Helle Momente

- Automobilhersteller und Designer verwenden derzeit viel Energie auf die Beleuchtung des Innenraums: Wechselnde Farbeffekte, angestrahlte Motoren oder automatisch illuminierte Ablagen sind nur einige Neuheiten. Der Aufwand bei der Beleuchtung soll dem Fahrer helfen, soll seine Aufmerksamkeit steigern und vor allem seine innere Uhr beeinflussen. Früher hatten Autos eine Lampe am Dachhimmel und ein paar Birnen im Cockpit.

Heute dagegen wird der Innenraum oft von mehr als einem halben Dutzend Glühbirnen, Lichtleitern und Leuchtdioden in Szene gesetzt. Mercedes oder Audi haben diese "Ambiente-Beleuchtung" sogar als Extra in die Preisliste aufgenommen. Selbst bei Kleinwagen wie dem neuen Mini gibt es nun ein Lichtpaket, das erstmals sogar die Möglichkeit bietet, die Farben auf Knopfdruck zu wechseln.

Wer lange genug auf den Kipphebel am Innenspiegel drückt, lässt das Licht am Dachhimmel, in den Türöffnern, in den Ablagen, an den B-Säulen und oberhalb der Instrumententafel sanft von einem warmen Orange in ein kaltes Blau wechseln -oder umgekehrt. Auf ein ähnliches System setzt Skoda in der Studie Joyster.

Auch Renault arbeitet bei der Studie für den nächsten Twingo mit solchen Lichtkontrasten: Bei Motorstillstand strahlt der Innenraum in modernem Blau. Wird der Motor angelassen, wechselt die Lichtfarbe automatisch zu Gelb, was sportlich-dynamisch wirken soll. Die Entwickler von Citroën haben ebenfalls bei der Arbeit am neuen C4 Picasso buchstäblich ein paar helle Momente gehabt. Deshalb verfügt der Van nicht nur über eine eingebaute Taschenlampe im Kofferraum und versteckte Lichtleiter in der Verkleidung, sondern auch über Ablagen, die wie von Geisterhand erleuchtet werden. Im Normalfall sind die Taschen in Türen nachts dunkel.

Erst wenn sich eine Hand nähert, wird die Beleuchtung aktiviert, erläutert ein Citroën-Entwickler das System. Starke Aufmerksamkeit will dagegen der ausgeleuchtete Motorraum des Audi-Sportwagens R8 erregen -selbst bei Dunkelheit kann jeder den unter Glas montierten Achtzylinder sehen. Solche Entwicklungen dienen zwar vordergründig dem Showeffekt. Doch hat die Beleuchtung auch einen großen Einfluss auf den Fahrer, weiß man bei Audi. Dort nutzt man die Farbwechsel, um den Wohlfühlfaktor zu steigern. Ist es draußen kalt, tauchen die Experten ihren Prototypen in rotes Licht. Bei großer Hitze hingegen verwandelt Blau den Wagen optisch in eine Kühlzelle.

Noch einen Schritt weiter denkt man bei VW. Da hat man eine so genannte Vigilanzleuchte entwickelt, die müde Autofahrer wach machen soll. Eine unscheinbare Leuchte strahlt himmelblau und simuliert dem Fahrer auch nachts Tageslicht. Das verhindert die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin und hält den Fahrer länger wach, sagt man in Wolfsburg.

Dieser Effekt ist zwar erst vor vier Jahren entdeckt worden, mittlerweile aber medizinisch bewiesen. Vor allem blaues Licht ist dafür verantwortlich. Allerdings lässt sich ein Fahrer auch mit einer solchen Leuchte nicht endlos wach halten.

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