wieder einsteigen kann, denn die Türen schwingen weit auf. 

Parkhaus: Dank des relativ kleinen Wendekreises von 11,2 Metern ist die Fahrt über Rampen und zwischen Betonpfeilern erstaunlich unaufgeregt. Der Blick nach hinten ist allerdings so gut wie nicht möglich, außerdem muss man beim Einparken auch nach oben blicken und auf Lüftungsrohre und Ähnliches achten.

Tankstelle: Die Stunde der Wahrheit ergab einen durchschnittlichen Verbrauch von 15,6 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometer. Der 87- Liter-Tank ist also theoretisch nach gut 550 Kilometern leer. Auch wenn der Spritpreis derzeit wieder etwas sinkt -ein ganz düsteres Kapitel!

Gelände: Weil legal hierzulande allenfalls ein unbefestigter Feldweg befahren werden darf, verzichteten wir auf diesen Teil. Was der Hummer offroad kann, lassen wir uns beim Hummer-Festival von den Experten vorführen.

Preis und Ausstattung: Für 49 900 Euro bekommt man den Hummer H3 Executive -Klimaanlage, Tempomat, Lederausstattung, Traktionskontrolle und Sperrdifferenzial serienmäßig. Bei dem von uns gefahrenen Modell addieren sich noch 2490 Euro für die Viergang- Automatik, 1190 Euro fürs elektrische Schiebedach und 470 Euro für die schwarze Lackierung -viel Geld für ein Baby mit hartem Kern. Dafür gibt‘s dann aber auch die harte Schale und das Image vom ganzen Kerl dazu.

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